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Rückfall in alte OFC-Zeiten?

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Sogenannte Anhänger von Kickers Offenbach haben mit dem Angriff auf den Koblenzer Mannschaftsbus für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. © Imago Sportfotodienst GmbH

Region (op). Der ebenso feige wie brutale Angriff auf den Mannschaftsbus des FC Rot-Weiß Koblenz am Freitagabend nach dem Fußball-Regionalliga-Spiel bei Kickers Offenbach (wir berichteten) sorgt weiter für Entsetzen. »Wir sind absolut schockiert«, teilte die Regionalliga Südwest GbR mit und stellte zudem klar, dass sie den Vorfall »aufs Schärfste« verurteile.

Man stehe weiter im Austausch mit beiden Vereinen sowie der Polizei, hieß es.

Hoher Sachschaden

Die Ermittlungen konnten erst mit Verzögerung beginnen, da der FC erst nach der Ankunft in Koblenz Anzeige erstattet hatte. Bis dahin war der Vorfall der hiesigen Polizei nicht bekannt. Mittlerweile hat die Ordnungsbehörde eine Pressemitteilung zu dem Vorfall veröffentlicht. Ermittelt wird gegen eine »Gruppe Unbekannter« - und zwar wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Landfriedensbruch. Es sei aus dieser Gruppe heraus »mit Stein- und Flaschenwürfen sowie mittels Tritten und Schlägen auf das Fahrzeug eingewirkt« worden, heißt es. »Dabei kam es neben einer gänzlich zerstörten Seiten- und einer geborstenen Heckscheibe auch zu mehreren Dellen an der Karosserie.« Verletzt wurde glücklicherweise niemand, es entstand allerdings ein hoher Sachschaden. Dieser soll ersten Schätzungen zufolge zwischen 20 000 und 30 000 Euro betragen.

Nicht nur die Regionalliga Südwest GbR geht davon aus, dass es sich bei den Angreifern (von 30 bis 50 ist die Rede) um Fans des OFC handelte. Mit sportrechtlichen Sanktionen müssen die Kickers jedoch nicht rechnen, da sich die Tat außerhalb des Stadions ereignete. Sollte sich bestätigen, was naheliegend ist, wäre das ein nicht für möglich gehaltener Rückfall in alte Zeiten, als OFC-Anhängern der Ruf vorauseilte, gewaltbereit zu sein. Beim Fanprojekt Offenbach zeigte man sich jedenfalls »von der Nachricht überrascht«. Man habe von diesem Vorfall »nichts mitbekommen«.

Auslöser Torjubel?

Der OFC hatte am Wochenende mehrfach Kontakt mit Verantwortlichen des FC Koblenz aufgenommen und sich entschuldigt. In einer Mittelung distanzierte sich der Verein zudem von der Gewaltaktion. Mehr wolle man jedoch vorerst nicht sagen, hieß es mit Verweis auf das schwebende Verfahren. Das Verhalten der Kickers-Führung wurde wohlwollend in Koblenz aufgenommen. Auch die Regionalliga Südwest GbR begrüßte ausdrücklich das vom OFC veröffentliche Statement. In diesem Zusammenhang stellte sie zudem klar »dass es keine Rechtfertigung für Gewalt, Sachbeschädigung oder andere Straftaten in und um Stadien herum im zeitlichen oder sachlichem Zusammenhang mit Spielen der Regionalliga Südwest geben kann.« Weiter hieß es: »Gegenseitige Provokationen sind dabei grundsätzlich ein schlechter Ratschlag.« Sie könnten aber keine Rechtfertigung für Gewalt sein.

Auslöser für den Gewaltexzess (unter anderem wurde auch eine vereinseigene LED-Bande im Stadion beschädigt) war offenbar der Jubel des Koblenzers Nils Fischer (einst FC Bayern Alzenau), der seinen Siegtreffer gestenreich direkt vor dem harten Kern der Kickers-Fans auf der Gegengerade gefeiert und dafür Gelb gesehen hatte - wie in dieser Spielzeit zuvor bereits Sven Schipplock (VfB Stuttgart II) und Adrian Beck (SSV Ulm). Thomas Sobotzik, der Geschäftsführer des OFC, sagte dazu: »Wir können es eh nicht ändern und müssen uns auf uns konzentrieren.« Zudem habe sich Fischer inzwischen »für sein provokantes Verhalten« (Sobotzik) bei ihm entschuldigt: »Das ist zumindest im Nachgang eine faire Geste.« Koblenz-Trainer Heiner Backhaus, einst OFC-Spieler, hatte bereits wenige Minuten nach der Partie klargestellt, das er einen solchen Jubel für unsportlich halte, und sich dafür entschuldigt.

Die Niederlage und die Gewalttat sind allerdings nicht die einzigen Sorgen des OFC: Mittlerweile fallen acht Spieler aus. Rechtsverteidiger Maik Vetter hatte sich gegen Koblenz schon in der zweiten Minute an den Adduktoren verletzt. Die Diagnose kam Montagabend: Teilabriss des betroffenen Muskels. Damit wird der OFC-Publikumsliebling laut Geschäftsführer Sobotzik mehrere Wochen fehlen.

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