Sportwoche unter der Lupe: Historische Entscheidung

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Hessens Fußballer sind sich einig: Punktspielrunde und Corona - das passt auch im Frühjahr 2021 nicht zusammen. Dementsprechend klar war das Votum, das die 32 Kreisfußballwarte in den vergangenen Tagen während ihrer virtuellen Konferenzen mit den Vereinen oder schriftlichen Umfragen zusammentrugen. Im Kreis Büdingen sprachen sich am Dienstagabend 52 Clubs für einen Saisonabbruch ohne Auf- und Absteiger aus.

Nur ein Verein plädierte für einen Re-Start. Unter dem Strich bleibt festzuhalten: Selbst der größte Fußballromantiker hat mittlerweile erkannt, dass eine Fortsetzung der Runde aufgrund steigender Inzidenzwerte und eines immer kleiner werdenden Zeitfensters bis zum festgelegten Saisonschluss Ende Juni illusorisch erscheint. Deshalb wird der Hessische Fußball-Verband (HFV) heute die Saison annullieren - und somit dem eingeholten Meinungsbild Rechnung tragen. Alles andere käme einer kleinen Sensation gleich. Sollte der HFV der Meinungsmehrheit folgen, muss am Wochenende in den Fußballgeschichtsbüchern Platz für ein weiteres Kapitel geschaffen werden. Direkt hinter dem Saisonabbruch vom 20. Juni 2020 mit Wertung nach Quotientenregelung wird sich dann das historische Ereignis vom 27. März 2021 einreihen: die erstmalige Annullierung einer Saison ohne Auf- und Absteiger wegen Corona.nUnd wie geht es nach der zu erwartenden Saison-Annullierung weiter? Darüber werden sich der Verbandsvorstand und die 32 Kreisfußballwarte ebenfalls heute Gedanken machen. Es scheint vieles möglich, beispielsweise alternative Spielmodelle im Mai und Juni oder ein früherer Start in die Saison 2021/2022. Das Zauberwort heißt Flexibilität - das gilt für den Verband und die Vereine. Denn: Sobald es die Pandemie zulässt, sollten die Spieler schleunigst zurück auf die Plätze geholt werden. nFür weitere Probleme sorgte in den vergangenen Tagen der Trainingsbetrieb für Nachwuchsmannschaften. Viele Trainer und Betreuer fragten sich: Dürfen Jugendmannschaften trotz steigender Inzidenzwerte weiter ein gemeinsames Training abhalten? Bund und Länder hatten sich bei ihren Beratungen Anfang März eigentlich darauf geeinigt, in den Lockdown zurückzugehen, sobald die Inzidenz mehrere Tage infolge über 100 liegt. "Das ist aber kein Automatismus. Und wir vom Hessischen Fußball-Verband können diese Handbremse ohnehin nicht ziehen", sagte Frank Illing, Vorsitzender des Verbandsausschusses für Qualifizierung und Vereinsentwicklung, dem Kreis-Anzeiger bereits vor einer Woche und fuhr fort: "Erst wenn die Landesregierung neue Entscheidungen trifft, können wir unsere Vereine im Anschluss informieren." Das Ergebnis: Jugendtrainer standen zuletzt unter Dauerstress, warteten auf neue Beschlüsse und Anordnungen. Im Anschluss an den Corona-Gipfel anfang der Woche konnten sie den fragenden Eltern mittags noch keine verlässliche Antwort darauf geben, ob das abendliche Kindertraining stattfindet oder ausfällt. Schon deshalb gebührt den ehrenamtlichen Trainern und Betreuern an dieser Stelle der größtmögliche Respekt. Ich hoffe, dass alle weiter am Ball bleiben - Stand jetzt ist das Training für Jugendliche unter 15 Jahren immerhin noch erlaubt.

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