Sportwoche unter Lupe: Dornröschenschlaf

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Vermisst wird das Zauberwort, das in tristen Corona-Zeiten jedem Amateursportler die Freudentränen in die Augen treibt und einen Motivationsschub sondergleichen auslöst; ob leistungsorientierter Breitensportler - das hat übrigens nichts mit Gewicht und dem hippen Body-Mass-Index zutun - ambitioniertem Kader-Athleten, oder dem klassischen Mannschaftsspieler, der sich nach Kameradschaft sehnt:

Wettkampfbetrieb ist das Maß aller Dinge. Und am besten im Meisterschaftsmodus. So ist es kein Wunder, wenn sich der als Express angepriesene Impfbetrieb an der Basis doch eher als Marathon im Schneckentempo entpuppt und die (zu) hohen bürokratischen Hürden keine schnellen Lösungen erlauben und den morgen beginnenden Mai nicht zum sportlichen Wonnemonat mutieren lassen. So ist die bemitleidenswerte Gilde der Organisationschefs in Wetterau und Vogelsberg auf Durchhalteparolen angewiesen. Wolfgang Wagner-Sachs und seine Getreuen vom Motorsportclub Rund um Schotten wollen den Schottenring Grand-Prix für klassische Motorrad-Renn-Boliden wieder zur größten Motorsportveranstaltung Hessens machen, doch ob im August wieder Fans hinter den über 5000 Strohballen rund um den Stadtkurs erlaubt sind, steht ebenso in den Sternen wie ein paar Kilometer südöstlich, wo in Gedern Eckhard Haas die Leistungsträger seines HWG-Rennstalls auf ihren Mountainbikes über Stock und Stein fliegen sehen will, wenn es bereits Anfang Juni wieder heißen soll: Bundesliga-Rennen. Mit Radsport-Gästen aus ganz Deutschland? Mit Fans live im Idyll? Abwarten und Maibowle trinken. Die Zeit drängt, denn die Spektakel am Fuße des Vulkans in Schotten und im anerkannten Luftkurort Gedern müssen mit einer gewissen Vorlaufzeit organisiert und straff durchgeplant werden. Die Uhr tickt. Doch ohne jubelnde Kulisse ist alles nicht wirtschaftlich und echter Murks. nHart getroffen hat es viele Vereine, die es anno 2021 richtig krachen lassen wollten, um ihre Jubiläen zu feiern. Stellvertretend hierfür sei die SG Bindsachsen genannt, die genau vor 100 Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Schon im Januar sollte rund um die neu gepflanzte SGB-Linde gefeiert werden. Kein zünftiges Schlachtfest im Februar. "Stattdessen hatten wir im März dann Haxen zur Abholung und mit Lieferservice anbieten können. Das wurde von der Bindsächser Bevölkerung richtig gut angenommen", so steht's in der Depesche namens "Was tut sich in eurem Verein?" geschrieben. "Wir haben unser Sportheim und die Pfosten um den Sportplatz neu gestrichen (...) maßgeblichen Anteil an dieser arbeitsintensiven Aktion hatte unser langjähriges Vorstandsmitglied Rolf Kehm", so Pressewart Stefan Leiß. Björn Kleer erstellt die Festschrift: "Wir gehen in Bindsachsen von Haus zu haus und bringen das druckfrische Heft unters Volk." Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass der Kommersabend im Oktober über die Bühne gehen kann.

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