Sportwoche unter der Lupe: Scharf auf 180

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Wenn heute Abend im altehrwürdigen Palast der nebligen Insel-Metropole die Lichter angehen, alle Knöpfe der Verstärker auf volle Pulle gedreht werden und ohrenbetäubend "Live ist Life"als Pop-Schmonzette der österreichischen Band Opus aus den Lautsprechern tönt, ja dann nimmt ein 23-jähriger Jüngling aus der heimischen Region mit breitem Grinsen und drei Pfeilen in der Hand einen großen Anlauf zur Bühne und huldigt seinen Fans.

.. seinen imaginären Fans besser gesagt. Denn im sonst vom Bierdunst geschwängerten Londoner Alexandra Palace ist schlicht und ergreifend keine in seltsame Kostümen angetretene grölende Gemeinde, die ihre Lieblinge anfeuert: Zu seinem Erstrunden-Match der Darts-Weltmeisterschaft tritt der Nidderau-Ostheimer Nico Kurz nämlich ab 19 Uhr gegen einen 30 Jahre älteren Lokalmatador namens Andy Hamilton an. Kurz möchte seinen Coup aus dem Vorjahr wiederholen, als er bei seinem WM-Debüt furios aufspielte und in die dritte Runde einzog. Dazu muss er aber gleich zum Auftakt der Abendsession "The Hammer" aus dem Weg räumen. Der Brite nimmt zum 13. Mal teil, 2012 schaffte er es sogar ins Finale. Doch Kurz hat schon bewiesen, dass er sich im Ally Pally wohlfühlt und zu Großtaten imstande ist. An Coolness und Selbstbewusstsein jedenfalls mangelt es dem 1997 in Hanau geborenen Darts-Spieler, seit 2016 im Profiverband PDC aktiv, keineswegs. Der Industriemechaniker in Diensten der Hanauer Stadtwerke könnte nach dem ersehnten Coup gegen Hamilton schon in Runde zwei das deutsche Duell mit Gabriel Clemens winken, der übrigens als an Nummer 31 Gesetzter ein Freilos hat. So oder so: Kurz als Nummer 133 der PDC-Weltrangliste hat eh noch nie den Anschein erweckt, sich durch allzu viele Gedankenspiele aus der Konzentration reißen zu lassen. Wozu der Rechtshänder aus seiner nahe an Limeshain und Altenstadt gelegenen Heimat gegen die Superstars der Szene selbst zu leisten imstande ist, hatte er in der Vergangenheit mehrfach unter Beweis gestellt. Schon vor seiner ersten Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr war Kurz unter anderem bei den German Darts Masters ein Triumph gegen Superstar Gary Anderson gelungen, bot beim Viertelfinal-Aus auch Peter Wright, der momentan die WM-Krone auf seinem bunt bemalten Irokesen-Schnitt-Haupt trägt, lange Paroli. "Mit deutschen Fans wäre es sicherlich aus meiner Sicht noch mal etwas schöner, aber ich bin froh, dass die WM in diesem verrückten Jahr stattfinden kann", diktierte der Blondschopf, dem nach wie vor noch immer der in der Darts-Szene obligatorische Spitzname fehlt, dem ehemaligen Kreis-Anzeiger-Mitarbeiter Christian Paschwitz in den Sport1-Notizblock. Es soll aber eine (Fan-)Empfehlung geben, die da heißt "The Mechanic".

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