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Schluss mit der Doppelbelastung

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Charlotte Schäfer will mit der HSG den Klassenerhalt schaffen. © Achim Senzel

Charlotte Schäfer kann sich nach ihrem letzten Jugendspiel voll auf die HSG Gedern/Nidda konzentrieren.

Gedern/Nidda (flo). Das vergangene Wochenende war durchaus ein besonderes für Charlotte Schäfer. Da nämlich absolvierte die 18-Jährige ihr allerletztes Jugendspiel. Der Fokus der Rückraumspielerin liegt also spätestens jetzt einzig und allein darauf, mit den Drittliga-Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda die nötigen Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln. Gegen den Tabellenzweiten TSG Eddersheim wartet am Samstag (18 Uhr, Gymnasiumhalle Nidda) eine hohe Hürde auf Schäfer & Co.

Doppelbelastungen ist der HSG-Youngster längst gewöhnt. Den Absprung von ihrem Heimatverein SG Bruchköbel, für den sie seit ihrem dritten Lebensjahr spielte, zu finden, das gelang Schäfer nie so recht. Weshalb sie ab dem zweiten Jahr C-Jugend stets für zwei Teams spielte, neben Bruchköbel nämlich noch für die JSG Buchberg. Überaus erfolgreich übrigens: Mit der JSG wurde die ehemalige Hessenauswahlspielerin Hessenmeisterin sowie Vize-Hessenmeisterin. In dieser Saison aber tanzte Schäfer nicht nur auf zwei, sondern gleich auf drei Hochzeiten. In der A-Jugend-Bundesliga lief die Teenagerin für die HSG Rodgau Nieder-Roden auf, nach drei Vorrundenpartien war aber Schluss für die Truppe aus dem Landkreis Offenbach. Für die Bruchköbeler A-Jugend warf Schäfer in der Landesliga Tore, für die HSG Gedern/Nidda läuft sie in der 3. Liga auf. Ein straffes Programm. Immerhin: Die Saison mit Bruchköbel begann erst, als jene in Nieder-Roden bereits vorüber war.

Wie sich Frauen- und Jugendhandball im direkten Vergleich unterscheiden? »Qualitativ war das in der A-Jugend-Bundesliga schon relativ nah dran an der 3. Liga. Aber von der Körperlichkeit, der Härte in der Abwehr und Gewitztheit ist das schon eine andere Hausnummer«, stellt Schäfer fest. Im vergangenen Sommer war sie zur Spielgemeinschaft gestoßen. Dies übrigens, obwohl auch der Zweitligist 1. FSV Mainz 05 seine Fühler nach dem Blondschopf ausgestreckt hatte und die Bruchköbelerin für die Drittligatruppe holen wollte. Dass Schäfer nicht in Rhein-, sondern Oberhessen landete, hatte freilich auch mit Stefan Wagner zu tun. Der ehemalige Assistent von HSG-Trainer Christian Breiler leitete Schäfer in der Bruchköbeler A-Jugend an - und half bei der Vermittlung eifrig mit. »Stefan hat mich gefragt, weshalb ich in Mainz in einer leeren Halle spielen will, wenn ich in Nidda vor 300 Zuschauern in einem Hexenkessel spielen kann. Das war ein Argument«, lacht Schäfer.

Deren Rolle beim Breiler-Team sich im Laufe dieser Saison gewiss anders als geplant entwickelte. Weil ein um die andere Rückraumspielerin wegbrach, steht Schäfer bereits regelmäßig auf der Platte - mal länger, mal kürzer. »Ich bin froh, diese Chance zu bekommen«, sagt sie. Die Linkshänderin - das wird deutlich - ist ein optimistischer Charakter. Das offenbart sich auch, wenn sie eingesetzt wird: Schäfer spielt mutig, unbekümmert, unerschrocken. Wenn der nötige Raum da ist, scheut sie nicht den Wurf aus der zweiten Reihe. Sechs Tore hat sie so bislang erzielt. Ein Selbstverständnis, das gewiss auch aus ihrer Führungsrolle in Jugendjahren resultiert. »Ich bin es gewohnt, dass von mir Tore erwartet werden. Das will ich auch liefern. Momentan kann ich in dieser Liga mehr über meinen Wurf kommen, daran, auch im Eins-gegen-Eins am Gegner vorbeizukommen, arbeite ich. Das Problem ist aber, dass wir uns aktuell schwertun, uns Wurfpositionen für den Rückraum zu erarbeiten«, analysiert Schäfer, die mit Kreisläuferin Leonie Hutin übrigens nicht nur eine Fahrgemeinschaft bildet, sondern auch bestens befreundet ist.

Abwehr ist die große Baustelle

Schäfer, die nicht nur im rechten Rückraum, sondern auch auf Rechtsaußen einsetzbar ist, weiß freilich, dass sie noch viele Entwicklungsschritte vor sich hat. Der eine oder andere Spielzug ist noch zu verinnerlichen, »da bin ich schon so eine Kandidatin, die im Training dann doch nochmal nachfragen muss«, grinst sie. Ansonsten hat sie sich insbesondere zwei Themen auf die Agenda gesetzt: »Meine große Baustelle ist die Abwehr, da will ich mich noch ein ganzes Stück steigern. Und das Zusammenspiel mit dem Kreis möchte ich unbedingt verbessern.« All das für das große Ziel: »Ich will auf dem Spielfeld stehen, Tore machen und mit der Mannschaft Spiele gewinnen.«

Erst Klassenerhalt, dann Abitur

Am liebsten bereits am Samstag gegen den klaren Favoriten aus Eddersheim. »Wir wissen, was da auf uns zukommt und haben nichts zu verlieren. Ich glaube aber schon, dass wir eine Überraschung schaffen können, wenn wir mit einer guten Portion Mut ins Spiel gehen«, meint Schäfer. Für die der vorzeitige Klassenerhalt ohne Abstiegsrunde gleich doppelt ein Grund zur Freude wäre. »Dann hätten wir sicher die Klasse gehalten und ich hätte keine Überschneidungen mit dem Abi.« Denn: Ende April starten für die Schülerin, die die Leistungskurse Englisch und Sport belegt, die schriftlichen Prüfungen. Geht es nach HSG-Rückraumtalent Schäfer, kann die sonst schon übliche Doppelbelastung dann gerne einmal entfallen.

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