Sportwoche unter der Lupe: Corona-Chronik

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Spätestens im Dezember beginnt die Zeit der Jahresrückblicke. Diesmal erinnert sie an ein Sportjahr zum Vergessen. Exemplarisch hierfür stehen die vergangenen zwölf Monate im Fußballkreis Büdingen. Die heimischen Kicker erwachen Anfang März aus ihrem Winterschlaf. Hier ein Spiel in der Kreisliga B Büdingen II, dort ein torloses Kreisoberliga-Remis zwischen dem SC Viktoria Nidda und der SG Hettersroth/Burgbracht.

Zudem noch zwei Partien in der Kreisliga A. Mehr Begegnungen lässt das schlechte Wetter zum Restrundenstart nicht zu. Dann der Schock: Am 12. März wird die Saison wegen Corona zunächst für einen Monat ausgesetzt. Am 3. April folgt die Pausen-Verlängerung "bis auf Weiteres". Und am 22. Juni schließlich der Saisonabbruch. Die Folge: Titelträger-Ermittlung mittels Rechenschieber. Die Quotienten-Regelung bestimmt die ersten Corona-Meister der Fußballgeschichte. Feuchtfröhliche Titelfeten lässt die Pandemie allerdings nicht zu.Immerhin trainieren die Kicker wieder. Zunächst ist es eine Art "Liebe auf Distanz". Mit Mindestabstand, ohne Blutgrätsche. Von Woche zu Woche lockern sich Muskeln und Beschränkungen. Zum Rundenstart am 24. August, Pokal-Nachholspiele der Abbruch-Saison stehen auf dem Programm, ist auf den Spielfeldern so etwas wie Normalität eingekehrt. Außerhalb des Platzes allerdings nicht. Statt Bier im Sportheim wird Desinfektionsmittel "ausgeschenkt". Überall stehen Spender und Hinweisschilder, Zuschauer dürfen sich nur in einer zugewiesenen Zone aufhalten. Die Lust auf Fußball ist am Anfang trotzdem groß. Sogar in der B-Liga werden dreistellige Zuschauerzahlen registriert.Der Spaß am Spiel lässt allerdings schnell nach. Es kommt zu Absagen wegen Corona-Verdachtsfällen und tatsächlich infizierten Spielern. Akteure müssen sich testen lassen und haben teilweise mehr Stäbchen im Hals als Bälle am Fuß. Ende Oktober wird wegen steigender Infektionszahlen darüber diskutiert, ob die Runde eventuell ohne Zuschauer fortgesetzt werden soll. Dazu kommt es aber nicht, weil der Hessische Fußball-Verband erneut eine Spielzeit unterbricht und seine Amateurvereine bereits am 28. Oktober in die Winterpause schickt. Der konsequente Abschluss eines verkorksten Sportjahres. Mit der Erkenntnis, dass Fußball und Corona im zu Ende gehenden Jahr nicht zusammenpassen. Was bleibt? Die Hoffnung auf 2021! Aufs kommende Jahr hofft auch Jürgen Radeck. Der Funktionär des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) wollte eigentlich längst Fußball-Rentner sein, darf aber wegen Corona nicht in den Ruhestand. Bereits zwei Verbandstage - am 4. Juni und 28. November - fielen aus. Zweimal musste der Verbandsfußballwart seine Amtszeit notgedrungen verlängern. Der Termin für einen dritten Versuch steht noch nicht fest. "Das Problem ist, dass HFV-Präsident Stefan Reuß gerne eine Präsenzveranstaltung hätte", betont Radeck. Wann das möglich ist, entscheiden alleine die Infektionszahlen. Wobei der Ortenberger augenzwinkernd sagt: "Im Sommer musste ich meinen viereinhalbmonatigen Australien-Trip absagen. Sobald Auslandreisen wieder bedenkenlos stattfinden können, muss sich der HFV etwas überlegen." Spätestens dann soll für den auf gepackten Koffern sitzenden Radeck Schluss sein. Noch lange nicht Schluss ist für die Fußballer der Regionalliga Südwest. Nach einer Entscheidung des Landgerichts Mannheim sind die Kicker seit gestern wieder am Ball. Eine irrwitzige Entscheidung! Während die Zahlen der Corona-Toten steigen und weitere Einschränkungen diskutiert werden, sollen Akteure durch mehrere Bundesländer reisen, um Spiele in einer semiprofessionellen Liga zu absolvieren. Akteure, die nicht selten am nächsten Tag wieder arbeiten oder studieren müssen. Und nicht - wie beispielsweise Bundesliga-Profis - in ihrer eigenen und medizinisch gut überwachten Sportwelt leben.

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