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Torgefahr aus der zweiten Reihe

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Dynamischer Torabschluss: Rica Wäscher (links) trifft zuletzt regelmäßig für die HSG Gedern/Nidda. © Achim Senzel

Rica Wäscher kommt bei der HSG Gedern/Nidda immer besser in Tritt.

Gedern/Nidda (flo). »Vielleicht«, lacht Rica Wäscher, »hätte ich an diesem Tag noch Lotto spielen sollen.« Keine Frage, dass die Handballerin des Drittligisten HSG Gedern/Nidda damit den vergangenen Samstag meint. Da nämlich gelang der Rückraumspielerin so ziemlich alles, beim 28:23-Heimerfolg gegen Fortuna Düsseldorf ließ sie es zehnmal klingen. Nun aber geht der Blick nach vorne: Morgen Abend (18 Uhr, Gymnasiumhalle Nidda) haben die Wetterauerinnen den Tabellendritten Bayer 04 Leverkusen II zu Gast.

Siebte Station mit 26 Jahren

Seit Sommer 2020 läuft Wäscher für die Spielgemeinschaft auf. Es ist ihre immerhin schon siebte Station, die 26-Jährige, das steht fest, ist schon ein bisschen herumgekommen. Mit sechs Jahren beginnt sie, die im nordhessischen Bad Arolsen groß geworden ist, in der unmittelbaren Nachbarschaft bei der HSG Twistetal. Sie packt es erst in die Bezirks-, dann in die Hessenauswahl. Es ist also nicht unbedingt überraschend, dass im Teenageralter die HSG Bad Wildungen auf das Talent aufmerksam wird und Wäscher ins Handball-Internat des Erstligisten wechselt. »Das«, sagt Wäscher, »war eine Mega-Erfahrung, dort musste ich mich bereits um alles kümmern, obwohl ich noch sehr jung war.«

Drei Jahre lang bleibt sie dort, dann muss das Internat schließen, weil Sponsoren und somit die wirtschaftlichen Mittel fehlen. Eine Saison lang zieht es Wäscher danach gen Norden, dort spielt sie für die A-Jugend des Bundesligisten VfL Oldenburg. Dort gefällt es ihr nicht so recht. Doch die nächste Tür öffnet sich bereits: Markus Berchten, unter dem Wäscher bereits im Internat in Bad Wildungen trainiert hat, wird im Sommer 2014 Trainer des damaligen Drittligisten SG 09 Kirchhof, lotst seinen Ex-Schützling zurück in die nordhessische Heimat.

Aufstieg in die 2. Bundesliga

»Das«, erinnert sich Wäscher, »war eine überragende Zeit.« Nicht nur, weil die SG als Meister der Ost-Staffel in die 2. Bundesliga aufsteigt. Sondern auch, weil Wäscher positiv überrascht, sich auf Anhieb in der neuen Mannschaft etabliert. Sie ist fester Bestandteil der Meistertruppe, wird als eine von sechs Spielerinnen in allen Partien eingesetzt. Es folgen erst der unmittelbare Wiederabstieg, dann 2016/17 der direkte Wiederaufstieg. Bemerkenswert: 2016 beginnt Wäscher in Melle, einer niedersächsischen Stadt nahe Osnabrück, eine Ausbildung. Ein Jahr lang pendelt sie, »da bin ich 800 Kilometer pro Woche gefahren«.

Weshalb 2017 dann Schluss ist in Kirchhof. Wäscher zieht nach Melle, schließt sich für zwei Jahre dem Drittligisten SFN Vechta an, mit dem sie erst absteigt und dann Oberliga-Meister wird. Als ihre Ausbildung beendet ist, begibt sich der Blondschopf auf Jobsuche - bundesweit. Ihre Bedingung: »Ich wollte auf jeden Fall in eine Großstadt, egal, ob Berlin, München oder woanders. Das wollte ich einfach mal erleben.« Fündig wird Wäscher schließlich in Frankfurt, am Main arbeitet sie nun seit zweieinhalb Jahren als Bewegungspädagogin bei der FTG Frankfurt. Die Folge: Zur Saison 2019/20 wechselt die in Bockenheim lebende Wäscher zur TSG Ober-Eschbach. Ehe dort ein Jahr später die Lichter ausgehen und die Mannschaft abgemeldet wird.

Seitdem also wirft die variable Rückraumspielerin ihre Tore für die HSG Gedern/Nidda. Bei der Mannschaft von Trainer Christian Breiler fühlt sie sich ebenso wohl wie in der Spielklasse. »Mein Ziel«, sagt sie, »war es nie, Handball zum Lebensschwerpunkt zu machen. Die 2. Liga war eine coole Erfahrung, aber mit einem 40-Stunden-Job wäre nichts anderes als 3. Liga möglich. Viermal Training, dazu das Spiel am Wochenende - das ist genug Aufwand.«

Samstag Heimspiel gegen Leverkusen

Bei der Spielgemeinschaft jedenfalls kommt Wäscher immer besser in Tritt, in den letzten acht Partien hat sie stets mindestens einmal getroffen und insgesamt 29 ihrer 36 Saisontreffer erzielt. Der mächtige Hieb im rechten Wurfarm, somit also die Torgefahr aus der zweiten Reihe machen die Halblinke zum einem wichtigen Faktor.

Das nämlich ist eine Komponente, die dem Breiler-Team ohne Sabine Kaiser (Kreuzbandriss) und Kristin Amos (Trainingsrückstand, derzeit angeschlagen) ein gutes Stück weit abhanden geht. Gegen Düsseldorf etwa erzielte Wäscher acht ihrer zehn Treffer aus dem Rückraum.

»Wenn die ersten Würfe passen, steigt natürlich das Selbstvertrauen«, sagt sie. Wohlwissend, dass es nicht immer so perfekt läuft. Weshalb? »Ich war noch nie eine Spielerin, die in jedem Spiel fünf Buden oder mehr gemacht hat. Darum geht es mir auch nicht. Ich freue mich genauso über ein gutes Anspiel.« Aber: »Aktuell läuft es für mich mal in der Abwehr und mal im Angriff besser. Das ist noch wechselhaft. Aber ich habe aktuell nicht so die eine Konstante, die ich in unser Spiel einbringen kann. Das nervt mich ein bisschen.«

Kein Zweifel: Wäscher in Hochform könnte die HSG am Samstag im Heimspiel gegen Leverkusen II bestens gebrauchen. Schließlich handelte man sich im Hinspiel eine klare 22:32-Schlappe ein. »Der Sieg gegen Düsseldorf«, sagt Wäscher, »war ein großer Befreiungsschlag, nachdem zuvor viele Sachen auf die Stimmung gedrückt hatten. Ich hoffe, dass wir die positive Energie mitnehmen und bin mir sicher, dass es daheim ein ganz anderes Spiel als in Leverkusen wird.«

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