Sportwoche unter Lupe: Tränendrüsendrücker

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Wenn jemand heult wie ein Schlosshund, dann kann das so ergreifend sein, dass das Mitgefühl-Barometer dermaßen steigt, dass einem selbst die Tränen kommen. Aber ungarische Tränen sind etwas Besonderes, dass haben alle Fußball-Fans in dieser Woche gelernt. Hoch emotional war die letzte Vorrundenpartie der deutschen Nationalmannschaft gegen die Jungs vom Balkan schon.

Die maschinenhafte Internatsfußaller-Leistung der Elf von Bundestrainer Jogi Löw trieb vielen Erwartungsfrohen vor der Mattscheibe zwischendurch nicht nur die Zornesröte ins Gesicht, sondern auch vor lauter Enttäuschung das Wasser in die Augen. Es gibt natürlich noch die Gattung der Freudentränen. Auch diese hat man beim frisch gebackenen schwarz/rot/goldenen Achtelfinalteilnehmer - oh Wunder - nicht gesehen. Oder tut man den Mannen um Kapitän Manuel Neuer Unrecht? Es hat ja geschüttet wie aus Eimern in München. Sind die Tränen etwa im Regen untergegangen? Fragen über Fragen, aber eins ist sicher: Hätte "die Mannschaft" verloren, wäre im Monsun in der Weißwurstmetropole untergegangen und aus dem Turnier geflogen und Jogi Löw abrupt arbeitslos, dann wäre auf deutscher Seite keine Träne geflossen. Nur bei den Fans. Nun sei aber ratzfatz alle Tragik weggewischt. Nach vorne blicken ist angesagt. Ich habe ja vor Kurzem darauf gesetzt, dass Deutschland Europameister wird. Und am kommenden Dienstag geht's ins Wembley-Stadion nach London und dort müssen die Engländer auf Offensive setzen. Und über schnelle Konter sollten wir gewinnen. Mal sehen, auf welcher Seite diesmal die Tränen kullern und was der Tränendrüsendrücker-Auslöser sein wird. nApropos Ergebnistipps und tiefe Blicke in die ominöse Glaskugel. Vor den Fußball-Europameisterschaftspartien sprach der Kreis-Anzeiger bekanntlich mit heimischen Zeitgenossen, die einen (familiären) Bezug zu den Kontrahenten der deutschen Elf haben. Georg Wegner, der einst als Erster Stadtrat in Nidda wirkte, steht in regem Austausch mit seiner Tochter Anette, die mit ihrer Familie im südfranzösischen Toulouse lebt. Der 80-jährige sportbegeisterte Georg Wegner hatte sich einen 2:1-Erfolg Deutschlands gewünscht. Na ja, das Hummels-Eigentor machte allen Optimisten, übrigens auch den KA-Redakteuren, einen dicken Strich durch die Rechnung. Wegner kann sich aber trösten, denn wenigstens Schwiegersohn Fabien durfte jubeln. Noch ist ja nicht aller Tage Abend, denn es könnte auf ein Finale Deutschland gegen Frankreich hinaus laufen...Als Portugiese hat der mit seiner Familie in Glauberg lebende Joao Rodrigues natürlich das Trikot seiner "Seleção Portuguesa de Futebol" die Daumen gedrückt. Der 39-jährige Physiotherapeut hoffte auf einen 2:1-Erfolg von Ronaldo und Co. - aber die Formation des Titelverteidigers kam mit 2:4 unter die Räder. Im Hause Rodrigues gibt's allerdings eine fußballerische Doppelbelastung, denn Joaos Ehefrau Laura Vecina ist Spanierin und positiver Fan-Stress ist vorprogrammiert. Dritter im Bunde der Ergebnistipper ist Janos Sarlai, seines Zeichens Spielertrainer des Büdinger B-Ligisten BV Rinderbügen. Der 42-jährige Ungar, der seit 2005 in Deutschland lebt und in Konradsdorf wohnt, hat einen 3:2-Sieg der Elf seines Heimatlands vorausgesehen. Knapp daneben. Ein (Fast-)Namensvetter hat für Ungarn das 1:0-Führungstor erzielt. Adam Szalai, der in der Bundesliga das Trikot des 1. FSV Mainz 05 trägt, heißt der Glückliche. Doch das wird Janos Sarlai nicht getröstet haben. Der kämpferische Auftritt seiner Ungarn aber schon...

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