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Zweimal geführt, aber nur ein Punkt

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Von: red Redaktion

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Offenbachs Trainer Sreto Ristic kritisiert das Defensivverhalten seiner Elf. © pv

Offenbach. Die Offenbacher Kickers bleiben im neuen Jahr ohne Sieg in der Fußball-Regionalliga Südwest. Beim 2:2 (0:0) bei der TSG 1899 Hoffenheim II ging der Aufstiegsaspirant zweimal in Führung, verschenkte den Vorsprung aber jeweils umgehend und liegt nun als Tabellenvierter (45 Punkte) sieben Punkte hinter Spitzenreiter Mainz 05 II (ein Spiel mehr).

Regionalliga Südwest: TSG Hoffenheim II - Kickers Offenbach 2:2 (0:0). »Ich bin sehr enttäuscht«, räumte Sreto Ristic nach 94 intensiven Minuten vor 599 Zuschauern im Dietmar-Hopp-Stadion ein: »Es geht um Ergebnisse, wir können hier den Bock umstoßen, machen es aber nicht.« Und das hatten sich die Kickers nach zäher erster Hälfte im eisigen Wind von Hoffenheim und deutlicher Leistungssteigerung im zweiten Durchgang selbst eingebrockt.

Kaum hatte der für den verletzt ausgeschiedenen Rafael Garcia (43.) eingewechselte Davud Tuma nach einem Latten-Freistoß von Tunay Deniz das 1:0 erzielt (57.), schlugen die Gastgeber durch ihren Toptorjäger Nick Proschwitz zurück. Der Mittelstürmer stand nach einer schnellen Kombination der Hoffenheimer Bundesliga-Reserve in der Mitte völlig unbedrängt und köpfte ein - sein 16. Saisontor.

Erschreckend naiv war die Offenbacher Verteidigungshaltung vor dem 2:2. Der Jubel über das Führungstor durch Dejan Bozic (80.), der nach Vorarbeit des ebenfalls eingewechselten Lucas Hermes ins kurze Eck schoss, war kaum verklungen, da schlug 1899 wieder zu. Einen schnell ausgeführten Freistoß zimmerte Maximilian Zaiser aus 30 Metern in den Winkel (82.). Kein Offenbacher hatte sich vor den Ball gestellt - eine Thematik, die selbst in der Kreisliga Trainern die Zornesröte ins Gesicht treibt. Entsprechend angesäuert war Ristic. »Egal, was nicht gestimmt hat, ob Kommunikation oder Konzentration: Das darf einfach nicht passieren.« Einmal in Rage, ließ der OFC-Coach mächtig Dampf ab. »Wir machen das nicht zum Spaß hier«, ärgerte er sich über den viel zu geringen Lohn nach zweimaliger Führung und staunte auch über die Unbedarftheit seiner Mannschaft: »Wir haben schließlich sehr viel Erfahrung in der Mannschaft.« Doch Erfahrung schützt die Kickers im Januar 2022 nicht vor krassen Fehlern.

Dazu passte, dass Mathias Fetsch, den Ristic in einer offensiven Viererkette aufgeboten hatte, zur Pause gelbrot-gefährdet in der Kabine blieb. Zweimal war der Routinier in der ersten Hälfte, in der Florent Bojaj (13.) und Tuma (45.) die einzigen Torschüsse abgegeben hatten, bei schnellen Gegenstößen zu spät gekommen. Beim zweiten Mal hatte der 33-Jährige Glück, dass er nicht vom Platz flog.

Ristic reagierte, brachte Osarenren Okungbowa, für ihn rückte Deniz von der Sechs auf die Acht. Der OFC machte fortan vieles besser, war präsenter, leidenschaftlicher im Spiel nach vorne. Und erarbeitete sich die Führung. Deniz hatte sie mit einem toll geschossenen Freistoß an die Latte in die Wege geleitet, Davud Tuma den zweiten Abpraller über die Linie geschoben. »Wir haben es besser gemacht als gegen Koblenz«, meinte der Spielgestalter: »Aber wir belohnen uns einfach nicht richtig.« Deniz richtete den Blick schnell wieder nach vorne: »Wir müssen weiter arbeiten, unsere Chancen nutzen und hinten besser aufpassen.«

Das anhaltende Verletzungspech ließ Ristic nicht als Ausrede gelten. »Ich werde jetzt nicht jammern, das ist Sport«, sagte er nach dem frühen Ausscheiden von Rafael Garcia. Der Linksaußen musste nach einem Pressschlag mit Verdacht auf eine Bänderdehnung im Knie raus. Garcia, gerade von einer Corona-Infektion genesen, wird heute untersucht und vergrößert die Zahl der Ausfälle auf auf neun.

Doch die Kickers bewiesen, dass sie Nackenschläge wegstecken können - und kamen über eine Co-Produktion der Joker Lucas Hermes und Dejan Bozic wieder auf die Erfolgsspur zurück. Die Offenbacher Joker hatten eigentlich die Geschichte des Spiels geschrieben. Bis Hoffenheims Joker Zaiser stach. Immerhin vereitelte Torwart Stephan Flauder noch gegen Quincy Butler (90.) das mögliche 2:3. Es änderte nichts daran, dass Sreto Ristic sauer die Heimfahrt antrat.

Schon am Mittwoch (19.30 Uhr) steht die nächste Gelegenheit an, den »Bock umzustoßen«. Im Achtelfinale des Hessenpokals ist der OFC bei Verbandsligist FV Biebrich 02 klarer Favorit.

»Jeder Sieg ist für uns wichtig«, sagt Ristic: »Und der Pokal ist ein wichtiger Wettbewerb.«

Wenn die Kickers so fahrlässig die Punkte in der Regionalliga liegenlassen, wird er bald der wichtigste sein.

Hoffenheim II: Philipp - Che, König, Haider - Ott (73. Guthörl), Ludwig (79. Szarka), Casar (79. Zaiser), Kang (88. Bouthakrit), John (46. Bähr) - Proschwitz, Butler

Kickers Offenbach: Flauder - Milde, Zieleniecki, Breitenbach , Marcos - Deniz - Firat (79. Hermes), Fetsch (46. Okungbowa), Bojaj, Garcia (43. Tuma) - Hosiner (62. Bozic)

Zuschauer: 599 - SR: Jonas Brombacher (Kandern) - Tore: 0:1 Tuma (57.), 1:1 Proschwitz (61.), 1:2 Bozic (80.), 2:2 Zaiser (82.) - Gelbe Karten: Casar, Herdling (Trainer), Bähr / Fetsch (3), Milde (4), Hermes (2). JÖRG MOLL

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