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Vom Ab- zum Aufstiegskandidaten

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Maciej Wolodczenko (rechts) mischt mit Ranstadt die Kreisoberliga auf. © Ralph Lehmberg

Der SV Ranstadt sorgt für Furore und darf sogar vom Sprung in die Gruppenliga träumen. Die Verantwortlichen reiben sich beim Blick auf die Tabelle verwundert die Augen.

Der SV Ranstadt durchlebt in der Kreisoberliga Büdingen die wohl erfolgreichste Zeit seiner Vereinsgeschichte. Als Tabellenzweiter schnuppert die Fußball-Mannschaft von Spielertrainer Maciej Wolodczenko sogar am Aufstieg in die Gruppenliga Frankfurt Ost. Eine Entwicklung, die vor wenigen Jahren noch undenkbar schien. Viele Jahre zählte der SVR im Büdinger Oberhaus zu den Abstiegskandidaten, mehrere Male gelang die Rettung erst auf den letzten Drücker. »Wir reiben uns beim Blick auf die Tabelle selbst manchmal verwundert die Augen«, sagt der langjährige Vereinsvorsitzende Gerhard Herche. Mit »Wir« meint er in erster Linie die neben dem Trainer für das Sportliche Verantwortlichen im Verein, Peter Teichler und Wilhelm Rott. Der Ist-Stand macht Laune, denn alle wissen, dass ein mickriger Punkt Rückstand auf den KSV Eschenrod fast nichts ist. Andererseits sitzt der VfB Höchst/Nidder den Ranstädtern auch dicht im Nacken. An Spannung wird es in der Anfang März beginnenden Rückrunde nicht mangeln.

»Natürlich wollen wir, dass unsere junge Mannschaft weiter erfolgreich Fußball spielt, doch Druck verspüren wir keinen«, meint Herche angesprochen auf einen möglichen Aufstieg. Den Eifer der Truppe zu bremsen, hält er für verkehrt. »Das Team zeichnet sich durch einen unglaublichen Trainingsfleiß aus. Gerne werden Zusatzschichten eingeschoben, der Stamm der ersten Mannschaft trainiert fast immer«, beschreibt Gerhard Herche. Zustände, die wohl jedem Kreisoberliga-Trainer gefallen würden. Maciej Wolodczenko zählt mit seinen 30 Lenzen zu den jüngeren Übungsleitern im Kreis. Ein Lautsprecher ist er nicht, bisweilen kommt der aus Polen stammende Fußballer sogar etwas zurückhaltend daher. Die Rolle als Führungsspieler füllt er laut Herche dennoch vorbildlich aus. »Es mag von außen nicht so auffallen, doch Maciej spricht auf dem Platz sehr viel mit den Spielern und gibt viele leise Kommandos. Er lenkt das Spiel unauffällig. Wichtig ist ja sowieso, dass die Spieler ihn verstehen und nicht die Zuschauer draußen«, so Herche. Die Arbeit von Wolodczenko, der zur Saison 2020/21 den langjährigen Coach Joachim Weis ablöste, wird intern sehr geschätzt. Auch dank gestiegener Erfahrungswerte haben sich etliche junge Spieler in den vergangenen Monaten gut weiterentwickelt. Viele Akteure im Kader des Kreisoberliga-Überraschungsteams sind gerade mal Anfang zwanzig, eine Fortsetzung des Aufschwungs daher gut möglich.

Trainerteam bleibt

Mit Co-Trainer Nico Weber verfügt der Kreisoberliga-Zweite zudem über die ideale Ergänzung, denn der 34-Jährige ist zwar fußballerisch nicht so filigran unterwegs wie Wolodczenko, besticht eher durch Zweikampfstärke und seine vorbildliche Einstellung. »Nico ist ein Wühler vor dem Herrn und ebenso unglaublich wichtig für die Mannschaft«, lacht Herche. In diesen Tagen schaffte der Vorstand des SVR wichtige Fakten: Wolodczenko und auch Weber bleiben dem Verein in gleichen Funktionen auch in der Spielzeit 2022/23 erhalten. Generell setzt der Klub auf Kontinuität. So gab es in der Winterpause nur eine personelle Veränderung: Bedri Gülec, der nach Frankfurt verzogen war, ist wieder nach Ranstadt zurückgekehrt.

Auch B-Team erlebt Aufschwung

Die verbesserte sportliche Lage wirkt sich auch positiv auf die in den vergangenen Jahren meist in hinteren Tabellengefilden der Kreisliga B2 zu findende Reservemannschaft aus. »Wir haben in diesem Team mehrere Spieler im Kader, die jederzeit in der ersten Mannschaft spielen könnten. Diese Jungs sind voll da, wenn sie gebraucht werden«, weiß Herche.

Die Leistungsstärke im Kreisoberliga-Kader des SV Ranstadt wirkt sehr ausgewogen, bester Torschütze war bislang Dennis Weber mit neun Treffern. Ausgeglichen besetzt ist man auch auf der Torwartposition, wo Gundolf Laier, Valeri Windermut und Oguz Karpuz auf Augenhöhe im fairen Wettstreit um die Nummer eins auf dem Rücken stehen.

Perspektivisch sieht der langjährige Vereinschef seinen kleinen Verein nicht als Gruppenligist, was keineswegs heißt, dass der SVR im Falle des größtmöglichen Überraschungscoups als Kreisoberliga-Meister auf sein Aufstiegsrecht verzichten würde. Klar ist aber auch: Die Philosophie, nach welcher der Verein fast ausschließlich auf Spieler aus dem eigenen Nachwuchsbereich setzen möchte, wird unverändert bleiben. Herche: »Sollten wir wirklich aufsteigen, würden wir die Gruppenliga als Bonus ansehen und uns mit unseren Mitteln und Möglichkeiten dem Wettbewerb stellen.« Bis es so weit ist, fließt noch viel Wasser durchs Laisbachtal. Am 6. März beginn für die Wolodczenko-Elf die Rückrunde mit dem Auswärtsderby bei der SG Nieder-Mockstadt/Stammheim. Ein Gegner, mit dem der SVR in der Vergangenheit oft seine Probleme hatte. Eines scheint aufgrund des florierenden Trainingsbetriebs gewiss: Der SV Ranstadt wird zum Auftakt konditionell auf der Höhe sein.

Frank Schneider

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