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Spielertrainer Gabriele Accardo (rechts) und Christian Weber (Vorstandsvorsitzender Fußball) präsentieren nach dem Sieg gegen Lorbach den TSV-Hammer, der nur zu besonderen Anlässen ausgepackt wird.

Fußball-Kreisliga B Büdingen, Gruppe 1

TSV Stocheim: Ungeschlagen in Außenseiterrolle

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Der TSV Stockheim geht als einziges ungeschlagenes Team der Fußball-Kreisliga B Büdingen, Gruppe 1, in die Winterpause. Der Aufstieg ist allerdings nicht das Ziel - zumindest noch nicht.

Am letzten Komplettspieltag des Jahres kam es in der Kreisliga B Büdingen Gruppe 1 zum großen Aufeinandertreffen der beiden ungeschlagenen Fußball-Mannschaften. Der TSV Stockheim empfing Herbstmeister 1. FC Lorbach - und siegte dank eines frühen Treffers von Adrian Kraft mit 1:0. Dass ausgerechnet der TSV dem großen Favoriten aus Lorbach die ersten Punktverluste beigebracht hat, kommt für Vorstandsmitglied Michael Altvater nicht unbedingt überraschend. »Wir sind durchaus in der Lage, starke Mannschaften zu schlagen. Das zeigten wir schon in der vergangenen Saison, als wir Lorbach - ebenfalls in einem Flutlichtspiel - mit 3:2 bezwangen«, berichtet der 43-Jährige. Auf der anderen Seite sei Stockheim aber auch immer für Punktverluste gegen vermeintlich leichtere Gegner gut. »Wie in der Vorrunde beim 1:1 gegen Hartmannshain/Herchenhain/Burkhards, als der Gegner den ersten Saisonpunkt gegen uns holte«, erinnert sich Stockheims »Sprachrohr« Altvater.

Spielertrainer Gabriele Accardo hat eine einfache Erklärung für dieses Phänomen: »Wir passen uns oftmals dem Niveau des Gegners an.«

Dennoch ging der TSV seit Accardos Amtsantritt im Winter 2019 nur einmal als Verlierer vom Platz. »Das war gleich in meinem ersten Match gegen den SC Viktoria Nidda II, als unser Gegner seine Mannschaft mit Akteuren der spielfreien ersten Mannschaft verstärkte«, so der 32-Jährige. Im Anschluss folgten 16 ungeschlagene Spiele. Elf davon in dieser Saison, weshalb Stockheim mit 29 Punkten (neun Siege, zwei Remis) nur einen Zähler hinter Spitzenreiter Lorbach auf Tabellenplatz zwei liegt.

Defensive ist das Prunkstück

Einen großen Anteil am Erfolg hat der Spielertrainer. »Gabriele hat uns übernommen, als wir personell ganz unten waren. Er ist immer der erste auf dem Sportplatz, geht mit jedem einzelnen Spieler hervorragend um und hält jeden im 18 Mann-Kader bei Laune«, lobt Altvater seinen Coach. Und der gibt das Lob an seine Mannschaft weiter. »Wir sind defensiv sehr gut organisiert, ließen in elf Partien nur acht Gegentreffer zu.« Und das, obwohl die Viererkette aufgrund personeller Probleme immer wieder neu besetzt werden musste. Eine Konstante ist Fabio Balducci als Abräumer vor der Abwehr. »Allgemein sind wir zentral sehr gut besetzt. Vor Balducci sorgen Dominik Schütz, Nils Köcher, Rückkehrer Pierre Nickel und Co. für spielerische Qualität«, sagt Accardo, der zudem die Ausgeglichenheit in der Offensive erwähnt. »Bei uns kann jeder Tore schießen. Deshalb sind wir sehr schwer auszurechnen.« Die 35 Treffer verteilen sich auf viele Akteure. Florian Link führt die interne Torschützenliste mit fünf Treffern an.

Zudem stimme die Mischung. Junge Akteure wie Maximilian Greife und Noah Liesch harmonieren mit der Ü30-Fraktion. Vorstandsmitglied Altvater freut sich, »dass beispielsweise Oldies wie Christian Körpert noch einmal Lunte gerochen haben«. Die Mannschaft hätte seit dem Sommertrainingslager auf dem Hoherodskopf ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Das spüre man Sonntag für Sonntag auf dem Platz.

Obwohl (fast) alles nach Plan läuft, spricht Accardo noch nicht vom Aufstieg. »Lorbach ist weiterhin Favorit. Dazu kommt außerdem die starke SG Ober-Lais/Lißberg. Ich will meine Spieler nicht unter Druck setzen.« Altvater sieht es ähnlich: »Es gibt nur einen Aufsteiger und keinen Relegationsteilnehmer. Und Lorbach hat vielleicht etwas mehr Qualität im Kader. Deshalb sprechen wir nicht vom Meistertitel, auch wenn wir mittelfristig gerne wieder hoch wollen.« Die Kreisliga A sei die beste Klasse für Stockheim. »Die Kreisoberliga ist im Prinzip ziemlich verseucht, weil manche Vereine in Sachen Spielerbezahlung übertreiben. Prinzipiell gehört keine Kohle in den Amateurfußball«, betont Altvater. Das war in Stockheim vor circa 25 Jahren auch schon einmal anders. Jetzt bezahlt die Klubführung nichts mehr.

Knallerstart gegen den 1.FC Lorbach

Stolz macht das Vorstandsmitglied, was sich sonst noch so im Verein tut. »Wir haben das Sportgelände in den vergangenen beiden Jahren auf Vordermann gebracht und mittlerweile 50 Jugendspieler, verteilt auf fünf eigene TSV-Teams, unter unserem Dach«, sagt Altvater, der sich immer auf Vorstandskollegen wie Christian Weber oder Stefan Link verlassen kann.

Das erste Spiel nach der Winterpause hat es übrigens gleich in sich: Stockheim muss im März in Lorbach antreten. Sollte der TSV auch dieses Spiel gewinnen, werden Accardo und Altvater das Wort Aufstieg in den Mund nehmen müssen.

TSV Stockheim: Spielertrainer Gabriele Accardo verlängert

Gabriele Accardo kam im Winter 2019 als Nachfolger von Rüdiger Henning nach Stockheim. Seine Bilanz kann sich sehen lassen: In lediglich einem von 17 Ligaspielen ging sein Team als Verlierer vom Platz. Deshalb überrascht es auch nicht, dass der Verein vor wenigen Tagen die Zusammenarbeit mit dem 32-Jährigen um eine weitere Spielzeit verlängert hat. Vor seinem Engagement beim TSV war der aus Kahl stammende und seit einem Jahr in Düdelsheim lebende Accardo unter anderem vier Jahre Spielertrainer bei Germania Großwelzheim. Zudem schnupperte der Offensivspieler im Trikot von Viktoria Kahl Landesliga-Luft. In Stockheim spielt der Industriemechaniker in leitender Position überall. Sogar im Tor – wenn er dort gebraucht wird. 

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