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FC Bayern gibt weiter Rätsel auf

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(sid). Der nächste besorgniserregende Auftritt des FC Bayern war für einen Moment vergessen, als Julian Nagelsmann mit leuchtenden Augen vom Kabinenschwur seiner Stars berichtete. »Ich habe ein paar Nachrichten von Spielern bekommen, dass wir zu 100 Prozent weiterkommen«, erzählte der Münchner Trainer und betonte zuversichtlich: »Die sind gallig!«

Diese Gier soll im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Villarreal am Dienstag (21.00 Uhr/Amazon Prime) die herbeigesehnte Wende bringen. Doch nach dem rätselhaften Auftritt von Weltfußballer Robert Lewandowski und Co. beim schmeichelhaften 1:0 (0:0) gegen den FC Augsburg blieb die Frage: Wie?

Auch Nagelsmann wusste keine echte Antwort. Was er weiß: »Am Dienstag wird abgerechnet.« Ein Aus gegen den Außenseiter aus Spanien, und das Urteil über seine erste Bayern-Saison fiele negativ aus. Daran würde die greifbare zehnte Meisterschaft in Serie nichts ändern.

Die Vorzeichen für das Spiel gegen Villarreal sind alles andere als gut. »Es sind immer noch nicht alle auf dem Peak«, gestand Nagelsmann das Leistungsloch vieler Stars ausgerechnet in der entscheidenden Saisonphase ein. Das Warum zu ergründen, sei »nicht ganz leicht«, meinte er - und blieb eine wirklich überzeugende Erklärung schuldig. Augsburg war »kein Glamour-Spiel«, gab er zu, aber »das ist mir bums-scheiß-egal«. Es zählten einzig Siege.

Dies gilt auch am Dienstag. »Wir sind unter Zugzwang«, betonte Nagelsmann, das scheint nach dem erschreckend schwachen Auftritt im Hinspiel (0:1) auch der Mannschaft klar. »Wir werden auf jeden Fall da sein«, kündigte Kapitän Manuel Neuer selbstsicher an, »wir sind alle heiß und werden das Spiel rocken.« Leon Goretzka assistierte: »Da brennt die Hütte, und wir werden ein Spiel abliefern, das Bayern-like ist.«

Zweifel bleiben. Gegen den FCA brauchte es einen Handelfmeter von Lewandowski (82.), um den komfortablen Neun-Punkte-Vorsprung auf Dortmund zu wahren. Nagelsmanns Mängelliste war lang: »Zu wenig Anlaufgeschwindigkeit, zu langsam mit dem Ball, nicht der nötige Elan.« Erst seine Joker Kingsley Coman und vor allem Marcel Sabitzer mit seiner besten Leistung im Bayern-Trikot hätten »uns gerettet«, analysierte er richtig.

Gegen Villarreal forderte er eine Steigerung um »60, 70 Prozent«. Aber wo soll die herkommen? Selbst Topstars wie Joshua Kimmich, der laut Nagelsmann »keinen Sahnetag« hatte, oder Leroy Sane suchen verzweifelt ihre Form. Dass Sane bei seiner Auswechslung (64.) erbost in die Kabine stapfte, wollte der Coach nicht zu hoch hängen: »Ich bin nicht sauer.« Aber auch Sane wisse, dass er »besser spielen« könne.

Hoffnung macht die erwartete Rückkehr von Niklas Süle (erkrankt) und Lucas Hernandez (Prellung). Und sonst? »Es beginnt immer mit der Haltung und darum, diese mit Emotionalität zu füllen«, sagte Nagelsmann. Sprich: Um die richtige Einstellung, Gier und Galligkeit - also Grundlegendes. »Erst dann kommt die Taktik, Technik und Tagesform.«

Allerdings braucht es dazu Führungspersonal, das in Spanien wie am Samstag abtauchte. Nagelsmann wollte das nicht alleine auf seine Bosse Neuer, Kimmich oder Thomas Müller schieben, musste aber zum wiederholten Male bemängeln, dass auf dem Platz zu wenig geredet würde. »Es sollen alle coachen«, verlangte er nachdrücklich.

Dass die Mannschaft verunsichert sei, wollte Goretzka »nicht bestätigen«. Doch Nagelsmann, der sich am Rande bei seinem Kollegen Christian Streich für seine jüngste Kritik am Freiburger Wechselfehler-Protest entschuldigte (»Ich habe einen Fehler gemacht«) meinte: »Ich habe viel zu tun bis Dienstag, das ist mir bewusst.«

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