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Geigers Rückschlag

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In die Massen scheint Karl Geiger auf der Oberstdorfer Heini-Klopfer-Skiflugschanze zu fliegen. © IMAGO

Skispringer Karl Geiger verliert beim Heim-Flugweltcup in Oberstdorf an Boden im Kampf um den Gesamtweltcup. Mit Platz acht und neun durfte er nicht zufrieden sein.

Karl Geiger war nicht in Feierlaune. Während 6500 Fans in Oberstdorf beim ersten deutschen Weltcup mit Zuschauern seit 25 Monaten eine ausgelassene Partystimmung genossen, übte der Lokalmatador nach dem missglückten Angriff auf den Weltcup-Spitzenreiter Ryoyu Kobayashi Selbstkritik. »Was ich dieses Wochenende gemacht habe, ist zu wenig, das reicht nicht«, sagte der Ex-Weltmeister, nachdem er zum Abschluss des Skiflug-Wochenendes in seiner Heimat gleichauf mit seinem Kumpel Markus Eisenbichler Neunter geworden war.

Drei Punkte aufgeholt, elf wieder verloren: Der Kampf um die große Kristallkugel wird zum Schneckenrennen. Während Österreichs Weltrekordler Stefan Kraft (Samstag) und der Slowene Timi Zajc (Sonntag) auf der riesigen Heini-Klopfer-Schanze triumphierten, verpassten sowohl Kobayashi (Neunter und Sechster) als auch Geiger, der am Samstag Achter geworden war, zweimal das Podest.

»Mir hat hier das Quäntchen Glück gefehlt, aber ich bin auch mit dem Sprüngen nicht zufrieden«, sagte Geiger, der vor allem am Sonntag, als er auf 214,0 und 203,0 m flog, Windpech hatte. Damit geht Weltcup-Spitzenreiter Kobayashi mit 66 Punkten Vorsprung ins Saisonfinale in Planica am kommenden Wochenende, wo noch 200 Punkte zu vergeben sind.

»Da muss ich aber vorne rein springen, wenn ich noch etwas holen möchte«, sagte Geiger. Gutes Omen: In Planica war er 2020 Skiflug-Weltmeister geworden - als erster Deutscher seit Severin Freund (2014), der sich 2015/16 in Slowenien als ebenfalls bislang letzter DSV-Adler die Große Kristallkugel gesichert hatte.

Der deutsche Rekordhalter Eisenbichler fand nach ganz schwachem Start ins Wochenende von Flug zu Flug besser zu seinem System, schaffte nach Platz 14 am Samstag einen versöhnlichen Abschluss. »Ich bin hier ganz schwer reingekommen, war wirklich frustriert. Heute bin ich aber sehr zufrieden«, sagte der 30-Jährige. Der frühere Flug-Weltmeister Freund präsentierte sich mit Platz 17 und 13 solide. Ein Wochenende zum Vergessen erlebte Andreas Wellinger. Der Ruhpoldinger hatte gleich zweimal Windpech, scheiterte nach Platz 20 zum Auftakt am Sonntag gar in der Quali.

Die Rückkehr der Fans - am Samstag waren es sogar 8500 - verschaffte Geiger und Co. am Ende einer unwahrscheinlich langen und fordernden Saison einen kräftigen Motivationsschub. »Das ist megacool, dass hier wieder Zuschauer sein durften«, sagte Geiger. Zuletzt waren Fans im Februar 2020 in Willingen bei einem deutschen Männerspringen im Weltcup zugelassen gewesen.

Letzter deutscher Sieger auf der Heini-Klopfer-Schanze bleibt damit Richard Freitag, der am Samstag seinen Rücktritt nach 13 Jahren im Weltcup verkündete. »Es war Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen und weiterzugehen. Ich hätte nicht gedacht, dass es am Ende so schnell geht«, sagte der zweimalige Weltmeister und achtmalige Weltcupsieger, der seit 2019 im einer tiefen Formkrise steckte und eigentlich noch einmal angreifen wollte.

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