Sportwoche unter der Lupe: Richtige Zeit, richtiger Ort

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Lange hat's nicht gedauert, denn echt kurz entschlossen hat er das (lang-)ersehnte Angebot angenommen, obwohl er etwas traurig sei, dass der Einstieg mitten in der Saison erfolgt sei. Etwas langsamer hätte es nach eigenem Bekunden schon dauern können mit der Beförderung - so drei vier Jahre lang. Doch der Lange mit Vornamen Harry ist nun mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen.

Und natürlich mit der nötigen Vorbildung hinter der Bande ausgestattet. Trotzdem ist die Premiere des neuen Cheftrainers des EC Bad Nauheim gründlich in die Hose gegangen: Die Tölzer Buam schickten die Roten Teufel nämlich mit einer 3:4-Niederlage im Gepäck zurück in die Wetterau. Das war wahrlich keine große Überraschung, denn die Bajuwaren sind schließlich ambitionierte Tabellenzweite und die Kurstädter die zurzeit etwas desillusionierten Viertletzten. "Wir sind gut gestartet, waren dann allerdings in den letzten zehn Minuten des ersten Drittels etwas zu passiv. Im zweiten Abschnitt haben wir blöde Strafen genommen, aber wie die Mannschaft dann nach dem 0:3 wieder zurückgekommen ist, war sehr gut", hatte Harry Lange in seiner allerersten Spielanalyse als Chef auf der Bank trotz der knappen Niederlage auch Grund zur Freude. Freuen konnte er sich zudem über den Kanadier Kelsey Tessier, der zuletzt trotz guter Möglichkeiten immer wieder Ladehemmung vor dem gegnerischen Tor hatte, aber diesmal zwei der drei Bad Nauheimer Treffer beisteuerte. Das dritte Tor ging auf das Konto von Kontingentspieler James Arniel nach einer feinen Einzelleistung. Im Schlussdrittel keimte sogar noch einmal Hoffnung bei Lange auf, nachdem James Arniel der Anschlusstreffer zum 2:3 gelungen war und der EC zudem zwei Minuten vor dem Ende durch eine Zeitstrafe für den Tölzer Kenney Morrison sogar in Überzahl agieren konnte. Einen Befreiungsschlag der Gastgeber nutzte dann Max French, der am schnellsten reagierte, mit einem Schuss ins verwaiste Bad Nauheimer Tor. Der Treffer von Kelsey Tessier zum 3:4-Endstand kam 25 Sekunden vor der Schlusssirene einfach zu spät. "Auf diesem Spiel können wir aufbauen", sagte Harry Lange im Stile eines (Trainer-)Routiniers nach dem Duell in Bad Tölz mit Blick auf die nächste Partie, die bereits am heutigen Samstag um 19.30 Uhr stattfindet. Dann kreuzt der ESV Kaufbeuren im Colonel-Knight-Stadion auf. Dass der 37-Jährige seine Heimpremiere unbedingt gewinnen will, steht außer Frage. Doch summa summarum ist der Neue eine Art Harry im Glück, denn es gibt keine Absteiger aus der zweiten deutschen Eishockey-Etage und die Lizenzbeantragung für das Oberhaus wurde nicht in Betracht gezogen. Die DEL 2 sollte deshalb bis zum Saisonende eine Spielwiese für Lange sein. Erfahrung sammeln, (noch) mehr Respekt verschaffen und Emotionen schüren, denn Lange bringt es auf den Punkt: "Bad Nauheim ist kein Großstadt-Club, hier wird eher Emotionalität sehr groß geschrieben... Diese Einstellung erwarte ich aber auch von jedem Spieler. Wer dazu nicht bereit ist, wird notfalls auf der Bank Platz nehmen dürfen." So isses, zumal die Roten Teufel bis zum Saison-Halali mehr Meisterschaftsspiele als Trainingszeiten abspulen müssen. nDieser Text sollte eigentlich ohne den Terminus Corona auskommen, doch wenn Stefan Reuß, seines Zeichens Präsident des Hessischen Fußball-Verbands und Landrat des Werra-Meißner-Kreises in die Schlagzeilen gerät, weil er sich schon am 27. Dezember 2020 eine Covid-19-Impfung verabreichen ließ, obwohl er noch gar nicht dran war, wie die Hessisch Niedersächsische Allgemeine (HNA) berichtete, dann ist dies unvermeidbar. Reuß und dessen Landrats-Stellvertreter Rainer Wallmann sollen im Seniorenheim Birkenhof in Hermannrode eine der begehrten Spritzen erhalten haben. Die Impfärzte hätten mehrfach dazu aufgefordert, die übrigen Dosen der Spitze des Covid-Krisenstabs zu Gute kommen zu lassen, so die HNA. Reuß und Wallmann hätten betont, dass sie nicht zur Impfung vorgesehen waren und auch nicht geimpft werden wollten. Sie hätten von den Ärzten überredet werden müssen, übrig gebliebene Dosen anzunehmen, die sonst hätten vernichtet werden müssen, weil das enge Zeitfenster der Haltbarkeit ablief. Eine zweite Immunisierung nach 21 Tagen hätten Reuß und Wallmann nach eigenen Angaben nicht bekommen - eben um sich nicht vorzudrängeln. Am vergangenen Dienstag hätten sich Stefan Reuß und Rainer Wallmann in einer persönlichen Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt und sich entschuldigt. Die Gretchenfrage: Doch was tun? Übrig gebliebene Impfdosen entsorgen, oder ohne Priorisierung verabreichen?

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