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Ende der Erfolgswelle droht

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Wohin geht die Reise? Der Deutschland-Achter mit u. a. Steuermann Jonas Wiesen und Torben Johannesen will bei der WM positiv überraschen. © IMAGO

Der verjüngte Deutschland-Achter startet mit großen Fragezeichen in die Ruder-WM. Nach Jahren des Erfolgs droht gar das Aus vor dem Finale. Die Athleten-Kritik am Verband reißt nicht ab.

Alles auf Gold - so lautete über Jahre das unmissverständliche Ziel des Deutschland-Achters. Doch in diesen Tagen steht das Selbstverständnis des erfolgsverwöhnten Paradebootes auf der Probe. Denn die Sorgen sind groß: Umbruch, fehlende Erfahrung, Rückschläge, Unruhe im Verband. Bei der Ruder-WM droht dem blutjungen Team im schlimmsten Fall gar das Aus vor dem Finale.

»Wir nehmen uns immer viel vor. Das liegt natürlich auch in der Geschichte des Deutschland-Achters«, sagte Bundestrainer Uwe Bender vor dem Vorlauf in Racice/Tschechien am heutigen Dienstag. Natürlich wolle das deutsche Ruder-Flaggschiff »um das Podium mitfahren«. Aber: »Ob das realistisch ist, das können wir noch nicht einschätzen.«

Seit 2017 holte das Ausnahmeboot drei WM-Titel und vier EM-Goldmedaillen, alles andere als Platz eins fühlte sich nicht selten wie eine Niederlage an. Doch nach dem Umbruch hakt es, über allem schwebt die Frage: Kann sich der Achter auf der Erfolgswelle halten?

Gleich sechs erfahrene Silbergewinner von Tokio fielen weg, dazu fehlen bei der WM die Olympia-Zweiten Laurits Follert und Olaf Roggensack berufsbedingt. Mit einem der jüngsten Teams der Geschichte geht der Achter in Tschechien an den Start. »Natürlich kann man unter Umständen das A-Finale verpassen. Wenn es unglücklich läuft, kann man einen schweren Hoffnungslauf bekommen - dann kann alles in beide Richtungen passieren«, sagte Bender. Nur das erstplatzierte Boot aus dem Vorlauf zieht auf direktem Weg ins Finale ein, für alle anderen geht es in den Hoffnungslauf. Das Abschneiden des Achters? Völlig offen.

Und dann sind da noch die Querelen im Verband. Ein einberufener Expertenrat trägt nach Einschätzung von Achter-Schlagmann Johannesen bisher wenig zur Problemlösung bei. »Das alleine ist eine Farce, weil dort Leute drinsitzen, die im Fokus der Kritik stehen. Die kontrollieren sich quasi selbst«, sagte der 27 Jahre alte Hamburger den »Ruhr Nachrichten«. Der Verband hatte Konsequenzen aus dem schwachen Abschneiden bei der EM in München und dem wachsenden Unmut von Sportlern gezogen. Ein aus ehemaligen erfolgreichen Athleten, einem Sportwissenschaftler und Funktionären bestehender Expertenrat soll die Ergebnisse der vergangenen Jahre analysieren und bis zum Rudertag Ende Oktober Lösungen erarbeiten. Johannesen forderte konsequenteres Vorgehen: »Man verliert das Vertrauen in den Verband, weil viel angekündigt, aber nichts umgesetzt wird. Es wird immer nur Leistung verlangt, ohne dass wir Werkzeuge bekommen, das auch umzusetzen.« Vor Johannesen hatten u. a. Einer-Fahrer Oliver Zeidler und dessen Schwester Marie-Sophie Zeidler ihren Unmut bekundet.

Unterdessen sind in den Vorläufen am Montag ermutigende Ergebnisse ausgeblieben. So kam der Frauen-Doppelvierer im Vorlauf nicht über Platz vier hinaus. Auch die anderen drei in den 14 olympischen Klassen gestarteten deutschen Boote müssen in den Hoffnungslauf. Den besten Eindruck hinterließ der leichte Frauen-Doppelzweier, der sich nur der Crew aus Irland geschlagen geben musste.

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