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China: Für 2022 droht der Wirtschaft Omikron-Gefahr - Landesweite Lockdowns befürchtet

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Container-Terminal in Qingdao
Containerschiffe liegen im nächtlich beleuchteten Containerterminal des Hafens von Qingdao. © Yu Fangping/SIPA Asia via ZUMA Wire/dpa

Chinas Wirtschaft erholte sich schneller von der Corona-Pandemie als in anderen Ländern. Doch die Ankunft der Omikron-Variante in der Volksrepublik löst Skepsis für 2022 aus.

Peking/München – Chinas Wirtschaft ist 2021 erneut deutlich gewachsen. Wie das Nationale Statistikamt am Montag mitteilte, lag das Wachstum bei robusten 8,1 Prozent. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts* fiel damit etwas besser aus, als Analysten im Durchschnitt erwartet hatten. Allerdings schwächte sich die Dynamik im dritten und vierten Quartal ab. Nach einem Rekordzuwachs von 18,3 Prozent im ersten und 7,9 Prozent im zweiten Quartal – jeweils im Vorjahresvergleich – erreichte das Quartalswachstum im zweiten Halbjahr keine fünf Prozent. Im dritten Quartal legte die zweitgrößte Volkswirtschaft um 4,9 Prozent zu. Zwischen Oktober und Dezember waren es nur noch vier Prozent.

„Das Gesamtwachstum für 2021 ist angesichts der niedrigen Basis des Vorjahres und durch starke Vor-Quartale mit 8,1 Prozent erwartbar solide ausgefallen“, kommentierte Jens Hildebrandt, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in China*, die Zahlen.

China: Corona entscheidet über weitere wirtschaftliche Entwicklung

Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung in diesem Jahr dürfte der weitere Verlauf der Pandemie werden. Während Länder in aller Welt damit begonnen haben, mit dem Coronavirus zu leben, setzt Peking mehr denn je auf Abschottung.  hat die Zahl der Corona-Infektionen in China den höchsten Stand seit fast zwei Jahren erreicht. Am Montag wurden nach Behördenangaben 223 Neuinfektionen registriert, so viele wie zuletzt im März 2020. Auch ist die Omikron-Variante in China angekommen und dürfte angesichts der strikten Null-Covid-Politik der Regierung für erhebliche Behinderungen der Wirtschaft führen. So gibt es in Pekings Nachbarstadt Tianjin aufgrund lokaler Omikron-Fälle* bereits Beschränkungen für Unternehmen. Ein Werk von Volkswagen musste wegen mehrerer Corona-Fälle vorübergehend die Produktion einstellen.

Experten fürchten, dass es schwerwiegende Folgen haben könnte, falls es wegen der Omikron-Variante landesweit in vielen Regionen zu Lockdowns kommt. Diese würden Lieferketten unterbrechen und Fabriken lahmlegen. So warnte die US-Investmentbank Goldman Sachs, ein großer Omikron-Ausbruch könne in China schwerwiegende Folgen für die Konjunktur haben. Sie kürzte ihre Prognose für Chinas Wachstum in 2022 vergangene Woche auf 4,3 Prozent. Auch die Weltbank kürzte ihre Prognose kürzlich von 5,3 auf 5,1 Prozent. Ökonomen der Akademie der Chinesischen Sozialwissenschaften (CASS) hatten der Regierung im Dezember ein Wachstumsziel von „mehr als fünf Prozent“ für dieses Jahr vorgeschlagen.

China: Wachstum Anfang 2021 hoch durch niedrige Vergleichsbasis

Für Anfang 2021 verdankte China das starke Plus beim Wachstum vor allem der niedrigen Vergleichsbasis durch den Beginn der Pandemie im Vorjahr. Als das Coronavirus in der Stadt Wuhan ausbrach, legte die Regierung damals im ganzen Land die Wirtschaft lahm. Anschließend hatte das Land mithilfe der Null-Covid-Strategie durch Massentests, Quarantänen und Einreisebeschränkungen das Virus schneller in den Griff bekommen als die meisten anderen Staaten. Dadurch erholte sich die Wirtschaft dort besonders rasch. Dieser Schwung dürfte aber kaum zu halten sein.

Für das Jahr 2022 bestehe Druck auf die chinesische Führung, die Geldpolitik weiter zu lockern, sagte Hildebrandt. Die chinesische Zentralbank verkündete am Montag bereits die erste nennenswerte Zinssenkung seit April 2020. Sie senkte den Zinssatz für einjährige Refinanzierungsgeschäfte mit den Banken um 0,1 Prozentpunkte auf 2,85 Prozent. Zugleich wurde der Zins für einwöchige Wertpapiergeschäfte im gleichen Ausmaß auf 2,1 Prozent gesenkt. Darüber hinaus gab die Notenbank zusätzliche Liquidität in das Finanzsystem. Auch verstärkt sich laut Hildebrandt durch die Ankunft von Omikron der Druck, die Null-Covid-Politik zu überdenken und den Konsum zu stärken. „Denn gerade dieser ist seit letztem Jahr kaum in Schwung gekommen. Rigorose Maßnahmen nach lokalen Ausbrüchen bringen den Konsum immer wieder ins Stocken“, sagte Hildebrandt.

China: Exporte boomen, hohe Rohstoffpreise und die Evergrande-Krise drücken aufs Wachstum

Vor allem die boomenden Exporte hatten 2021 Chinas Wachstum gestützt. Die Volksrepublik erzielte im vergangenen Jahr einen Exportüberschuss in Rekordhöhe, und das trotz ebenfalls deutlich wachsender Importe. Beides legte 2021 um gut 21 Prozent zu. Dabei übertrafen die Ausfuhren 2021 die Einfuhren um umgerechnet knapp 590 Milliarden Euro, wie die Zollbehörde am Freitag in Peking mitteilte. Getragen wurde dieses Exportplus vor allem von der durch die Pandemie stark wachsende Nachfrage im Ausland nach Computern und anderen Elektronikprodukten sowie nach medizinischen Produkten wie Masken und Corona-Testkits.

Doch der Außenhandel kann andere Probleme auf Dauer nicht alleine ausgleichen: Der Immobilienmarkt leidet unter der Krise um den mit mehr als 300 Milliarden US-Dollar verschuldeten Immobilienkonzern Evergrande*, die immer mehr Unternehmen mit in den Abrgrund zu reißen droht. Auch gestiegene Rohstoffkosten und die daraus folgende Energieknappheit wirkten sich zuletzt negativ auf die Konjunktur aus. „Wir müssen uns nüchtern darüber im Klaren sein, dass der aktuelle Abwärtsdruck auf Chinas Wirtschaft immer noch relativ groß ist“, warnte auch der Sprecher des Statistikamtes Ning Jizhe. Unter anderem nannte er die Einkommenslücke zwischen Stadt und Land. Diese sei trotz einiger Verbesserungen immer noch zu groß. (ck/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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