Sportwoche unter der Lupe: Verzockt

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NIDDA - Mit Mannschaftskameraden gegen andere Vereine an der Konsole online Fußball zocken und so die Corona-bedingte Zwangspause etwas erträglicher gestalten - das war der Plan des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV), als er im Frühjahr des vergangenen Jahres den StayAtHome-Cup an der PlayStation ins Leben rief. Dass aus Spaß plötzlich Ernst wird und Schummel-Vorwürfe für mediales Aufsehen sorgen, stand allerdings nicht im HFV-Konzept.

Auch nicht, dass das für Sonntag angesetzte Finale nun vor laufenden Kameras stattfinden muss.

Stein des Anstoßes war das Halbfinalspiel zwischen den Sportfreunden/JFV Oberau und dem FV Viktoria Neuenhaßlau. Während der dritten und alles entscheidenden Partie äußerten neutrale Zuschauer Betrugsvorwürfe, weshalb der Moderator des Live-Streams einen Spielstopp veranlasste. Neuenhaßlau habe angeblich einen Spieler mehrfach an den Controller gelassen, obwohl laut Regelwerk für jedes Match ein anderer Akteur vorgesehen ist. Der typische Spielstil eines Viktorianers und andere technische Dinge seien Auslöser der im Nachgang nicht zu beweisenden Anschuldigungen gewesen. So steht Aussage gegen Aussage. Und deshalb gilt (wie im echten Leben): Im Zweifel für den Angeklagten. Dennoch verzichtet Neuenhaßlau bei der zweiten Auflage des StayAtHome-Cups auf die Endspielteilnahme und ebnet so den Oberauern den Weg für eine erfolgreiche Titelverteidigung. Das Finale in den "heimischen Spielzimmern" steigt laut HFV-Anweisung übrigens vor laufenden Kameras, damit garantiert alles mit rechten Dingen zugeht.

Aber was passiert, wenn es zukünftig wieder Krach an der Konsole geben sollte? Wird dann das virtuelle Sportgericht auf den Plan gerufen? Welche Strafen werden verhängt? Ein Vorschlag: Man könnte Sünder im nächsten Match mit einem deutlich schwächeren Team spielen lassen. Etwa so, wie es Schalke in der Fußball-Bundesliga an jedem Wochenende ergeht.

Obwohl der Ball ruht, ist Verbandsfußballwart Jürgen Radeck auf eine ganz spezielle Weise sportlich unterwegs. Der Ortenberger betreibt dieser Tage intensives Gehirnjogging, wie er im Interviewtermin mit dem Kreis-Anzeiger eindrucksvoll unter Beweis stellt. Der 63-Jährige hat (fast) alle ausstehenden Vorrundenspieltage in Hessens Spielklassen parat. Und er weiß genau, wann in welcher Liga wieder mit dem Spielbetrieb begonnen werden müsste, um bis Ende Juni zumindest eine Einfachrunde durchziehen zu können. Man könnte fast denken, dass Radeck nur noch Zeitleisten, gefüllt mit Zahlen und Daten, in seinem Kopf hat.

Jetzt müssen nur noch die Corona-Infektionszahlen mitspielen, damit aus den ganzen Rechenspielchen keine Nullnummer wird.

Die heimischen Klubs sind schon seit drei Monaten in der Warteschleife. Umso erfreuter war Büdingens Kreisfußballwart Jörg Hinterseher, dass am Mittwoch in der Spitze 53 Vereinsvertreter am Onlineseminar "Trotz Corona durch die kalte Jahreszeit" teilnahmen. "Es ist wichtig, dass die Leute am Ball und in Kontakt bleiben. Deshalb plant der Kreisfußballausschuss für Februar eine Videokonferenz mit den Klubs", verrät Hinterseher. Vielleicht kann er dann schon etwas zu einem möglichen Termin für den Re-Start im Büdinger Fußballkreis sagen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

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