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Titeljagd ohne Aufstiegsambitionen

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Kapitän Mario Repp (rechts) und seine Teamkollegen vom EC Wallernhausen sind in dieser Saison oft nur mit unfairen Mitteln zu stoppen. © Red

Acht Siege nach neun Spieltagen - Wallernhausen mischt die Eishockey-Landesliga Hessen auf. Aber: Ein Aufstieg in die Hessenliga ist kein Thema. Trainer Thomas Günther zieht ein Zwischenfazit.

M it solch einem Comeback nach langer Corona-Pause hatten wohl nur die kühnsten Optimisten im Lager des EC Wallernhausen gerechnet. Der Eishockey-Landesligist legte eine Serie von acht Siegen in Folge hin, verlor erst am neunten Spieltag das erste Punktspiel mit 0:7 gegen die Darmstadt Dukes. Trainer Thomas Günther (48) spricht mit dem Kreis-Anzeiger über den gelungenen Saisonstart, die Stärken des Teams und das Saisonziel. Zudem erklärt der in Wallernhausen lebende Vertriebler, der beim letzten Landesliga-Titelgewinn 2020 noch aktiv auf dem Eis stand und langjährige Vorstandserfahrung beim ECW aufweist, warum ein Aufstieg für die Pirates nicht erstrebenswert ist.

Acht Siege nach neun Partien: Verraten Sie uns das Erfolgsgeheimnis des EC Wallernhausen?

Der Stamm des Teams ist seit Jahren gewachsen. Sicher hat sich das Mannschaftsbild in den vergangenen Jahren geändert, aber der gute Zusammenhalt auf dem Eis ist geblieben. Aber auch abseits der Eisfläche haben die Pirates eine enge Bindung und pflegen Freundschaften. Altgediente Spieler wie Michael Woelcke, Lutz Franke, Carsten Bingel und Daniel Dickel bleiben dem Verein treu und trainieren weiter mit, neue Spieler werden schnell integriert. Bei anderen Teams ist hier oftmals deutlich mehr Fluktuation zu verzeichnen. Besonders nach der langen Pause war der gefestigte Kader natürlich ein Grund für diese begeisternde Vorrunde.

Gibt es weitere Gründe, warum der ECW so gut aus der Corona-Pause gekommen ist?

Als - glaube ich - einziges Team der Landesliga hatten wir in der Saison 2020/21 kein einziges Spiel absolviert, denn kurz vor unserem Eröffnungsbully Anfang November 2020 wurde die Saison beendet. Jetzt ist natürlich jeder motiviert und froh, dass er seiner Leidenschaft wieder nachgehen kann. Mit Sicherheit ist auch unser selbst finanziertes Trainingslager im tschechischen Litvinov ein Grundstein für den erfolgreichen Saisonstart. Die gelungene Kombination aus Training und Teambuilding im Erzgebirge wirkt heute noch nach.

Dennoch setzte es im neunten Spiel die erste Niederlage. Und die fiel mit dem 0:7 gegen die Darmstadt Dukes deutlich aus. Wieso ?

Wir traten nur mit neun Feldspielern an. Zudem war der Gegner immer einen Schritt schneller, zeigte mehr Präsenz. Darmstadt hat eine stark besetzte Mannschaft, da kann uns nicht immer - wie beim 3:2-Husarenritt im ersten Spiel - ein Sieg gelingen.

Ende März steht das Final-Four in Darmstadt mit den vier besten Hauptrundenteams auf dem Programm. Dann geht es unter anderem wieder gegen die Dukes. Was kann der ECW dort erreichen?

Das Final Four findet in dieser Form in der Landesliga und Hessenliga zum ersten Mal statt. Dadurch soll ein wenig Playoff-Charakter entstehen. Natürlich ist alles möglich. Man hat ein Spiel, das kann die gesamte Saison auf den Kopf stellen - positiv oder auch negativ. Wir hoffen, dass uns an diesem Wochenende alle Spieler gesund zur Verfügung stehen und wir uns gut verkaufen. Der größte Konkurrent im Meisterkampf sind die Darmstadt Dukes. Besonders natürlich auch mit dem Heimvorteil, das wird sie noch zusätzlich motivieren. Aber auch die Ice Devils aus Bad Nauheim und Eintracht Frankfurt stellen gute Teams, die es erst einmal zu schlagen gilt.

Vor der Runde hieß es, dass Sie und Volker Harmert die Mannschaft interimsweise trainieren. Nach dem bisherigen Saisonverlauf besteht eigentlich kein Grund, einen neuen Trainer zu suchen, oder?

