Sportwoche unter der Lupe: Puck und Bällchen

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Nomen est Omen: Wer nennt schon einen Straßennamen sein Eigen und kann vor lauter Prominenz und hohem Bekanntheitsgrad gar auf die Hausnummer verzichten? Namen sind keineswegs Schall und Rauch, denn die Rhein-Main-Patriots Assenheim haben sich bundesweit einen solchen gemacht und als Inline- und Skaterhockey-Enthusiasten das Wetterau-Idyll sogar auf sportlicher Europa-Ebene prominent hervorgehoben.

Auf gut Deutsch ist ein Patriot ganz einfach eine Person, die im besten Sinne ihr Vaterland liebt. Hört sich hochtrabend politisch an, ist aber bei Sportlern natürlich mit den Attributen heimatverbunden, regional präsent und dem Gefühl der mannschaftlichen Zusammengehörigkeit verbunden. Die Adresse der Assenheimer lautet somit "Rhein-Main-Patriots-Halle, 61194 Niddatal". Und genau dort ist die Arena der Torhungrigen, die irgendwie genauso aussehen wie Eishockey-Cracks, aber unter den Schuhen keine Kufen, sondern Rollen haben. In puncto Flexibilität und Zukunftsplanung sind die schnellen Flitzer im tristen Corona-Pandemie-Stillstand echt spitze: "Die Rhein-Main Patriots haben sich dazu entschieden zweigleisig zu fahren und neben der 2. Skaterhockey-Bundesliga auch ein Team in der neu formierten Inlinehockey-Bundesliga zu melden", meldet Pressewartin Elisa Thomas. Hier zwischendurch der Schlaumeier-Einwurf: Inline-Skaterhockey ist in Deutschland übrigens verbreiteter als Inlinehockey, da Letzteres aufgrund des Pucks in den meisten Turnhallen nicht ausgeübt werden darf. Das heißt, Inline-Skaterhockey wird mit einem Bällchen gespielt. Und unterm Assenheimer Hallendach sind natürlich beide Arten erlaubt.Nachdem die Rhein-Main Patriots im Jahr 2009 dem Inlinehockey den Rücken kehrten und von da an im Skaterhockey auf Bundesebene aktiv waren, wollen sie ab der kommenden Saison zurück zu ihren Wurzeln und wieder in der Inlinehockey-Bundesliga mitmischen. Diese soll parallel zur Skaterhockey-Saison laufen. Der Kader der Patriots bietet eine ausreichende Größe hierfür und auch Terminprobleme wird es dabei nicht geben, da der Inlinehockeyverband (IHD) sowie der Skaterhockeyverband (ISHD) Schwesterverbände unter dem Dach des Deutschen Rollsport und Inlineverbands (DRIV) sind und Hand in Hand arbeiten wollen. "Grund für die Entscheidung des Vorstandes des Niddataler Vereins ist die Runderneuerung der IHD. Inlinehockey auf Bundesebene war in den letzten Jahren eingeschlafen, die Strukturen waren unkoordiniert und fragwürdig, weshalb wir uns 2009 für den Wechsel zum Skaterhockey entschieden haben. Die ISHD dagegen hat uns eine professionelle Struktur geboten", gibt der Sportliche Leiter der Patriots, Patric Pfannmüller, zu Protokoll: "Aber international ist Inlinehockey weit mehr etabliert, wird weltweit gespielt und birgt mehr Potenzial." Durch die neue Orientierung der IHD unter neuer Führung sehe man als Verein hier eine große Chance. Die Assenheimer sind bis heute - trotz der langen Pause - der Rekordmeister und -pokalsieger im Inlinehockey und wollen von nun an wieder an die großen Erfolge anknüpfen. Dennoch liegt der Fokus weiterhin im Skaterhockey darauf, den Wiederaufstieg aus der 2. in die 1. Bundesliga zu schaffen und dort eine feste Größe zu werden. Die Zweigleisigkeit wird dennoch kein Alleinstellungsmerkmal der Assenheimer sein. Bisher haben die Miners Oberhausen bestätigt, ebenfalls Teams fürs Inline- und Skaterhockey zu melden, weitere namhafte Vereine könnten folgen. Die Inlinehockey-Bundesliga wird im Modus von Dreierspieltagen ausgetragen, dabei werden an einem Wochenende drei Teams an einer Spielstätte zusammenkommen und in jeweils zwei Spielen antreten. Effektivität ist eben Trumpf und den Fans wird ein attraktives Programm in der Spielstätte mit der Adresse "Rhein-Main-Patriots-Halle" geboten.nAm Osterwochenende ist es mehr als müßig, weiterhin über die als allerorten alternativlos eingestufte Entscheidung des Abbruchs der Amateurfußball-Saison zu philosophieren. Bei durchaus aufbauendem Witterungsbedingungen hilft ein Blick hinaus in den sonnigen Lenz mit der Hoffnung auf baldige Kicker-Pokalduelle und Turniere im (Früh-)Sommer und eine pünktlich im August beginnende neue Meisterschaftsrunde. Derzeit zieht allerdings die Karawane der Topclubs der Region weiter. Unaufhörlich. Kaum gebremst, aber natürlich behindert und gestört durch Corona. Heute treten die Gießen 46ers auf ihrem steil abwärts führenden Weg in Richtung Abstieg aus der Basketball-Bundesliga gegen den Favoriten FC Bayern an. Zuvor gastiert Fußball-Regionalligist der FC Gießen in Großaspach und Kickers Offenbach erwartet die Ulmer Spatzen. Die Bad Nauheimer Eishockey-Cracks müssen wiederum heute zum Hessenderby nach Frankfurt, ehe sie am Montag Freiburg empfangen. Morgen empfängt die zuletzt schwächelnde HSG Wetzlar den haushohen Handball-Bundesliga-Favoriten von den Rhein-Neckar Löwen. Ostern als Sportevent. Genauer gesagt: Ostern wird zum Geisterspiel-Event. Ob diese Form des "Weiter-immer-weiter" in Zeiten steigender Inzidenzzahlen tatsächlich Sinn macht, darüber dürfen sich in ein paar Jahren Sportpsychologen und Gesellschaftstheoretiker Gedanken machen. Teils bleibt es völlig unklar, ob irgendwelche Auf- und Abstiegsregelungen überhaupt Bestand haben werden, so möchte ich meinen Gießener Redakteurskollegen "(zk)" zitieren. Fast schon skurril ist die Lage im Eishockey-Unterhaus. Da ein Aufstieg ausgeschlossen ist, dürften die Bad Nauheimer insgeheim wohl gar nicht sonderlich böse sein, die Playoff-Runde zu verpassen. Schließlich bringt das weder sportlichen Mehrwert noch irgendwelche Zuschauereinnahmen. Ganz böse gesagt: Jedes Spiel weniger spart Geld. Aber in Bad Nauheim geht's schließlich auch um die Ehre. Und echte Sportsmänner wie die Roten Teufel würden ein Playoff-Ticket sicher gerne annehmen. Aber alle Spekulationen sind in diesen Corona-Zeiten wie Gedanken aus einer anderen Welt - die Sport-Karawane zieht indes weiter...

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