Noah Michel: Erst arbeiten, dann kicken

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STOCKHEIM/FRIEDBERG - Es ist mittlerweile mehr als anderthalb Jahre her, dass sich Noah Michel für den Beruf und gegen das Profi-Dasein entschieden hat. Der 26-jährige Stockheimer arbeitet tagsüber als Fachlagerist am Standort Hanau für die Deutsche Bahn und schlüpft danach in die Rolle des Feierabendkickers. Wobei Feierabendkicker mit Blick auf die Leistungen des Vollblutstürmers irgendwie abwertend klingt.

Immerhin ist der ehemalige Junioren-Bundesliga-Spieler, der im Seniorenbereich unter anderem drei Drittliga-Einsätze für Jahn Regensburg absolvierte, Top-Torjäger des Hessenligisten Türk Gücü Friedberg. Michel spricht im Interview mit dieser Zeitung über seine Saisonziele und das für kommenden Mittwoch terminierte Aufeinandertreffen mit seinem Ex-Club Sportfreunde Oberau im Hessenpokal.

Vorab: Nach einem Corona-Fall in der Mannschaft mussten einige Ihrer Kollegen gegen Ende der vergangenen Woche in Quarantäne. Durften Sie sich weiterhin frei bewegen?

Ich bin geimpft und durfte mich glücklicherweise frei bewegen. Alle Spieler ohne Impfung mussten allerdings bis einschließlich Donnerstag in Quarantäne bleiben, obwohl alle Tests negativ waren.

Das erste Hessenliga-Spiel am vergangenen Wochenende fiel dementsprechend aus? Wie sieht es für den kommenden Sonntag aus?

Das Spiel gegen den SC Hessen Dreieich wird ganz normal stattfinden. Allerdings ist es ärgerlich für uns, dass wir uns kaum auf diese Partie vorbereiten können. Unter der Woche standen lediglich zehn Akteure, also weniger als die Hälfte des Kaders, auf dem Platz. Der Rest stieß erst wieder am Freitag zum Team.

Mit welchen Zielen geht Ihr Club in die neue Runde?

Wir haben alle Abgänge kompensiert und uns im Kollektiv verstärkt. Mit diesem Kader können wir an die guten Leistungen anknüpfen, die wir vor dem Abbruch der vergangenen Saison als Tabellenfünfter zeigten. Unser Ziel muss sein, mindestens Platz fünf zu belegen, damit wir uns für die Aufstiegsrunde qualifizieren.

Für Sie persönlich lief es in der abgelaufenen Runde sehr gut. Bis zum Abbruch der Spielzeit erzielten Sie 13 Tore in neun Partien, wurden zum Hessenliga-Spieler der Vorrunde gewählt. Ist eine Wiederholung dieser Leistung möglich?

Ich hoffe es doch und werde auf jeden Fall alles dafür tun, an diese Leistungen anzuknüpfen. Es wird natürlich viel davon abhängen, wie ich in die Runde starte. Für einen Stürmer ist es wichtig, gut reinzukommen, dann fällt vieles leichter. Wenn du zwei, drei Spiele nicht triffst, machst du dir deine Gedanken. Auch wenn ich so viele Tore wie möglich erzielen möchte, habe ich mir keine bestimmte Marke als Ziel gesetzt.

Sie wechselten vor gut anderthalb Jahren vom Regionalligisten FC Gießen nach Friedberg und trafen damit eine Grundsatzentscheidung: für den Beruf, gegen das Profi-Dasein. Vermissen Sie etwas?

Vorab muss ich sagen, dass ich auch vor meiner Zeit in Friedberg schon arbeitete - nur nicht Vollzeit. Damals stand natürlich der Fußball im Mittelpunkt. Mittlerweile habe ich mich aber sehr gut mit allem abgefunden, an den geregelten Tagesablauf gewöhnt. Ich bekomme das mit meiner 40-Stunden-Woche und dem Fußball nach Dienstschluss sehr gut hin.

Und wenn noch einmal ein Angebot aus der Regionalliga oder 3. Liga kommen sollte?

Ich sage niemals nie. Aber ich bin im Moment zufrieden. Und Hessenliga-Fußball ist sportlich sehr anspruchsvoll.

Am 25. August kommt es im Hessenpokal zu einem ganz besonderen Spiel, wenn Sie mit Friedberg auf Ihren ehemaligen Jugendverein Sportfreunde Oberau treffen. Kennen Sie noch viele Spieler von der heutigen Gruppenliga-Mannschaft?

Erst einmal habe ich mich sehr über das Los gefreut. Kevin Kuhl ist mein bester Kumpel. Ich freue mich, wieder einmal mit ihm auf dem Platz stehen zu können. Auch wenn wir, im Gegensatz zu unserer gemeinsamen Zeit beim SC Viktoria Nidda, diesmal Gegner sind. Es wird ein ganz besonderes Spiel gegen meinen Jugendclub, weil ich auch auf viele bekannte Gesichter aus dem Sportfreunde-Umfeld, wie beispielsweise Dieter Böttcher, Peter Kuhl und Christoph Werner, treffen werde.

Laufen Wetten? Wie geht das Spiel aus?

Wetten gibt es nicht. Natürlich wollen wir gewinnen und in die nächste Runde einziehen.

Gibt es einen Wunschgegner, auf den Sie gerne im weiteren Verlauf der Hessenpokal-Runde treffen würden?

Den haben wir schon mit Oberau gezogen. Natürlich wollen wir so weit wie möglich kommen und dann die Herausforderung gegen höherklassige Mannschaften annehmen.

Und dann auch den Hessenpokal gewinnen...

Mit dem FC Gießen stand ich schon einmal kurz vor dem großen Triumph. Allerdings wird es für uns als Hessenligist kaum möglich sein, den Pokal zu gewinnen. Regionalligisten wie FSV Frankfurt, Kickers Offenbach oder der FC Gießen stehen eine Stufe über uns. Nicht zu vergessen Drittligist SV Wehen Wiesbaden.

Zur Person

Noah Michel kann bereits auf eine bewegte Karriere zurückblicken. Über den TSV Stockheim und die Sportfreunde Oberau wechselte er als Zehnjähriger zu Eintracht Frankfurt. Für die Hessen ging der Angreifer in der U17- und U19-Bundesliga auf Torejagd. Zudem kickte Michel eine Saison für die U17 von RW Erfurt in der höchsten deutschen Nachwuchsklasse. Im Seniorenbereich stehen unter anderem drei Drittliga-Einsätze für Jahn Regensburg, Regionalligaspiele für den FC Gießen, Hessenligapartien für den FC Bayern Alzenau und eine Verbandsliga-Saison für den SC Viktoria Nidda, in der er mit 30 Treffern Torschützenkönig wurde. Aktuell trägt der in Stockheim lebende und als Fachlagerist für die Deutsche Bahn arbeitende Michel das Trikot des Hessenligisten Türk Gücü Friedberg.

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