+
Stephan Flauder ist nicht nur Kapitän, sondern mit Einsätzen in allen Punktspielen auch der Dauerbrenner beim OFC. IMAGO

OFC-Motor läuft wieder rund

  • schließen

Region (jmo/aw). Die Offenbacher Kickers haben sich mit Geschäftsführer Thomas Sobotzik, Cheftrainer Sreto Ristic und Co-Trainer Marijan Kovacevic auf eine vorzeitige und ligaunabhängige Vertragsverlängerung geeinigt. Zur Vertragsdauer macht der OFC wie üblich keine genaue Angabe. Thomas Sobotzik ist seit November 2019 Geschäftsführer und Sportdirektor der OFC Kickers 1901 GmbH.

Der frühere Bundesligaprofi verantwortete in den Jahren zuvor als Vorstandsmitglied und Geschäftsführer des Chemnitzer FC die Bereiche Sport und Finanzen.

Sreto Ristic und sein Assistent Marijan Kovacevic sitzen seit Januar des letzten Jahres auf der Trainerbank des Fußball-Regionalligisten. In bislang 48 saisonübergreifenden Ligaspielen holten sie durchschnittlich 2,19 Punkte pro Spiel, was seit über 20 Jahren den historischen Bestwert aller OFC Trainer darstellt.

Ein bemerkenswertes erstes Halbjahr hat Kickers Offenbach in der Regionalliga Südwest hinter sich - und angesichts von nur zwei Zählern Rückstand auf die Tabellenspitze (bei einem Spiel weniger) ein spannendes zweites Halbjahr vor sich.

Aus der ursprünglichen Devise, den Kader der Vorsaison punktuell zu verstärken, wurde schließlich doch ein formidabler Umbau. 14 Spieler gingen, 15 Neue kamen hinzu.

Die Kickers haben dieser Tage Philipp Hosiner und Paul Milde verpflichtet. Mittelstürmer Hosiner wechselt von Dynamo Dresden an den Bieberer Berg. Der beidfüßige Außenverteidiger Milde kommt vom TSV Steinbach Haiger zum OFC. Der 32-jährige Philipp Hosiner spielte im Laufe seiner Profikarriere unter anderem für den SV Sandhausen, Stade Rennes, den 1. FC Köln, Union Berlin, Admira Wacker Mödling, Austria Wien, Sturm Graz und für den Chemnitzer FC. Der 1,79 Meter große Österreicher absolvierte bis heute 15 Begegnungen in der Bundesliga (1 Treffer), 52 Spiele in der 2. Bundesliga (8 Treffer, 3 Vorlagen), sowie 82 Partien in der 3. Liga Der 26-jährige Paul Milde trug als Profi bislang die Trikots von Dynamo Dresden, Union Fürstenwalde, Budissa Bautzen, Chemnitzer FC und TSV Steinbach Haiger.

OFC-Geschäftsführer Thomas Sobotzik hatte als Grund dafür den Wunsch nach einem breiteren Kader genannt. Was anfangs für das eine oder andere Sandkörnchen im mannschaftlichen Getriebe gesorgt hatte, entpuppte sich im Laufe der Saison als wichtig und richtig. Je besser das neu formierte Team und Trainer Sreto Ristic zueinander fanden, umso besser lief es für viele Neue. Osarenren Okungbowa etwa hatte als Sechser einen schweren Stand, überzeugte dann aber als Innenverteidiger nach den Ausfällen von Malte Karbstein und Moody Chana.

Das große Problem der vergangenen Runde löste sich beim OFC scheinbar nach zwei Spielen in Luft auf. In Partien gegen die Topteams hatten die Kickers 2020/21 regelmäßig schlecht ausgesehen. Nun aber gewannen sie zum Auftakt 1:0 gegen den FC Homburg - und 2:1 in Elversberg. Die Euphorie war groß, erhielt aber einen ersten Dämpfer durch das 1:2 gegen den SSV Ulm.

Im September stotterte der OFC-Motor erheblich. Nur zwei Siege gab es in sechs Partien. Dafür aber nach dem 0:2 beim FSV Mainz 05 II auch noch eine 0:1-Pleite gegen Schlusslicht Schott Mainz. Danach war ordentlich Druck auf dem Kessel. Die Trainerfrage wurde gestellt - und vom Präsidium eindeutig beantwortet. »Es ist allen bewusst, dass wir schnellstmöglich aus diesem Tal rausmüssen. Allerdings ist aktuell keinem damit geholfen, einen Schuldigen zu suchen«, sagte Präsident Joachim Wagner. Der Vertrauensbeweis sollte sich schnell auszahlen.

Der Oktober war dann wahrhaft golden: Das 2:0 in Pirmasens hatte Ristic noch als »kleinen, aber wichtigen Schritt« bezeichnet. Es folgten fünf weitere Siege - und eine makellose Gesamtbilanz in diesem Monat mit 18 Punkten und 20:1 Toren. Höhepunkt war der 4:0-Erfolg gegen den TSV Steinbach Haiger. Bis Weihnachten kamen in sechs weiteren Partien zwölf Zähler hinzu. Beim 2:3 in Großaspach und beim 0:1 in Ulm schlug sich der phasenweise klar überlegene OFC gewissermaßen selbst.

Die turbulenten Tage nach der Schlappe gegen Mainz produzierten einige Aufregungen. Höhepunkt war eine Pressekonferenz vor dem Spiel in Pirmasens, in der Stephan Flauder erst ein flammendes Plädoyer für mehr Zusammenhalt hielt, dann aber Fans und Presse kritisierte. Knapp zwei Monate später produzierten die Kickers längst wieder positive Emotionen. Nach dem überzeugenden 3:1 gegen Titelkonkurrent SV Elversberg feierten 5173 Zuschauer am Bieberer Berg ein Team, das mit Vorstellungen wie jenen unter Beweis stellte, reif zu sein für die Meisterschaft und die Rückkehr in die 3. Liga.

Trainer Ristic zählt zweifellos zu den Gewinnern in Offenbach, weil er zeigte, dass er auch Krisen moderieren kann. Er veränderte die taktische Ausrichtung seines Mittelfeldes, weg von einem starren Sechser mit Osarenren Okungbowa, hin zu einer flexiblen Raute mit Tunay Deniz als defensivem Taktgeber, der zu Vorjahresform und Torgefahr fand. Gleiches gilt für Denis Huseinbasic und Florent Bojaj.

Das könnte Sie auch interessieren