1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Nicht ganz zufällig unterlegen

Erstellt: Aktualisiert:

Mainz/Nidda (flo). Fast hätten die Drittliga-Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda in ihrem wohl letzten Hauptrundenspiel einen Auswärtssieg eingefahren. Fast - das wäre die Kehrseite der Medaille gewesen - hätten sie damit ihre Ausgangslage in der Abstiegsrunde riskiert. Schlussendlich aber setzte sich der 1. FSV Mainz 05 II haarscharf mit 23:22 (10:

13) durch. Nicht ganz zufällig.

Christian Breiler hat mittlerweile ein paar Jahrzehnte als Spieler und Trainer auf dem Buckel. Eine solche Gemengelage wie gestern Nachmittag aber hat der HSG-Übungsleiter auch noch nicht erlebt. Freilich hatte er auf dem Zettel, dass seine Mannschaft im Falle eines Sieges Gefahr liefe, die Saison doch noch als Siebter zu beenden und dann mit 2:6-Punkten in die Abstiegsrunde zu gehen - statt mit 4:4-Zählern als Rangachter. »Leverkusen II hat sich bisher nicht zum ausstehenden Spiel geäußert. Es könnte sein, dass wir diese Punkte bekommen«, erklärte Breiler.

Hätte die Spielgemeinschaft also in Mainz gewonnen und die Punkte des Leverkusen-Spiels gutgeschrieben bekommen, so wäre sie nur dann nicht Siebter geworden, wenn Mainz am Donnerstag auswärts bei Fortuna Düsseldorf gewonnen hätte.

Darauf wollten sich die Wetterauerinnen nicht verlassen. »Ich sage das ganz offen: Ich habe den Mädels in der letzten Auszeit gesagt, dass wir dieses Spiel nicht gewinnen dürfen«, gestand Breiler. Zu diesem Zeitpunkt - gut dreieinhalb Minuten vor Schluss war das - führten die Gäste knapp mit 21:20. Das Verteidigen stellte die HSG danach weitgehend ein und ließ die Nullfünferinnen gewähren.

»Ich bin schockiert, dass so etwas in einem normalen Rundenspiel nötig ist. Ich finde das absolut fürchterlich, dass ich meiner Mannschaft in einer Auszeit so etwas sagen muss. Damit genau so etwas nicht passieren kann, haben vor Corona am letzten Spieltag mal alle Spiele gleichzeitig stattgefunden«, redete sich der HSG-Coach den Frust von der Seele. »Dieser Modus ist einfach wahnwitzig. Es ist Wahnsinn, uns als aktiv Beteiligten so etwas anzutun. Da muss man fragen, wer sich das so ausgedacht hat.« Mit seiner Mannschaft habe er vorab nicht darüber geredet gehabt. »Sonst wäre es schwierig geworden, eine vernünftige Leistung auf die Platte zu bringen.«

Die hatte die HSG Gedern/Nidda im Rheinhessischen bis in die skurrile Schlussphase hinein allemal aufs Parkett gebracht. Sie spielte mit viel mehr Intensität und Körperlichkeit als in den vergangenen Partien, sie suchte die Zweikämpfe, sie spielte mit Tempo nach vorne. Das genügte trotz durchwachsener Chancenverwertung, um gegen doch etwas kraftlose Mainzerinnen, von denen gleich mehrere Akteurinnen ihre dritte Begegnung innerhalb von drei Tagen bestritten, über weite Strecken in Front zu liegen: Über 5:2 (7.) und 11:8 (27.) führten die Gäste zur Pause mit 13:10.

Auch in Abschnitt zwei hatten sie lange die Nase vorne, führten trotz eines zwischenzeitlichen 0:4-Laufs in der 56. Minute mit 21:20. Ehe HSG-Coach Breiler die wohl ungewöhnlichste Auszeit seiner Laufbahn nahm. So oder so: »Wir haben den Trend der letzten drei Spiele umgekehrt und uns in allen Belangen deutlich besser präsentiert. Das müssen wir mitnehmen«, forderte Breiler. Es bleibt die Frage: Was wird aus der theoretisch noch nachzuholenden Begegnung gegen Bayer Leverkusen II? Für beide Teams geht es um nichts mehr. Vor allem aber: Drei Tage vor dem definitiven Saisonende am Gründonnerstag ist eine Terminfindung noch nicht absehbar. »Wir sind gerne bereit zu spielen«, so Breiler. Der Fall befindet sich derzeit in Klärung bei der Spielklassenleitung. Dass die Partie tatsächlich noch ausgetragen wird, erscheint äußerst unwahrscheinlich. Sowohl in dieser als auch in den anderen Staffeln wurden zuletzt mehrere Spiele am grünen Tisch entschieden. Gut möglich, dass es so auch mit dieser Paarung geschieht.

1. FSV Mainz 05 II - HSG Gedern/Nidda 23:22 (10:13)

1. FSV Mainz 05 II: Simonelli, Coors; Weidle (5/1), Ramacher (1), Gilany (3), Vidakovic, N. Schulze, Puhl, M. Schulze, Jacobs (9/4), Karl (1), Grawe (3), Kleinjung (1).

HSG Gedern/Nidda: Petek, Heß; H. Niebergall (2), Engel (2), Pfaff, Hutin, Wäscher (4), Amos, E. Niebergall, Schindler (8/2), Krauß (2), Nau (3), Schäfer (1).

Schiedsrichter: Kaplan/Scheld (Wiesbaden/Hüttenberg) Zuschauer: 60 - Zeitstrafen: 0:6 Minuten (keine - H. Niebergall, Engel, Schäfer) - Siebenmeter: 5/5:2/2 - Spielfilm: 2:5 (7.), 6:8 (20.), 10:13 (30.), 14:16 (40.), 19:18 (50.). 23:22 (60.).

Auch interessant