Kommentar zu den Olympia-Plänen: Auf dem Irrweg

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Japans Regierung und das Internationale Olympische Komitee - oder umgekehrt? - wollen es also wieder probieren. Das, was im vergangenen Jahr am erfreulichen Widerstand von Athletinnen und Athleten scheiterte. Nämlich: die Olympischen Spiele in Tokio trotz einer weltweit grassierenden Pandemie auszutragen. So verständlich der Wunsch einerseits ist, so hämisch ist er auf der anderen Seite.

Wie naiv muss man sein zu glauben, dass die Welt Ende Juli den Sieg über das Corona-Virus feiern kann und will? Sicher, die reichen Industrienationen mögen bis dahin wieder im Normalmodus funktionieren. Aber was ist mit den ärmeren Ländern, die heute schon darum betteln müssen, überhaupt mit Impfstoff bedacht zu werden? Nein, Olympische Spiele unters Etikett "Befreiung der Menschheit vom Virus" zu stellen, ist verachtend gegenüber all jenen, die in diesen Tagen des fröhlichen Wettstreits in Tokio wegen der Seuche leiden werden. Statt sich in falschem Pathos zu üben, hätte der Veranstalter besser über seine Verantwortung gegenüber Athletinnen und Athleten nachgedacht. Ihnen sollte man lieber früher als später sagen, dass sie ihre Vorbereitungen auf die Spiele in Tokio einstellen können. Aber wahrscheinlich braucht es erst wieder die Initiative von Sportlerinnen und Sportlern, um den sowieso irrwitzigen Olympia-Plan zu beerdigen.

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