Sportwoche unter der Lupe: Strafe auf Bewährung

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Seit Donnerstag gibt es kein Zurück mehr: Die Zehn-Minuten-Zeitstrafe feiert ihr Comeback auf den hessischen Fußballplätzen - und sorgt für reichlich Gesprächsstoff. Verbandsfußballwart Jürgen Radeck findet die Regeländerung gut: "Die Zeitstrafe ist eine Art Präventionsmaßnahme, um bei vielen Hitzköpfen ein bisschen die Luft herauszunehmen. Der Trainer kann seinen Spieler während der zehn Minuten wieder in die Spur bringen oder zur Not nach der abgelaufenen Strafe einen neuen Akteur aufs Spielfeld schicken."

Deshalb startet der Hessische Fußball-Verband dieses Pilotprojekt, dem sich in Zukunft eventuell andere Landesverbände anschließen könnten.Und so läuft's: Ein Spieler erhält beim ersten Vergehen eine Gelbe Karte, beim zweiten Mal eine Zeitstrafe. Leistet er sich ein drittes gelbwürdiges Vergehen, sieht er die Rote Karte. Gelb-Rot gibt es nicht mehr. Bei groben Vergehen kann natürlich weiterhin sofort "Rot" gezeigt werden. Dies gilt für Punktspiele ab der Männer-Kreisoberliga abwärts sowie für den Kreispokal. Und das bringt beispielsweise den Ex-Profi Patrick Falk auf die Palme. Der Trainer der Spvgg. Langenselbold und frühere Coach des FC Germania Ortenberg glaubt, "dass die Zehn-Minuten-Strafe vielleicht im Fußballkreis Büdingen funktioniert, weil es dort noch viele feine Jungs gibt". Aber nicht mehr in anderen Kreisen, wo es in den vergangenen Jahren zahlreiche hitzige Derbys mit massig Platzverweisen gab. "Die Spieler sind nicht mehr so gestrickt wie vor 30 Jahren. Viele denken jetzt, dass sie quasi einen Freitritt für ein weiteres Foulspiel haben, weil sie nur eine Zeitstrafe statt Gelb-Rot kassieren", orakelt Falk. Ebenfalls nicht von der Hand zu weisen: Auf die Schiedsrichter kommt viel Schreibarbeit zu, sollten sie in einem Spiel mehrere Zeitstrafen hintereinander aussprechen. Und zehn Minuten später müssen die Unparteiischen dann den Überblick bewahren, damit sie nach und nach die richtigen Spieler zurück auf den Platz holen.Ob das alles funktionieren kann? Das werden wir bereits in den aktuell angesetzten Pokalspielen sehen. Wenn nicht? Dann sieht das für die nächsten beiden Jahre vorgesehene Pilotprojekt vielleicht schon am Ende der kommenden Runde Gelb-Rot und verschwindet wieder von den Sportplätzen. nDer Hessische Fußball-Verband (HFV) erntete auch von den heimischen Gruppenligisten Kritik. Der Grund: Obwohl während einer Videokonferenz der Ost-Staffel zehn Clubs für eine Ligenteilung nach geografischen Gesichtspunkten stimmten und drei für eine Einfachrunde mit anschließender Auf- und Abstiegsrunde waren, wählte der HFV das klassische Modell, für das lediglich sieben Vereine votierten. Peter Kuhl, Spielausschusschef der Sportfreunde Oberau, fragte deshalb: "Warum stimmen wir dann überhaupt ab?" Fakt ist: Auf die 20 Mannschaften warten nun 38 Spieltage mit mehreren Partien unter der Woche. Ein Mammutprogramm - selbst wenn die Runde ohne Corona-Unterbrechung oder kurzfristige Spielabsagen über die Bühne gehen sollte. Hätte der HFV eine der beiden anderen - risikoärmeren - Varianten gewählt, wären es minimum acht Spieltage weniger gewesen. "Scheinbar rechnen alle damit, dass Corona vorbei ist. Der Herbst kommt schneller als man denkt. Dann will ich mal sehen, was los ist. Wir werden einfach nicht schlau aus den letzten beiden Jahren", legt Kuhl deshalb nach. Bitter für die Vereine: Sollte es im Laufe der Runde zu Terminengpässen oder gar einem Saisonabbruch kommen, hätte zwar der Verbandsspielausschuss des HFV die Suppe versalzen - auslöffeln müssten sie jedoch Klassenleiter Gerhard Pfeifer, Spieler und Vorstände der Clubs.

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