Sportwoche unter der Lupe: Kräfte bündeln

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Für personell auf dem Zahnfleisch gehende Vereine sind sie das allerletzte Mittel, das zarte Pflänzchen der Gattung Meisterschaftsspielbetrieb zu hegen und zu pflegen und schlicht und ergreifend am Leben zu halten und die Zukunft des Clubs zu sichern. Kräfte bündeln, das Gemeinschaftsgefühl stärken und die ominösen Synergie-Effekte heraufbeschwören - das sind die Zutaten und Einzelteile, aus denen eine waschechte Spielgemeinschaft zusammengesetzt, gestrickt, geformt und schließlich auf eine abenteuerliche Reise in eine rosigere Zukunft geschickt wird.

Die klassenhöchste Kombination im heimischen Beritt ist die HSG Gedern/Nidda. Die Handball-Spiel-Gemeinschaft ist eine echte Zweckehe, denn überwiegend aus dem Gederner Lager stammen die Aktiven, aber unterm Niddaer Hallendach gibt's das - den Maßen konform - bundesliga-taugliche Spielfeld. Zu den taufrischen Spielgemeinschaften zählt dagegen die SG Geiß-Nidda/Steinberg/Glashütten in der Fußball-Kreisliga A Büdingen. Wer hätte das gedacht, dass diese Konstellation zwischen 16 Kilometer entfernten Orten überhaupt Realität wird? nIn Sachen Spielgemeinschaften der besonderen Art hat Günter Wicke einen großen Erfahrungsschatz: Der Altenstädter ist nämlich Gründungsmitglied einer SG, deren Standorte sage und schreibe 40 (!) Kilometer voneinander entfernt liegen. "Im September 1951 gründeten 26 begeisterte Tischtennis-Fans im Saal Heutzenröder in der Hanauer Straße den TTC Altenstadt", so der 81-Jährige, der auch zum Altenstädter A-Klassen-Meisterteam der Saison 1961/62 mit seinen Teamkollegen Karl-Heinz Adam, Dieter Kossel und Walter Ludwig gehörte. Im letzten Match dieser Runde standen sich Primus Altenstadt und der Tabellenzweite SC Volkartshain gegenüber und "Volkartshains Mannschaftsführer Eberhard Pohl gratulierte unserem Teamkäpt'n Dieter Kossel zu unserem grandiosen Sieg", so Wicke. Nach dem Coup gab's natürlich zusammen mit den Gästen eine Meisterschaftsfeier, auf der der Grundstock zur SG Altenstadt/Volkartshain gelegt wurde. In den Satzungen des Hessischen Tischtennis-Verbands habe es keinerlei Hinweise auf Verbote von Gemeinschaften aus kreisfremden Gebieten gegeben, sodass es in 1965 sogar von der Bezirksklasse hinauf in die Bezirksliga Hanau ging. Nach der Runde 1966/67 "musste die SG nach fünf erfolgreichen Jahren aufgelöst werden. Die Gebrüder Hans-Jürgen und Manfred Pohl mussten studienbedingt in den süddeutschen Raum". Altenstadt wurde drei Klassen zurückgestuft in die Wetterauer A-Klasse. Trotz der "40 Kilometer entfernten Heimspiele hatten wir fünf Jahre lang eine tolle Kameradschaft", so Günter Wicke.

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