Sportwoche unter der Lupe: Elektrik-Trick

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"Es tut uns in der Seele weh" - das ist der Spruch der Woche, der allgemeingültig auf alle Corona-gebeutelten Sportarten projiziert werden kann, deren Betrieb mit schicksalhaften Folgen abrupt abgeschaltet und schlichtweg in einen unsäglichen Dornröschenschlaf mit ebenso unbekanntem wie erlösendem Aufwachdatum gezwungen wurde. "Es tut uns in der Seele weh" beschreibt treffend den Gefühlszustand der maßlos enttäuschten Funktionärs- und Aktivenschar, die trotz empathiegeladener Planungsphase viele bürokratische Hürden überwinden, um wieder jäh ausgebremst zu werden.

Ein Paradebeispiel für "Es tut uns in der Seele weh" ist die komplette Mannschaft des altehrwürdigen Motorsportclubs (MSC) Rund um Schotten, die in persona von Vorstandsmitglied Timo Neumann die Hiobsbotschaft überbrachte und den 17. Internationalen Bergpreis Schottenring zwangsläufig um zwölf Monate verschieben musste - und zwar auf den 22. bis 24. April 2022. Das schmerzte sogar doppelt, denn es war schließlich die zweite (Corona-)Absage in Folge. Als Schatzmeister der Rund um Schottener ist Timo Neumann Respekt zu zollen, denn seiner Auskunft nach haben die emsigen Vorbereitungen (inklusive eines ambitionierten Hygienekonzepts) keine finanziellen Nachteile für den Club. Selbstverständlich ins gleiche Horn stößt Wolfgang Wagner-Sachs, seines Zeichens seit einem Vierteljahrhundert MSC-Vorsitzender am Fuße des Vulkans, der sich seit ein paar Wochen in der Funktionärs-Champions-League bewegt und die Herausforderung mit dem Titel Präsident des Deutschen Motorsport-Bunds (DMSB) angenommen hat. Natürlich muss der 59-Jährige das Spektakel mit spektakulären Drifts durch die Serpentinen vom Startbereich in Rudingshain hinauf über die Poppenstruth ins hoch gelegene Ziel diesmal abhaken, richtet aber zukunftsorientiert den Blick nach vorne auf das Aushängeschild Schottenring Grand-Prix für historische Rennmotorräder. Das Großereignis soll am dritten August-Wochenende auf dem einzigartigen Kurs im Herzen der Stadt Schotten erneut zur größten Motorsport-Veranstaltung Hessens werden. Momentan müssten alle bürokratischen Hürden genommen werden, so Wagner-Sachs: "Erst wenn es um die Umsetzung von der Theorie in Praxis kommen soll, wird es ernst." Dann kämen finanzielle Belastungen auf die Organisatoren zu, denn wenn es die Pandemie-Lage zulasse, müsste im "Juno übrigens schon das Stroh für die rund 5000 Ballen bestellt werden", die den Kurs als Sicherheitsbarrieren säumen und traditionell mit den engagierten Kräften der Schottener Sozialen Dienste produziert würden. Mit Hilfe von Sponsoren müssten Tribünen, Übergänge und Absperrungen installierten werden. Übrigens seien schon Test- und Einstellfahrten der Piloten auf festen Rennstrecken wie dem Hockenheimring genehmigt. Am nahen 9. April drehen dort auch die waghalsigen Schottener Gespannbesatzungen an den Gasgriffen ihre BMW-Boliden. Wolfgang Wagner-Sachs kann mit in tristen Zeiten mit einer positiven Nachricht aufwarten, denn der MSC wolle mit der Ausrichtung eines Eco-Grand-Prix in einen neuen Reigen eingebunden werden, bei dem Piloten elektrobetriebener Fahrzeuge auf dem legendären alten Schottenring ihren Runden drehen könnten: "Das könnte schon im September/Oktober diesen Jahres möglich sein." Sogar als Variante rund um die Uhr. 24 Stunden lang könnte sich alles um Ladegeschwindigkeit, Verbrauch, Wetter, Reifen, Anzahl der Ladestopps, Fahrerwechsel spätestens alle vier Stunden drehen: Auf der Überholspur in die Zukunft.

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