Super Bowl: Ein Bulle setzt auf die Häuptlinge

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NIDDA - Spektakuläre Spielzüge, oftmals Spannung bis zur letzten Sekunde, charismatische Spieler, hochkochende Emotionen, taktische Raffinessen und eine sensationelle Halbzeitshow - in der Nacht von Sonntag auf Montag sitzen in Deutschland wieder mehr als eine Million American-Football-Fans vor den Bildschirmen. Dominik Lemcke aus Nidda lässt sich das Super-Bowl-Spektakel zwischen den Tampa Bay Buccaneers und Titelverteidiger Kansas City Chiefs ebenfalls nicht entgehen.

"Leider gibt's diesmal keine große Party mit meinen Jungs von den Wetterau Bulls." Wegen der aktuell geltenden Corona-Beschränkungen schaut er sich das "große Finale" diesmal nur mit einem Teamkollegen an. "Jede Menge American Beer, Chicken Wings, Burger und Nachos dürfen in dieser Nacht trotzdem nicht fehlen", sagt Lemcke.

Football-Fan ist der 33-Jährige schon eine gefühlte Ewigkeit. Seit knapp drei Jahren jagt er dem Ei im Trikot der Wetterau Bulls aktiv hinterher. Und er liebt das Spiel. "Egal wie groß oder klein du bist - es gibt für jeden die passende Position", betont Lemcke, der mit 130 Kilogramm - verteilt auf 1,98 Meter - zu den beeindruckenderen Exemplaren seiner Sportart zählt.

Im Gespräch mit dieser Zeitung vergleicht der Nose-Tackle, so wird seine Position in der Defensiv-Formation des Landesligisten genannt, beide Super-Bowl-Teilnehmer und tippt auf einen Sieg der Chiefs (deutsch: Häuptlinge).

Im Mittelpunkt steht das Duell der Quarterback-Generationen. Der sechsfache Champion Tom Brady trifft auf den aktuellen Superstar der Liga, Patrick Mahomes.

Auf der einen Seite steht der 43-jährige Brady, der vor der aktuellen Spielzeit nach 20 Jahren bei den New England Patriots mit sechs Titeln im Gepäck nach Florida zu den Tampa Bay Buccaneers wechselte. Dort erlebt er den gefühlt 20. Frühling und steht zum zehnten Mal im Endspiel um den Super Bowl. Brady darf sich schon jetzt "der Größte aller Zeiten" nennen. Auf der anderen Seite steht mit Patrick Mahomes der 18 Jahre jüngere und aktuell wohl beste Quarterback. So sieht es auch Dominik Lemcke: "Brady ist statistisch gesehen der beste Quarterback aller Zeiten, aber auch sehr altmodisch in seiner Spielweise. Er passt meistens und meidet Laufspiele, weil er nicht sehr beweglich ist. Mahomes beherrscht dagegen das agile und schnelle Spiel in Perfektion. Passen kann er natürlich auch super." Lemcke denkt, "dass sich beide Quarterbacks im Duell der Generationen auf Augenhöhe begegnen werden". Ein kleiner Vorteil für den wurfgewaltigen Mahomes könnte sein, "dass er unbedingt an seine Leistung vom letztjährigen Titelgewinn anknüpfen an das Ding erneut gewinnen will".

Welches Team funktioniert in der Offensive, welches in der Defensive besser?

Es ist das Duell der Gegensätze. "Die Tampa Bay Buccaneers identifizieren sich über ihre Defensive. Sie haben ein gutes Auge und das Gefühl dafür, wohin der Pass des Gegners kommen könnte. Die Kansas City Chiefs gelten als Offensiv-Macht der National Football League (NFL). Passgeber Mahomes weiß sehr oft ganz genau, wo sich seine Passempfänger befinden. Die Offensive der Chiefs ist einfach sehr gut aufeinander abgestimmt. Aber durch den Zugang von Tom Brady und weiteren guten Spielern ist die Offensive der Buccaneers in dieser Saison nicht zu unterschätzen", betont Dominik Lemcke.

Gibt es, abgesehen von den Quarterbacks, Spieler, die den Unterschied ausmachen könnten?

Der Ausfall von Offensive Tackle Eric Fisher tut den Kansas City Chiefs weh. Nun müssen andere Spieler in die Bresche springen. Laut Dominik Lemcke sind das "Tyreek Hill und Travis Kelce, die der sehr guten Buccaneers-Defensive um Devin White, Jason Pierre-Paul und Ndamukong Suh Probleme bereiten können". Ronald Jones, Leonard Fournette, Mike Evans sowie die altbekannten Rob Gronkowski, der den NFL-Saisonrekord für die meisten gefangenen Touchdowns in einer Saison hält, und Antonio Brown sind die Trümpfe in der Offensive der Tampa Bay Buccaneers. "Sie treffen auf folgende Chiefs-Spieler, die den Unterschied ausmachen könnten: Anthony Hitchens, Chris Jones und Tyrann Mathieu", sagt der Nose Tackle der Wetterau Bulls.

Spielt der Heimvorteil der Buccaneers in diesem Finale eine Rolle?

"Absolut! Es ist der erste Super Bowl für ein Team im eigenen Stadion. Das gab es noch nie. Dadurch werden die Tampa Bay Buccaneers einen enormen Motivationsschub bekommen und natürlich alles geben", vermutet Dominik Lemcke. 22 000 Fans dürfen ins normalerweise 66 000 Zuschauer fassende Taymond James Stadion in Tampa kommen. 7 500 der 22 000 Tickets gehen an geimpfte Mitarbeiter des Gesundheitswesens.

Wie ist die Ausgangslage vor dem Super Bowl und wer jubelt am Ende?

2020 gewannen die Chiefs den Titel zum zweiten Mal nach 1970. Bei einem erneuten Erfolg wären sie das erste Team seit dem Doppelerfolg der New England Patriots 2003/2004, das den Titel verteidigen würde. Die Buccaneers holten ihren bislang einzigen Super-Bowl-Sieg vor 18 Jahren. In der regulären Saison trumpften die Chiefs mit 14 Siegen und zwei Niederlagen auf, die Buccaneers zogen mit elf Siegen und fünf Niederlagen in die Play-offs ein. Das einzige Duell in dieser Saison ging mit 27:24 an den Titelverteidiger. Dominik Lemcke spricht von einer sehr ausgeglichenen Ausgangslage. "Mahomes und seine Chiefs sind durch ihren letzten Sieg im Super Bowl motiviert. Aber: Brady will den siebten Ring und kann am Ende vielleicht dank seiner Erfahrung jubeln. Weil mir das Spiel der Chiefs eher zusagt und Brady, den ich nicht sonderlich mag, nicht alles gewinnen muss, hoffe ich auf einen Sieg von Kansas City." Sein Tipp: 34:28 für die Chiefs.

Zur Person

Name: Dominik Lemcke

Alter: 33

Größe: 1,98 Meter

Gewicht: 130 Kilogramm

Wohnort: Nidda

Familienstand: verheiratet, drei Kinder

Beruf: Anlagenmechaniker

Verein: Wetterau Bulls

Position: Nose Tackle

Lieblingsverein: Green Bay Packers

Lieblingsverein im Finale: Kansas City Chiefs

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