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Rückkehr aufs heimische Parkett

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Sabine Kaiser (Mitte) freut sich auf ihr erstes Heimspiel nach über zweieinhalb Jahren. © Achim Senzel

Nach zweieinhalb Jahren Pause: Sabine Kaiser spielt wieder für Gedern/Nidda.

Gedern/Nidda. Sabine Kaiser freut sich. Auf ihr erstes Heimspiel seit über zweieinhalb Jahren. »Ich bin jetzt nicht aufgeregt. Aber ich verspüre einfach pure Vorfreude«, strahlt die nach langer Pause zurückgekehrte Rückraumspielerin, die am Samstag (18 Uhr, Gymnasiumhalle Nidda) mit den Drittliga-Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda die HSG St. Leon/Reilingen zu Gast hat.

Es war der 22. Februar 2020, als Kaiser letztmals in einem Pflichtspiel auf dem Parkett der Gymnasiumhalle stand. Kurz danach machte die Pandemie der laufenden Saison den Garaus.

Als die Mannschaft von Trainer Christian Breiler einige Monate später in die Vorbereitung auf die Saison 2020/21 startete, war die in Hirzenhain groß gewordene und seit vielen Jahren in Hanau lebende Kaiser schwangerschaftsbedingt bereits außen vor. Im Dezember 2020 erblickte schließlich Sohn Lian das Licht der Welt. Ein gutes halbes Jahr später, im Sommer 2021 also, mischte Kaiser wieder munter mit, bereitete sich mit der HSG auf das Spieljahr 2021/22 vor. Der Schock folgte sogleich: Im ersten Testspiel verletzte sich der Blondschopf. Eine Untersuchung förderte danach einen Riss des vorderen Kreuzbands zutage, der bereits länger vorhanden, aber unbemerkt geblieben war. Im September letzten Jahres folgte die Operation, auch die vergangene Saison war also futsch.

Zumindest der erneute Weg zurück verlief ohne Rückschläge. »Es war von Anfang an so, dass mein Knie nicht negativ auf Belastungen reagiert hat«, ist Kaiser dankbar. Über viele physiotherapeutische Einheiten arbeitete sie sich zurück in Richtung Mannschaftstraining. Seit die Breiler-Truppe Mitte Juli in die Vorbereitung startete, ist sie wieder voll und ganz dabei.

Ob sie zwischenzeitlich darüber nachgedacht habe, nicht wieder zurückzukehren, sich stattdessen ausschließlich auf Familie und Beruf zu besinnen?

»Aufzuhören stand für mich nie zur Debatte«, stellt Kaiser klar. Dies auch dank der Großeltern, die an den drei Trainingsabenden pro Woche einspringen, wenn sowohl sie selbst als auch Ehemann Timo, der nach vielen Jahren beim Drittligisten HSG Rodgau Nieder-Roden nun für den Oberligisten TSG Offenbach-Bürgel spielt, in der Sporthalle sind. »Ich wollte mein Handballleben nicht mit einem Spiel beenden, von dem ich nicht mal bewusst wahrnehmen konnte, dass es das letzte ist. Für mich war eher die Frage, ob ich noch mal in die Verfassung komme, 3. Liga zu spielen.« Das ist offenkundig gelungen.

»Vor Bine«, sagt Trainer Breiler, »muss man alle Hüte ziehen, dass sie nach so langer Pause mit Schwangerschaft und Verletzung in dieser Verfassung, mit diesem Ehrgeiz und dieser Motivation zurückgekommen ist. Da ist sie ein absolutes Vorbild.« Über die linke Außenposition hat der HSG-Coach das athletische Eigengewächs, das bereits seit 1997 im Verein ist, herangeführt, in den letzten Tests sowie beim erfolgreichen Ligaauftakt bei der TSG Eddersheim auch wieder auf der angestammten Position im linken Rückraum eingesetzt.

»Es hat sich in den Spielen gar nicht so angefühlt, dass es sonderlich lange her gewesen wäre. Es war irgendwie wie immer«, lacht Kaiser, die auf Dauer fest in den Rückraum zurückkehren möchte, »da man dort einfach andere Möglichkeiten hat, um ins Spiel einzugreifen«. Dabei - das wird deutlich - geht es der 31-Jährigen nicht darum, an vergangene Tage als regelmäßige Top-Torschützin ihrer Farben anzuknüpfen. »Für mich geht es ganz einfach gesagt nicht mehr so sehr um Tore«, schildert Kaiser ihr verändertes Rollenverständnis. »Es geht für mich darum, den jüngeren Spielerinnen zu helfen, dass sie besser werden, sie so ein bisschen an die Hand zu nehmen und meine Erfahrung reinzubringen.« Damit will die für eine Wohnungsbaugesellschaft tätige Immobilienkauffrau ihren Teil dazu beitragen, »dass wir möglichst frühzeitig viele Punkte sammeln, um schnellstmöglich nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben«. Idealerweise kommen die nächsten Zähler freilich bereits am Samstag gegen St. Leon/Reilingen bei Kaisers Rückkehr in die Gymnasiumhalle dazu.

Von Florian Deis

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