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Kaum aufzuhalten: Laurentiu Andrei Butiu (rechts) vom FC Rommelhausen.

Fußball

Rommelhausens Torjäger vom Dienst

Andrei Butiu überzeugt mit einer sensationellen Quote.

Rommelhausen . Steht er auf dem Platz, muss jeder Verteidiger auf der Hut sein - Laurentiu Andrei Butiu war in den vergangenen Jahren der erfolgreichste Stürmer in der Fußball-Kreisliga A Büdingen. Seit er beim FC Rommelhausen spielt, schoss er in fünf Saisons ungefähr 140 Tore. Zwei Mal war er Torschützenkönig der Liga - 2019 mit 47 Treffern, während er in der zurückliegenden Runde 40 Mal traf. Das sind beeindruckende Zahlen.

Aus Rumänien nach Deutschland

Der Rommelhäuser blickt nicht auf die typische Fußballerkarriere zurück. Butiu ist Rumäne, begonnen habe er als echter »Straßenfußballer«. »Wir trafen uns mit allen Kindern in der Nachbarschaft und kickten.« Relativ spät - erst im Alter von 17 - sei er ins Liga-System eingestiegen. Dort habe er, unter anderem in der Stadt Reghin im Norden, bis hoch in der vierten rumänischen Liga gespielt. Auch in Rumänien sei er schon Torschützenkönig gewesen.

Das rumänische Fußballsystem ist mit sechs Ligen nicht so tief gestaffelt wie das deutsche, die 4. Liga ist in etwa mit der Landesliga zu vergleichen. Auch sonst sei vieles anders gewesen, so eine intensive Jugendförderung wie in Deutschland habe es nicht gegeben. Sein großes Vorbild als junger Spieler war Arsenal-Legende Thierry Henry.

Der jetzt 35-Jährige ging vor neun Jahren aus beruflichen Gründen nach Deutschland. Dort spielte er erstmal nur kurz für den SV Bommersheim im Taunus: »Ich habe nur ein Spiel gemacht, dafür aber drei Mal getroffen.« Danach legte er eine Pause von zwei Jahren ein, bis ihn der FC Rommelhausen 2017 im reiferen Fußball-Alter von 31 Jahren verpflichtete. »Ich wohnte dort direkt neben dem Sportplatz«, sagt Butiu. In Rommelhausen gab es bereits andere Rumänen - Alin Carp und Ilie Bandol, den Butiu schon in Bommersheim kennengelernt hatte. So kam eins zum anderen - auch die Verbundenheit mit den anderen rumänischen Spielern trug dazu bei, dass Butiu mit Leib und Seele FC-Spieler geworden ist. »Das macht natürlich was aus. Bei den Spielen sind unsere Frauen und Kinder dabei, hinterher sitzen wir beim Bier zusammen«, erzählt er.

In seiner ersten Saison ließ Butiu es gleich krachen, traf 26 Mal. Dabei durfte er am Anfang gar nicht in die Spitze, wie sich sein aktueller Mitspieler und ehemaliger Trainer Alin Carp, der beim Interview dabei ist, erinnert: »Andrei sollte beim damaligen Trainer eigentlich im Mittelfeld spielen. Die ersten fünf Partien machte er dann auch auf der linken Außenbahn. Dann hat Andrei gesagt, dass er unbedingt im Sturm spielen muss.« Kurios: Seit den Anfangstagen in Deutschland geistert der falsch geschriebene Nachname »Batiu« bis heute in den Spielberichten und Torschützenlisten im Internet herum, vermutlich, weil er anfangs mal im Pass fehlerhaft eingetragen war.

Mit 40 Treffern auf Platz eins

In den Spielzeiten mit Butiu schnitt der FCR zwischen Platz drei und sieben ab - ernsthaft war der Aufstieg dabei nur 2019 in greifbarer Nähe, als Rommelhausen in der Relegation scheiterte.

Unbestritten ist jedoch die Klasse des torgefährlichen Spielers. So verwundert es nicht, dass sich höherklassige Vereine für ihn interessierten - Anfragen habe es aus der Gruppenliga und aus der Kreisoberliga gegeben. Doch Butiu ist aus Rommelhausen nicht mehr wegzubekommen. »Sollte es hier keine Mannschaft mehr geben, würde ich aufhören mit Fußball«, sagt er.

2019 kam mit Gheorghe Anghel ein kongenialer Mitspieler nach Rommelhausen. Seither bilden beide das wohl gefährlichste Sturmduo der Kreisliga A Büdingen. »Auch ihn kannte ich schon aus Bommersheim«, sagt Butiu, «Er ist mein bester Vorlagengeber. Die Mischung passt, er ist ein Zehner, der viele Vorlagen gibt.« Die 10 zur 9 - für Carp ist Butiu ein »richtiger Neuner«, beide tragen auch beim FCR die entsprechenden Rückennummern. »Er schießt auch mal ein Tor aus 40 Metern, oder eins aus zwei Metern, wo man sich fragt, wie er den Ball noch reinbekommen hat. Er gibt aber durchaus auch viele Vorlagen«, beschreibt Carp den Torjäger.

Trotz seiner Verbundenheit zum FC, trotz seines Lobs für die gute Kameradschaft auf und neben dem Platz, so hat Butiu durchaus auch einen großen eigenen Torhunger. Rückblende ins Saisonfinale 2021/2022: Einen Spieltag vor Saisonende lagen die Sportfreunde Oberau II einen Platz vor dem FC, aber auch Oberaus Topstürmer Enis Gjoshi lag mit 38 Treffern vor Butiu mit 36 Toren. »Natürlich wollte ich Torschützenkönig werden, war richtig motiviert. Ich dachte, ich schieße drei Dinger im nächsten Spiel.« Und Butiu lieferte ab - im letzten Saisonspiel gegen Rudingshain gewann der FC 6:0, zog an Oberau noch vorbei. Butiu traf viermal und wurde mit 40 Treffern Torschützenkönig.

Der FC und Tore am Fließband - so kann es für ihn weitergehen. Einmal Trainer oder Funktionär zu werden, das sei nichts für ihn. Stattdessen wolle er kicken, »solange es die Beine mitmachen«. Er hoffe allerdings, dass sein zwölfjähriger Sohn in seine Fußstapfen tritt - noch sei die Position des Kindes noch nicht so klar, aber er wünscht sich, dass auch er Stürmer wird.

Sollte er von Verletzungen verschont bleiben, so ist fast sicher, dass Butiu auch in der kommenden Saison als Rommelhäuser Sturmspitze manche Abwehrreihe auseinandernehmen und manchen Torwart umspielen wird. Sein Mitspieler Carp und er sind sich einig: Mit den starken Absteigern FSG Altenstadt sowie SG Nieder-Mockstadt/Stammheim und mit dem ebenfalls starken B-Liga-Meister FC Lorbach ist die Liga zwar besser geworden, stärkere Gegner würden jedoch auch den FC Rommelhausen mehr anspornen, in diesen Spielen gehe er motivierter ans Werk.

Von Peter Maresch

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