Ich glaube, das sehen Vorstand und Mannschaft aktuell gleichermaßen so. Zwar kennt man sich als gemeinsame Spieler seit Jahren, trotzdem bringt die Mannschaft uns als Duo den nötigen Respekt entgegen, um erfolgreich zu agieren. Mit Mario Willkom und Philipp Hartmann befinden sich ja schon zwei ehemalige Trainer im Team, die mit ihrem Erfahrungsschatz parat stehen. Auch die Arbeitsteilung ist sicher ein Erfolgsfaktor. Als Coach hinter der Bande kann ich Volker den Rücken freihalten, sodass er sich voll auf sein Spiel konzentrieren kann. Darüber hinaus leistet Volker in jedem Training eine gute taktische Arbeit.

Wie wichtig ist es für das Team, dass Ihr Vorgänger Mario Willkom weiter als Spieler zur Verfügung steht?

Das ist sehr wichtig. Mario ist ein extrem wichtiger Spieler für uns. Er ist einer, der immer 100 Prozent gibt, der in der Kabine auch etwas zu sagen hat. Auch jetzt, nachdem er »nur noch« Spieler ist. Darüber hinaus hat ihn das Ablegen des Traineramtes »befreit«, er kann sich mehr auf die eigene Leistung konzentrieren und seine spielerischen Fähigkeiten noch besser für das Team einsetzen. Natürlich haben auch andere Vereine, eigentlich wie jede Saison, die Fühler nach ihm ausgestreckt. Wir sind sehr froh, dass Mario bei uns spielt.

Welche Spieler haben Sie in der laufenden Saison bislang am meisten überrascht oder den größten Sprung nach vorne gemacht?

Klar zu nennen ist hier Simon Platzer. Nach der Verletzung von Frank Guldner in den Sturm beordert, ist der gelernte Verteidiger hier kaum wegzudenken mit seiner Torgefahr. Da Guldner jetzt wieder fit ist, besteht in der ersten Reihe ein Luxusproblem. Mario Repp spielt ebenfalls eine bärenstarke Saison. Nach langer krankheitsbedingter Pause spielt er aktuell befreit auf. Aber auch die neuen jungen Spieler wie Kevin Endres oder Tom Diegel überraschten das eine oder andere Mal sehr positiv.

Gehört der ECW mittelfristig in die Hessenliga? Oder ist die Landesliga die beste Klasse für Team und Umfeld?

Die Frage nach der Hessenliga stellt sich für uns nicht. Zweimal schon mussten wir das »Abenteuer« Hessenliga in Angriff nehmen, das Leistungsgefälle ist einfach zu groß, gerade wenn man die zweite Garde der DEL 2-Teams ansieht. Es gibt in Hessen einfach zu wenige Vereine, um eine faire Ligenstruktur hinzubekommen. Unsere Spieler sind bis auf wenige Ausnahmen alle über 30, teilweise weit über 35 oder schon 40 Jahre alt. Da wir keine eigene Nachwuchsarbeit betreiben können oder »große« Vereine unsere Nachbarn nennen, ist das Thema Kadererweiterung nicht so einfach. Zusätzlich ist die Entfernung zu unserem Trainings- und Spielort Lauterbach natürlich nicht jedermanns Sache. Der ECW kann nur Landesliga spielen, das ist das Limit für das Team, das Umfeld und den Verein. Natürlich sehen das die Mannschaften, die in der Liga deutlich gegen uns verlieren, im Zweifel anders.

Sie sprachen eben das hohe Durchschnittsalter der Mannschaft und den fehlenden Nachwuchs an. Werden die Pirates bald in »Rente« gehen müssen?

Das auf keinen Fall. Die vielen Spieler, die Ende 30 sind, haben noch fünf gute Jahre vor sich, in denen sie gerne einmal pro Woche trainieren und an den Wochenenden ein Spiel absolvieren. Zudem stößt in unregelmäßigen Abständen der eine oder andere interessierte Neueinsteiger zur Mannschaft.

Zum Abschluss noch eine Frage zur Kooperation mit Lauterbach: Läuft alles zur Zufriedenheit? Und muss jedes Jahr neu verhandelt werden?

Die langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem EC Lauterbach läuft zur vollsten Zufriedenheit. Wir sind heimisch im Vogelsberg, unser Trainingsbetrieb und Spielbetrieb läuft im Einklang mit den Luchsen und dem Verein. Jeder hat seinen Platz gefunden, man kennt sich. Deshalb wird die Vereinbarung Saison für Saison fortgesetzt.

Torben Frieborg (tfr)

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