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Von Slowenien in die hessischen Handballtore

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Gut in Form: Yvonne Petek von der HSG Gedern/Nidda. © Achim Senzel

Yvonne Petek überzeugt aktuell mit starken Leistungen beim heimischen Drittligisten.

Gedern/Nidda. Hätte die TSG Ober-Eschbach im Sommer 2020 nicht ihre Mannschaft zurückgezogen, dann würde Yvonne Petek heute wohl nicht für die Drittliga-Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda das Tor hüten. So aber fühlt sich die 27-Jährige mittlerweile pudelwohl im Oberhessischen. Am Sonntag (17 Uhr, Lumdatalhalle Londorf) will die Schlussfrau mit der Spielgemeinschaft im Nachbarschaftsduell bei der HSG Lumdatal doppelt punkten.

Ob Petek ihren Beitrag dazu leisten und zwischen den Pfosten stehen darf? Das ist offen. Mal wieder. Denn im Tor hat Trainer Christian Breiler die Qual der Wahl, mit Petek, Sandra Elisath und Anne Heß hat er auf dieser Position reichlich Qualität an Bord. »Wir haben keine klare Nummer eins, sondern agieren als Team. Wir wollen die Stärken von jeder nutzen und unsere Torhüterinnen sollen sich gegenseitig zu besseren Leistungen pushen«, sagt der 44-Jährige. Und verteilt dementsprechend regelmäßig die Spielanteile.

Für die Ballfängerinnen im HSG-Tor ist das gewiss nicht immer einfach. Petek etwa lief in den jüngsten beiden Heimspielen zur Hochform auf: Beim 25:18-Sieg gegen Mainz 05 II wehrte sie 45 Prozent der Bälle ab, beim 29:19-Erfolg gegen Königsdorf waren es gar 50 Prozent. Beim dazwischenliegenden Auswärtsspiel in Köln hingegen saß die Slowenin 60 Minuten lang auf der Bank.

Eine Situation, die Petek so von ihrer vorherigen Station überhaupt nicht kannte. In Ober-Eschbach nämlich war sie in der Saison 2019/20 die einzige Torhüterin. Bis zum Abbruch der Spielzeit hütete sie deshalb 17 Partien lang stets über die volle Dauer das Tor - insgesamt 1020 Minuten am Stück.

Bei der HSG Gedern/Nidda erlebt Petek nun das Kontrastprogramm. »Ein bisschen zu kämpfen habe ich in dieser Saison schon mit mir, natürlich will ich viel spielen«, gesteht sie. Aber: »Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Dass wir drei uns sehr gut verstehen, macht es deutlich einfacher«, versichert Petek. »Wir sind alle in guter Form, die Minuten sind fair aufgeteilt und jede bekommt die Chance, sich zu zeigen.«

Für die in Bergen-Enkheim lebende Petek ist Gedern/Nidda die vierte Station in Deutschland. Die TSG Ober-Eschbach hatte sie 2014, damals mit 20 Jahren, aus Slowenien nach Hessen gelotst. In ihrer Heimat war die in Zalec (etwa 15 Kilometer entfernt von Celje) aufgewachsene Torhüterin Jugendnationalspielerin, besuchte ein Sportinternat. Als sich zwischen Abitur und beabsichtigtem Studium ein Jahr Leerlauf ergab, hakte ein Freund der Familie nach, ob sie nicht in Deutschland spielen wolle.

»Wie genau der Kontakt nach Ober-Eschbach zustande kam, weiß ich gar nicht«, lacht Petek, die ein Probetraining absolvierte und wenige Wochen später umzog.

Und dann in Deutschland blieb. Weit über ein Jahr hinaus. »Ich war erstmals wirklich selbstständig. Ich hatte hier einen Job gefunden, hatte den Handball, einen Freundeskreis sowohl innerhalb als auch außerhalb des Handballs, habe meinen Freund kennengelernt«, erzählt Petek, wie das eine zum anderen kam und sie sich sukzessive etwas aufbaute. Für sie ist längst klar: »Ich sehe meine Zukunft mittlerweile hier in Deutschland.«

In Ober-Eschbach spielte sie zunächst trotzdem nur eine Saison, wechselte dann zum Zweitligisten Mainz 05. Eine durchaus enttäuschende Episode. Vieles lief für Petek schief am Rhein, sie wurde zur zweiten Mannschaft abgeschoben. Weil sich parallel dazu berufliche Chancen - Petek war seinerzeit in der Hotel-Gastronomie tätig - ergaben, rückte Handball in den Hintergrund. Weshalb sie sich im Sommer 2016 dem Landesligisten TV Idstein anschloss, drei Jahre lang dort spielte. »Aber ich habe es mehr und mehr vermisst«, erklärt Petek, weshalb sie 2019 wieder zur TSG Ober-Eschbach in die 3. Liga zurückkehrte und dieser Spielklasse seitdem treu geblieben ist. Was sich mittlerweile auch besser mit dem Beruf vereinbaren lässt, weil Petek seit Mai nicht mehr im Hotel, sondern im Service eines Bad Homburger Finanzdienstleisters tätig ist.

Deutsch spricht Petek übrigens fließend. Weil sie es vier Jahre lang als Pflichtfach in der Schule hatte? Mitnichten. »Ich konnte damals nichts. Ich habe immer gesagt, ich werde Deutsch nie im Leben brauchen«, lacht sie. Worte, an die ihre in Deutschland geborene Mutter sie noch heute dann und wann schmunzelnd erinnert. »Als ich dann nach Deutschland kam, habe ich die Sprache zwar verstanden, aber auf Englisch geantwortet.« Für die Arbeit lernte Petek ein paar Sätze auswendig, ließ sich zudem die alten Schulbücher schicken. »Und so ging es dann. Durch das Sprechen, gerade an der Arbeit, hat es immer besser geklappt.«

Das hilft freilich auch sportlich. Etwa in Sachen Kommunikation mit der Abwehr. »Wir haben im Zusammenspiel noch viel Luft nach oben, finden aber langsam ein Gefühl füreinander«, weiß Petek. Und setzt darauf, dass sich dieser Trend auch am Sonntag fortsetzt. »Lumdatal«, sagt die HSG-Keeperin, »ist ein Gegner, der uns aufgrund seiner Spielweise nicht unbedingt liegt. Aber wir sind besser und das ist ein Spiel, das wir gewinnen müssen - egal wie.«

Florian Deis

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