Sportwoche unter der Lupe: Männer mit Frauen

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NIDDA - Den Kickern kribbelt's in den Fußspitzen. Dank eines positiven Pandemieverlaufs kommt es auf den Sportplätzen zu einem etwas verspäteten Frühlingserwachen. Seit Freitag dürfen die Teams im Wetteraukreis wieder Fußballtraining in voller Mannschaftsstärke ausüben. Eine niedrige Inzidenz - und die damit verbundene Stufe 2 der Bundesnotbremse - macht's möglich.

Büdingens Kreisfußballwart Jörg Hinterseher freut's, er mahnt aber zugleich: "Bevor die Vereine loslegen, sollten sie mit den kommunalen Ordnungsämtern in Kontakt treten. Nicht, dass irgendein ein Sportgelände durch einen dummen Zufall noch gesperrt ist." Zudem erinnert Hinterseher an die Hygieneauflagen. Der Hessische Fußball-Verband tausche sich gerade mit dem Innenministerium aus, um eine Art Anleitung für die Vereine erstellen zu können. "Bis dahin sprechen wir die Empfehlung aus, dass Kabinen und Sportheime weiter geschlossen bleiben sollen", sagt Hinterseher.

Geht es nach Günter Distelrath, könnten bald Männer und Frauen gemeinsam auf dem Fußballplatz stehen. Das Vorbild Niederlande, das kürzlich im Amateurfußball gemischte Teams, bestehend aus Frauen und Männern, erlaubt hat, findet Distelrath jedenfalls gut. So fordert der für Antidiskriminierung zuständige DFB-Vizepräsident "so schnell wie möglich" Frauen "in allen Amateurklassen unterhalb der Regionalliga" mitspielen zu lassen. "Die strikte Trennung zwischen Frauen und Männern ist mit Blick auf die Geschlechtergerechtigkeit auch im Amateurfußball nicht mehr zeitgemäß", wurde der Präsident des Niedersächsischen Fußballverbands (NFV) am Dienstag in einer Mitteilung seines NFV zitiert.

Büdingens Kreisfußballwart Jörg Hinterseher ist "generell offen für neue Dinge". Vor einigen Jahren habe eine Frau den Antrag gestellt, bei den "Alten Herren" des 1. FC Rommelhausen mitspielen zu dürfen. "Das war ein bisschen exotisch. Wir leiteten damals aber alles in die Wege." Hinterseher weiß allerdings nicht, "ob das in regulären Punktspielen mit dem körperlichen Unterschied zwischen Mann und Frau funktioniert. Aber das müssen die Damen entscheiden." Und natürlich die Vereine, die unter anderem für getrennte Duschmöglichkeiten sorgen müssten.

Wer will, wird weitere Argumente für und gegen diese Idee finden. Es besteht sogar die Gefahr, dass einige Frauenteams ihre besten Spielerinnen verlieren könnten oder sich nach einer Abwanderungswelle hin zur "Männerwelt" vom Spielbetrieb zurückziehen müssten. Auf der anderen Seite könnte der Fußballplatz nach einer langen Zeit der (Corona-bedingten) sozialen Verkümmerung zur neuen Kontaktbörse für Alleinstehende werden. "Der Glückskick: Fußball spielen und einen neuen Partner finden" - so könnte der Deutsche Fußball-Bund für dieses Projekt werben.

Nicht, dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, jetzt auf falsche Gedanken kommen. Ich bin glücklich verheiratet. Natürlich mit einer Fußballerin. Die ihre Schuhe, und da sind wir uns als Ehe-Team einig, weiterhin für eine Frauenmannschaft schnüren wird. Sonst stünde vielleicht unser privates Glück auf dem Spiel.

Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt schließt heute die Runde als Tabellenfünfter ab. Genau diesen Saisonausgang prophezeite Klaus Weitzel, Vorsitzender des Eintracht Fanclubs Altenstadt, bereits Anfang April. Zu diesem Zeitpunkt belegte die Eintracht mit vier Punkten Vorsprung auf Borussia Dortmund Rang vier. Weshalb Weitzels hellseherische Fähigkeiten umso bemerkenswerter sind. Der Altenstädter sagte damals im Interview mit dem Kreis-Anzeiger: "Irgendwie glaube ich momentan noch nicht so richtig an die Champions League und halte Platz fünf für realistisch. Mich macht etwas stutzig, dass wir in keinem Spiel über die volle Distanz überzeugen können. Einmal trumpfen wir in der ersten Halbzeit auf, ein anderes Mal nach dem Seitenwechsel. Vielleicht bin ich aber auch zu pessimistisch." Weitzel war es nicht und hatte - zum Leidwesen aller Eintracht-Fans - recht. Frankfurt verspielte, auch aufgrund der Querelen rund um den Abgang von Trainer Adi Hütter, im Saisonendspurt die historische Chance auf die Champions-League-Teilnahme. Und Weitzels Prognose für die kommende Runde sieht ebenfalls nicht so rosig aus: "Das war eine einmalige Gelegenheit. So schnell werden wir nicht mehr in die Nähe von Platz vier kommen."

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