Sportwoche unter der Lupe: Noch einen Koffer in Berlin

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Wenn man irgendwo ein Haus hat, ist man dort auch zwangsläufig zu Hause? Gut, ein Eintrag im Grundbuch ist okay, wenn er nicht belastet ist, aber werden dadurch heimatliche Gefühle geweckt? So kleine atmosphärische Störungen gibt's aber schon in der (noch) alten Heimat, wenn die neue (und vorher alte) Heimat lockt. Die Diven Marlene Dietrich und Hildegard Knef hauchten einst sehnsuchtsvoll "Ich hab' noch einen Koffer in Berlin" ins Mikrofon, aber wenn die alte Tante Hertha aus der Hauptstadt ruft, dann ist das mit der guten Laune in der Chefetage des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt so eine Sache:

Sportvorstand Fredi Bobic hat nämlich dreierlei in der Metropole an der Spree in petto: Ein Haus in Nähe des Olympiastadions, einen Koffer und einen guten Ruf. Der frühere Hertha-Profi, der seit Juni 2016 im Vorstand von Eintracht Frankfurt sitzt, soll womöglich den Posten von Michael Preetz übernehmen. Mal sehen, wie der 49-Jährige sich entscheidet... Und dann ging's auch noch rund in Sachen Neuverpflichtung und den Wechsel von Ali Akman vom türkischen Klub Bursaspor zur Frankfurter Eintracht, den die Eintracht für den Sommer bekannt gegeben hat. Der 18 Jahre alte Stürmer hat einen Vertrag bis 2025 unterschrieben und kommt ablösefrei. Der türkische Zweitligist hat empört auf den Wechsel reagiert. Akman wurde von seinem Verein auf unbestimmte Dauer suspendiert. Die Begründung: Sein Transfer sei "unethisch" abgelaufen. Hintergrund des Ärgers ist, dass keine Ablöse bezahlt werden muss und die Fans in Bursa darum auf die Barrikaden gehen. Bursaspor ist in der Türkei für seine gute Jugendarbeit bekannt, Akman hätte eigentlich eine zweistellige Millionen-Ablöse bringen sollen. Doch die Eintracht hat wohl geschickt einen Passus im auslaufenden Vertrag genutzt. Sportvorstand Fredi Bobic hat Akman als eines der "größten Talente der Türkei" bezeichnet. Zur neusten Entwicklung, die für den türkischen Juniorennationalspieler eine fast halbjährige Spielpause und einen Spießrutenlauf in seiner Heimat bedeuten könnte, wollte die Eintracht keine Stellungnahme abgeben. Basta.Bleibt die Frage, was die Eintracht bei diesem Dilemma tun kann. Dass die Hessen mit Akman nicht unbedingt im Sommer planen, ist möglich. Der Sprung von Bursaspor, vom Niveau her zu vergleichen mit dem unteren Teil der 2. Bundesliga, zu den Frankfurtern scheint enorm groß. Eine Leihe ist durchaus denkbar. Doch auch dann würde dem 18-Jährigen zuvor ein halbes Jahr Spielpraxis fehlen.

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