Sportwoche unter der Lupe: Draußen muss drin sein

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Ehre, wem Ehre gebührt. Wer hätte denn gedacht, dass gerade ins Kreis-Anzeiger-Verbreitungsgebiet - also in die Wetterau und den Vogelsberg - vonseiten des Hessischen Fußball-Verbands ein dickes Sonderlob entsandt wird, natürlich gerne angenommen wird und irgendwie runtergeht wie Öl? Das hat natürlich wieder etwas zu tun mit den ebenso allgegenwärtigen wie vermaledeiten Inzidenzzahlen.

Und im ominösen Hessischen Stufenplan gibt es nun eine klare Perspektive für den Fußball: Der Vogelsbergkreis, der Wetteraukreis und der Hochtaunuskreis sind nicht mehr unter dem lähmenden Banner der Bundesnotbremse. In den sozialen Medien geht es schon mächtig rund - und die heimischen Sportvereine machen fleißig mit: Der Deutsche Fußball-Bund hat unter der Woche die Initiative ergriffen und den Startschuss für die Kampagne "Draußen muss drin sein" gegeben, um den Amateurfußball (und -sport) aus der Zwangslage zu befreien - samt Petition, die sich wie ein Lauffeuer verbreitete. Schon jetzt haben sich mehr als 36000 Unterstützer gefunden. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass an diesem Wochenende noch einige tausend hinzugekommen sind. Das Ziel: 100 000 in drei Wochen. Betrachtet man sich das Medienecho, ist das Erreichen dieser Marke jedoch nur eine Frage von wenigen Tagen. Da passt es ins Bild, dass die Hessische Landesregierung mit einem neuen Stufenplan - der ab dem 17. Mai in jenen Kreisen gilt, die mit einer Inzidenz von unter 100 nicht mehr unter die Bundesnotbremse fallen - die Hoffnung auf Mannschaftssport neu entfacht. "Diese Maßnahmen geben uns die Hoffnung, dass wir in vielen Landkreisen und Städten bald wieder auf dem Platz stehen und Fußball spielen dürfen. Der Plan zeigt, dass sich das Einhalten der Beschränkungen auszahlt und wir hoffentlich in naher Zukunft wieder alle gemeinsam auf dem grünen Rasen kicken dürfen, Darauf freuen sich die hessischen Vereine, die Spielerinnen und Spieler und wir uns als Verband sehr", erklärte HFV-Präsident Stefan Reuß. Der Deutsche Fußball-Bund und der Deutsche Olympische Sportbund haben die viel gepriesene Petition gestartet. Es geht um die schnellstmögliche Wiederzulassung des organisierten Sportbetriebs unter freiem Himmel. Seit mehr als einem halben Jahr steht der Amateursport in Deutschland nahezu still. Spiele und Wettkämpfe sind untersagt, der Trainingsbetrieb ist allenfalls unter sehr starken Einschränkungen, zum Teil gar nicht möglich. Allein im Fußball sind knapp 140000 Mannschaften seit Oktober 2020 weitgehend zur Bewegungslosigkeit verurteilt - obwohl alle bisherigen Erkenntnisse in der Pandemie aufzeigen, dass auf dem Spielfeld nur ein äußerst geringes Ansteckungsrisiko besteht. Obwohl seit Monaten immer mehr Experten aus Medizin und Wissenschaft, unter anderem aus Aerosolforschung, Epidemiologie und Sportwissenschaft, vor den gesundheitlichen und gesellschaftlichen Gefahren warnen, die mit dem aktuellen Verbot des organisierten Sporttreibens einhergehen. Obwohl vor allem für Kinder und Jugendliche negative Langzeitfolgen befürchtet werden. Obwohl die im vergangenen Jahr angewendeten Hygienekonzepte gerade im Fußball gut funktioniert haben. Die aktuelle DFB-Kampagne und die Petition sollen einen wichtigen Schritt markieren. Die Aktion wird von umfassenden Aktivitäten im Online- und Social-Media-Bereich begleitet. Beim DFB-Pokalfinale am Donnerstag im Berliner Olympiastadion wurde mit einem Riesenbanner auf der Gegentribüne für die Petition geworben. "Wir alle wissen um die aktuell schwierige Lage in den Führungsgremien beim DFB. Das Bild ist von Zerrissenheit geprägt. Das entbindet uns aber nicht davon, die Dinge anzupacken, die gerade jetzt von extremer Bedeutung für den Amateurfußball in unserem Land sind", sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch. nIn Nordhessen ist übrigens in diesen Tagen ein Ohrwurm aus dem Jahr 2016 wieder modern. Als die Kassel Huskies seinerzeit die Playoffs der Deutschen Eishockey Liga 2 (DEL2) beherrschten und sich zum Meister krönten, stimmten die Fans immer wieder diesen Song an: "Wir machen Löwen platt, wir reißen Türme ab, wir schmelzen Stahl und holen den Pokal." Statt der Löwen Frankfurt machten die Huskies im Viertelfinale die Heilbronner Falken platt, seit dem Halbfinale aber treffen sie auf die selben Gegner wie 2016. Die Türme der Ravensburg Towerstars sind gefallen, nun will Kassel einmal mehr den Stahl der Bietigheim Steelers schmelzen. Rein sportlich betrachtet ist die am Freitagabend begonnene Finalserie mit das beste, was den Playoffs der 2. Liga passieren konnte. Sowohl der ECK als auch Bietigheim haben sich für eine Lizenz in der DEL beworben. Wer in dieser Best-of-five-Serie zuerst drei Spiele und damit die Meisterschaft gewinnt, sichert sich das sportliche Aufstiegsrecht. Seit mehr als zehn Jahren war der Aufstieg zwischen DEL und DEL2 ausgesetzt. In der Zuschauerrolle sind derweil die Roten Teufel aus Bad Nauheim, basteln aber fleißig am neuen Kader: Nach Fabian Herrmann (Regensburg) und Tobias Wörle (Kaufbeuren) haben die Wetterauer mit Philipp Wachter den dritten echten Neuzugang unter Vertrag genommen. Der 25-Jährige, der in der nächsten Woche seinen 26. Geburtstag feiert, kommt vom Süd-Oberligisten SC Riessersee. "Philipp ist ein physisch starker Spieler, den wir schon seit geraumer Zeit beobachten. Kürzlich war er auch in Bad Nauheim und ich habe mich intensiv mit ihm ausgetauscht. Da alles zusammenpasst, bin ich froh, dass er sich für uns entschieden hat", sagt EC-Headcoach Harry Lange, der von der Leistung des Verteidigers überzeugt ist. Der in Garmisch-Partenkirchen geborene Wachter spielte in der Jugend beim SC Riessersee und vornehmlich auch beim EC Bad Tölz. In den letzten sechs Jahren trug er das Trikot des SC Riessersee, drei Spielzeiten in der DEL 2 und drei Jahre in der Oberliga Süd nach dem wirtschaftlich bedingten Abstieg der Werdenfelser aus der DEL 2.

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