Thomas Kösling schreibt Football-Geschichte

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HAINCHEN - Thomas Kösling hat sich am vergangenen Sonntag einen Platz in den Football-Geschichtsbüchern gesichert. Der Hainchener führte die Frankfurt Galaxy als Cheftrainer zum ersten Meistertitel in der vor wenigen Monaten gegründeten European League of Footbal (ELF).

Dementsprechend "stolz" war der 38-Jährige nach dem 32:30-Finalcoup gegen die Hamburg Sea Devils, "obwohl ich es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht so richtig begreifen konnte". Direkt nach dem Sieg war er emotional komplett am Ende. "Richtig müde - und einfach froh, die Jungs feiern zu sehen." Am Tag nach dem Triumph, als das Team mit dem Bus durch Frankfurt fuhr und am Römer von einigen Fans empfangen wurde, realisierte Kösling erstmals, "dass wir etwas Besonderes geleistet haben".

Nüchtern betrachtet kam der Titelgewinn nicht überraschend. Obwohl die Saison mit einer 15:17-Niederlage in Hamburg begann, stellten die Frankfurter nach Beendigung der Hauptrunde mit neun Siegen und einer Pleite das beste Team der ELF. Ein Blick auf die Zahlen verriet zudem, dass die Hessen mit 357:132 Punkten die besten Offensiv- und Defensiv-Werte der acht teilnehmenden Clubs aufwiesen.

Der Headcoach wusste bereits vor dem Halbfinale gegen die Cologne Centurions, "dass wir das beste Team der Liga stellen und wir uns eigentlich nur selbst ein Bein stellen können". Er sagte aber auch: "Wir dürfen das Spiel Football nicht betrügen und auf keinen Fall zu locker an die Sache herangehen - in solch einem komplexen Spiel können so viele unvorhersehbare Dinge passieren. Football verzeiht keine Halbherzigkeit."

Das Halbfinale gegen Köln war dennoch eine klare Sache (36:16). Richtig eng wurde es im Finale vor mehr als 20000 Fans in Düsseldorf. "Ein verrücktes Spiel gegen einen Gegner auf einem absoluten Toplevel", weiß Kösling. Er habe gemerkt, dass einige seiner Spieler Respekt vor der großen Kulisse hatten. Die Anspannung sei groß gewesen, Konzentrationsprobleme die Folge. Am Ende ging - aus Frankfurter Sicht - alles gut. Der überragende Galaxy-Quarterback Jakeb Sullivan sorgte mit einem Touchdown in der letzten Minute für die Entscheidung zugunsten des Favoriten. "Das Spiel zeigte noch einmal, dass wir in der Premierensaison die beste Qualität im Kader hatten", resümiert Kösling.

Der 38-Jährige setzte somit den Weg fort, den er bereits 2007 mit einigen Spielern und Kollegen aus seinem Trainerteam bei Frankfurt Universe einschlug. "Wir wollten in die höchste Spielklasse und das Flair der Galaxy fortsetzen. Jetzt haben wir den Pokal", sagt der Hainchener, der die Trophäe erst einmal in seiner Wohnung deponiert, "bis wir einen adäquaten Platz gefunden haben".

Seit Mittwoch ist Kösling zurück vom Galaxy-Trip zu den Sternen. Im Berufsalltag "gelandet", kann er sich nun Gedanken über seine Zukunft machen. Wenn Kösling in Frankfurt weitermachen möchte, darf er es auch. Davon geht er zumindest aus. "Es wäre schließlich ungewöhnlich, wenn ein Meistertrainer entlassen würde." Der Hauptkommissar weiß aber auch, dass Beruf und Trainerjob auf Dauer schwer unter einen Hut zu bringen sein werden. Zumal die ELF wächst. "Rhein Fire und zwei Teams aus Österreich sollen in der kommenden Saison auf jeden Fall dazustoßen. Dann wären wir bei elf Mannschaften. 14 oder 16 sollen es werden. Die Liga wird größer und besser." Und wird noch mehr Zeit in Anspruch nehmen. Weshalb ein weiteres Engagement in Frankfurt wohl Auswirkungen auf seinen Job als Hauptkommissar hätte. "Das alles muss in den kommenden Wochen geklärt werden", denkt Kösling nach seinem größten Triumph als Cheftrainer bereits an die nächste Saison.

Zur Person

Thomas Kösling hielt das Leder-Ei zum ersten Mal während einer Projektwoche in der Altenstädter Limesschule als Achtklässler in der Hand. American Football packte ihn damals sofort. Der Hainchener organisierte sich Spiele für den Computer und übte den Sport erstmals mit 17 Jahren aktiv für die Hanau Hornets aus, "weil es bei uns im Ort keine Fußball-A-Jugend mehr gab und ich weiter Mannschaftssport betreiben wollte". Der 38-jährige Hauptkommissar, der seit Ende Juli verheiratet ist, wechselte 2007 von Hanau zu Frankfurt Universe. Dort stieg der ehemalige Linebacker 2014 ins Trainergeschäft ein, seit einigen Monaten ist er Headcoach der Frankfurt Galaxy. (tf)

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