100-Tage-Eishockey-Stadion in Bad Nauheim

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NIDDA - (aw). Wo war gestern vor genau 75 Jahren die Freude über die gelobte Eiszeit weit und breit am größten? Logo, in Bad Nauheim. Wo denn sonst? Exakt vor einem Dreiviertel-Jahrhundert wurde in der Kurstadt das Eishockey-Stadion feierlich eröffnet. Der amerikanische Offizier mit dem wohlklingenden Namen Colonel Paul Rutherford Knight hatte es trotz vieler Widerstände geschafft, noch zögerliche Zeitgenossen und die Genehmigungsbehörden zu überzeugen, dass der publikumswirksame Eishockey-Sport mit seinen vielen Fans eine repräsentative Wirkungsstätte und Basis benötigt und das Unternehmen schließlich auf stabile Fundamente zu setzen.

"Mit Hilfe der Bevölkerung war das 100-Tage-Stadion im Kurpark von Bad Nauheim fertig gestellt - die größte Kunsteisbahn Europas mit einer Länge von 60 und einer Breite von 35 Metern.", teilt der EC in ehrfurchtsvoller Jubiläumsstimmung mit. Zur Premiere durfte am 22. Januar 1946 die bekannte wie erfolgreiche Eiskunstläuferin Maxi Herber die Menschen begeistern. Die 1500 Sitzplätze und die 2500 Stehplätze waren bestens gefüllt. "Wir können heute, 75 Jahre später, nur erahnen, welche Emotionen diese grandiose Eröffnung ausgelöst haben muss. Direkt nach dem Ende des fürchterlichen Krieges hatte die Bevölkerung wieder ein wenig Lebenslust gewinnen können - dank Colonel Knight, der sich gegen alle Bedenkenträger durch setzte. Allerdings, der Ehemann von Maxi Herber, Ernst Baier, durfte nicht mitwirken. Die beiden hatten zuvor mehrmals die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft im Paarlauf gewonnen. Die Amerikaner verübelten ihm jedoch die Nähe zu Joseph Goebbels, und so musste Maxi Herber alleine ihre Künste zelebrieren", so untermauert die offizielle Mitteilung des EC Bad Nauheim das gesellschaftliche Interesse an dem Spektakel, das gut sieben Monate nach dem Ende des Krieges in der westlichen Wetterau über die Bühne ging. Nur fürs Protokoll: Colonel Rutherford wurde übrigens wenige Monate später seines Amtes enthoben. In den Reihen der Amerikaner war das Projekt nämlich sehr umstritten. Der Colonel, der nach seiner Absetzung noch einen Monat im Hotel Kaiserhof lebte, soll damals die bedeutsamen Worte gesagt haben: "Die Amerikaner werden eines Tages gehen. Aber das Eisstadion wird der Stadt Bad Nauheim erhalten bleiben." Knight starb 1974 im Alter von 80 Jahren in seiner Wahlheimat Frankreich.

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