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Zündstoff Mannschaftsstärke

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Auch für den Höchster Hessenliga-Spieler Sascha Jäger ist die Saison vorzeitig beendet. © Achim Senzel

Nidda . Die Tischtennissaison 2021/2022 ist bekanntlich beendet. Die Vorrunde wird somit als Gesamtrunde gewertet. Vielleicht wurde diese Entscheidung auf der Ebene des Hessischen Tischtennis-Verbands (HTTV) doch etwas vorschnell getroffen, denn inzwischen ist ein deutlicher Trend hin zur »sportlichen Normalität« in Zusammenhang mit den anstehenden Lockerungen in Corona-Krisenzeiten doch klar erkennbar.

Die Pandemie wirkt dabei wie ein Brennglas auf den Tischtennissport. Neben der Pandemie macht den Verantwortlichen des HTTV und der anderen Landesverbände die Altersstruktur der Akteure große Probleme. Das kann man so oder so sehen, dass aber so viele Sportler über Jahrzehnte ihrem Sport und Hobby treu bleiben, ist natürlich sehr positiv zu werten.

Auf der anderen Seite leidet der Tischtennissport seit Jahren unter mangelnder Blutauffrischung. Es gibt aber auch Ausnahmen im Altkreis Büdingen: der TV Gedern mit dem emsigen Holger Thösen, der aber dort nie auf sich alleine gestellt war, der TTV Selters mit Florian Deck und seit ein paar Jahren der TTC Altenstadt mit Hartmut Rose, der bereits in den 60er Jahren schon einmal Kreismeister im Doppel der Schüler war. Mittlerweile gehört auch der TV Eichelsdorf zu den ambitionierten Vereinen in der Jugendarbeit.

Nun fallen weder die Talente im Tischtennis nicht vom Himmel, sondern es bedarf schon einiger Anstrengungen, die Kinder und Jugendliche für diesen Sport zu begeistern. Einer, der sich nicht nur Gedanken macht, sondern diese auch umsetzt, ist Hartmut Rose vom TTC Altenstadt . Zum Streitthema Vierer- oder Sechsermannschaften äußert er sich ganz präzise und stellt den Wert einer Mannschaft mit sechs Spielern in den Vordergrund. Allerdings sieht er dieses Thema als nicht so vorrangig an, sondern bedauert die mangelnde Flexibilität beim HTTV, sich den Problemen in der Nachwuchsarbeit zu stellen. Besonders prangert er die geringe Bereitschaft an, die der HTTV beim Thema Spielgemeinschaften im Jugendbereich an den Tag legt, diese nach seinen Ideen zu genehmigen, eigentlich sogar zu fördern. So ginge ein Talent nach dem anderen verloren. Er selbst hat als pensionierter Polizeiobermeister gute Voraussetzungen, die Jugendarbeit in Altenstadt zu koordinieren. Neben der Unterstützung von Rolf Seifert und Fabian Gunsch darf man dabei Thomas Altvater nicht vergessen, der immer mit Rat und Tat zur Verfügung steht. Altenstadt hat einen Verein, der immer noch gut funktioniert und eine enorme Kompetenz im sozialen Bereich hat. Inzwischen sind in das Altenstädter Jugendtraining 25 Kinder und Jugendliche eingebunden - und das trotz Corona und mit wenigen Punktspielen, die ja das Salz in der Suppe sind. Trotzdem ist es Rose gelungen, eine Art Aufbruchstimmung zu erzeugen. Als Trainer konnte man den Ex-Höchster Steven Frinta, der den SV Dortelweil zur Meisterschaft in der Bezirksliga geführt hat, gewinnen. Allemal ein guter Ansatz.

Bei der TTG Büdingen-Lorbach ist man über die Entscheidung des Saisonabbruchs grundsätzlich froh, der Trainingsbetrieb läuft erst einmal weiter. Immerhin werden einige Büdinger Mannschaften von dem Saisonabbruch profitieren und in der kommenden Saison eine Klasse höher spielen.

Karlheinz Sommer, der langjährige Spitzenspieler des aktuellen Hessenligisten TTC Höchst , sieht große Probleme auf seinen Verein von der Nidder zukommen. Auch befürchtet er, dass dem Tischtennis mit der möglichen Änderung auf Vierermannschaften viel von seiner Spannung genommen wird und dass das Interesse der Zuschauer weiter abnehmen wird. Welche Auswirkungen dies insgesamt auf die Gesamtstruktur eines Vereines haben wird, dürfte schwer absehbar sein, er befürchtet jedoch, dass die Tendenz (stark) negativ sein wird.

Auch beim TTV Selters hat man grundsätzlich Verständnis für den vorzeitigen Saisonabbruch. Zum Zeitpunkt der Entscheidung gab es einfach noch zu viele Unbekannte. Welche Auswirkungen Vierermannschaften genau haben werden, weiß Daniel Seipel, über zwei Jahrzehnte das Gesicht des TTV, schwer einzuschätzen. Er befürchtet jedoch, dass im gesellschaftlichen Bereich eine große Gefährdung liegt. Gerade beim TTV Selters war es üblich, dass sich nach den Spielen die Gäste und Gastgeber zusammensetzten und über das Spiel, »aber auch über Gott und die Welt sprachen«. Wenn bei Sechsermannschaften zwei Spieler vorzeitig wegmüssen, bleiben immer noch vier. Wenn bei Vierermannschaften dann zwei wegmüssen, wird es eng mit der Kameradschaft.

Beim Blick über den Wetteraukreis hinaus ist besonders die TG Langenselbold interessant. Dort akzeptiert man die Entscheidung des Abbruchs zwar, die Mehrzahl der Spieler hätte gerne weitergespielt. In der Oberliga wird ja sogar noch weitergespielt - und zwar mit dem Ziel Meister zu werden und in die Regionalliga aufzusteigen. Durch den vorzeitigen Abbruch steigen in dieser Saison sicher bereits weitere sieben Mannschaften auf, darunter auch die »Zweite« mit Peter Rohr aus Altenstadt, der in der Deutschen Rangliste immer noch unter den ersten 200 aufgeführt ist. Die Umstellung auf Vierermannschaften wird bei der TGL ausdrücklich begrüßt, vor allem mit der Begründung, dass die Spieldauer doch erheblich verkürzt wird, was zur Erleichterung des Spielbetriebes führen sollte. Man erwartet sogar, dass sich das positiv auf das Vereinsleben insgesamt auswirken wird. Beim TTC Assenheim begrüßt der in Echzell lebende Jürgen Wenzel die Entscheidung des vorzeitigen Abbruchs und bezeichnet sie als nachvollziehbar, wenn auch die Jüngeren gerne weitergespielt hätten.

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