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Wieder im Vollbesitz der Kräfte

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Kirsten Schindler (am Ball) erwartet mit der HSG Gedern/Nidda den 1. FC Köln. Das Spiel steigt am Samstag um 18 Uhr in Konradsdorf. © Achim Senzel

Kirsten Schindler geht mit der HSG Gedern/Nidda topfit in die heiße Saisonphase. Samstag steht das Heimspiel gegen Köln an.

Gedern/Nidda (flo). Es wirkt ganz so, als hätten die Drittliga-Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda gerade noch rechtzeitig die Kurve bekommen. Der 28:26-Heimsieg gegen die TSG Eddersheim vor gut zwei Wochen soll der Wendepunkt gewesen sein. Auch für Rückraumspielerin Kirsten Schindler, die wochenlang gesundheitlich angeschlagen war und nun endlich wieder fit ist. Im Heimspiel am Samstag (18 Uhr) im Ausweichquartier Sporthalle Konradsdorf will die 24-Jährige mit ihrer Mannschaft gegen den direkten Konkurrenten 1. FC Köln den nächsten Schritt zum Klassenerhalt machen.

Doch ausgerechnet der so wertvolle Heimvorteil steht auf äußerst wackligen Füßen. Schindler war als eine von vier Spielerinnen des aktuellen Teams schon 2015 dabei, als die Spielgemeinschaft im Zuge der damaligen Flüchtlingskrise erstmals die Gymnasiumhalle Nidda verlassen und nach Konradsdorf umsiedeln musste. Die Studentin weiß also, wie sich ein solcher Standortwechsel anfühlt. »Mit eigener Halle«, sagt sie, »hat das wenig zu tun.« Aber: »Wir wollen das Beste daraus machen und haben diese Woche genutzt, um uns an die Halle zu gewöhnen. Den Heimvorteil, den man ja einfach durch die eigenen Zuschauer hat, wollen wir bestmöglich mitnehmen.«

Freilich, das Risiko, dass der Schwung des Eddersheim-Siegs abflaut, besteht. Der Hallenwechsel, die Absage der Auswärtspartie bei Mainz 05 II - durchaus Faktoren, die als Euphoriedämpfer taugen. Dabei hatte sich die Mannschaft vor dem Eddersheim-Spiel nochmal neu eingeschworen, hatte sich intern intensiv mit der Situation auseinandergesetzt und versucht, all die Rückschläge auszublenden. Ob sie Angst habe, dass die gute Stimmung verloren gehe? »Wenn der Sieg gegen Eddersheim jemanden nicht gepusht hat, dann weiß ich auch nicht weiter. Ich hoffe sehr, dass wir diese Einstellung und diesen Willen wieder aufs Spielfeld bekommen, das Gefühl im Training ist zurzeit jedenfalls ein besseres als in den Wochen davor«, erzählt Schindler.

Das Eigengewächs, das in der Jugendzeit einige Jahre bei der HSG Hungen/Lich verbrachte, ist mit 103 Treffern die mit Abstand erfolgreichste Werferin der HSG. Das Gros dieser Tore, nämlich 60, hat sie per Siebenmeter erzielt. Mit einer Quote von 87 Prozent ist die Linkshänderin eine zuverlässige Schützin von der Strafwurflinie. Zuletzt lief es für Schindler aber insgesamt nicht mehr so recht. Bei den Niederlagen bei der HSG Rodgau Nieder-Roden (17:20) und bei Fortuna Düsseldorf (23:25) vermochte sie ebenso wenig Impulse zu setzen wie Pendant Rica Wäscher auf der halblinken Position. Dabei werden einfache Rückraumtreffer von den beiden Halben dringend benötigt, die personellen Alternativen sind derzeit rar gesät. Auch deshalb spielt Schindler derzeit kaum noch auf der rechten Außenbahn.

Dass auch Schindler in die Kritik geriet, damit kann sie umgehen. »Das war auf jeden Fall berechtigt, ich konnte nicht annähernd an meine Leistung anknüpfen«, bestätigt sie. Aber: Das hatte Gründe. »Ich war seit mehreren Monaten permanent angeschlagen, mal krank, dann mit Corona, zwischendurch noch ein Bänderriss, ich konnte deshalb kaum trainieren«, erzählt Schindler. »Ich war einfach zu kraftlos, um der Mannschaft zu helfen. Da hat man einfach gesehen, dass man ohne Training schnell an seine Grenzen kommt und nicht sein Maximum abrufen kann.« Mittlerweile ist sie wieder im Vollbesitz der Kräfte. Das stellte sie gegen Eddersheim mit starken acht Toren unter Beweis. »Ich fühle mich fit und gesund. Ich hoffe, das bleibt so und ich bekomme wieder etwas Kontinuität in den Trainingsprozess.«

Keine Frage: Die HSG Gedern/Nidda braucht Schindlers Tore. Für den Klassenerhalt ebenso wie für einen Heimerfolg am Samstag gegen den 1. FC Köln, der als Rangachter ein direkter Konkurrent im Kampf um den sechsten Platz ist. Ein Vier-Punkte-Spiel also? »Das kann man so bezeichnen. Aber es ist weder das erste noch das letzte Vier-Punkte-Spiel in dieser Saison«, sagt Schindler. »Wir könnten aber auf jeden Fall einen Riesenschritt machen. Wenn wir das Selbstvertrauen aus dem Eddersheim-Spiel mitnehmen, diese Emotionen und diesen Willen wieder abrufen, dann haben wir auch gegen Köln alle Chancen.«

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