Sportwoche unter der Lupe: Super League ohne Steinberg

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Der Spuk rund um die Super League sorgte Anfang der Woche für Schlagzeilen. Die Fußballwelt spielte verrückt, weil zwölf europäische Topclubs ihre eigene Liga gründen und unendlich viel Geld scheffeln wollten. Aus der European Super League wurde allerdings ganz schnell die European Shitstorm League - wie es der "kicker" am Mittwoch formulierte. Ob vor Stadien oder in den sozialen Medien:

Überall sahen sich die Initiatoren massiven Fanprotesten ausgesetzt. Auch in einer Kreis-Anzeiger-Umfrage ließen Experten der heimischen Fußballszene kein gutes Haar an den Plänen, die nur 48 Stunden nach Bekanntgabe wieder begraben wurden. Die Fans siegten. Und die Macher ruderten zurück, weil sie erkennen mussten, dass sich die Bedingungen von US-Profiligen nicht so einfach auf die europäische Fußballkultur anwenden lassen.Einen weiteren Grund, warum die Super League eigentlich nur scheitern konnte, lieferte der Büdinger A-Ligist SG Steinberg/Glashütten. Hier der (ironische) Facebook-Beitrag im Wortlaut: "Nach einer mehrstündigen und hitzigen Debatte hat sich der Vorstand der SG Steinberg/Glashütten gegen die Teilnahme an der Super League entschieden. Heimspiele in New York oder Peking steigern zwar den Bekanntheitsgrad der SG jenseits Oberhessens, allerdings gibt es dort kein Ebbelwoi oder gar Hütchen. Die Getränke-Standards des Wettbewerbs entsprechen in keiner Weise den Vorgaben der SG." Wirklich schade! Ich hätte so gerne zugesehen, wenn Mittelfeldabräumer Philipp Franz Barcelonas Lionel Messi zeigt, wie in Oberhessen gekickt wird.nDie Super League ist (vorerst) gekippt, die Reform der Champions League - auch wegen des Super-League-Aufschreis - dagegen relativ geräuschlos über die Bühne gegangen. Und was macht der Hessische Fußball-Verband (HFV)? Er wirbt in seinen 32 Fußballkreisen ebenfalls für ein neues Format. Und zwar für Gehfußball. Manfred Bohl, Altherren-Betreuer im Kreis Büdingen, erhielt dementsprechend eine Dokumentation des HFV, in der sinngemäß steht: Fußball im Gehen ist eine echte Alternative für Menschen, die gerne Fußball spielen und sich mit Ball bewegen wollen, denen der reguläre Fußball aber mit zu viel Schnelligkeit, Körpereinsatz und zu hoher Belastungsintensität verbunden ist. Da die Sportart bewusst als Angebot für ältere Spieler und Spielerinnen entwickelt wurde, zielen die meisten Regelanpassungen darauf ab, Verletzungen und körperliche Überforderung zu vermeiden.Aber warum wirbt der Verband ausgerechnet in der Coronazeit für diese neue Spielform? Vielleicht will er Gehfußball auch den jüngeren Amateurkickern als Re-Start-Option nach der Pandemie schmackhaft machen. So könnten die "auf Null" zurückgefahrenen Fußballer nach ihrer extrem langen Trainings-Zwangspause immerhin Muskelverletzungen und Kreislaufzusammenbrüche vermeiden. nApropos Training: Die verabschiedete Bundesnotbremse sieht wieder Änderungen für Übungen mit Jugendlichen unter freiem Himmel vor. Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz an drei Tagen über 100, dürfen Kinder unter 14 Jahren lediglich kontaktfrei in Fünfergruppen trainieren. Allen Menschen ab 14 ist dann kontaktloser Sport im Freien nur alleine, zu zweit oder mit Angehörigen des eigenen Haushalts erlaubt. Kindern bis einschließlich 14 Jahren war bislang unabhängig vom Inzidenzwert der Sport in Gruppen in unbestimmter Personenzahl mit bis zu zwei Trainern erlaubt. Lockerungen treten übrigens wieder in Kraft, sobald der Wert an fünf Tagen in Folge die Schwelle von 100 unterschreitet. Mal ganz davon abgesehen, dass verschärfte Regelungen für Sport unter freiem Himmel mehr als diskutabel sind: Die Arbeit für Jugendtrainer wird dank der Bundesnotbremse keinesfalls einfacher. Wer in diesen turbulenten Tagen wenigstens wochenweise planen will, sollte einen guten Draht zum Gesundheitsamt haben. Die neuesten Inzidenzzahlen scheinen aktuell wichtiger als ein durchdachtes Trainingskonzept.

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