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Mutloser Abstiegsk(r)ampf

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Klara Engel (am Ball) wirft vier Tore, ihre HSG Gedern/Nidda verliert trotzdem. © Achim Senzel

Handball-Frauen der HSG Gedern/Nidda stecken herben Rückschlag ein.

Rodgau/Nidda (flo). Oh weh, HSG Gedern/Nidda! Die Drittliga-Handballerinnen aus dem Oberhessischen haben einen schmerzvollen Rückschlag im Kampf um den direkten Klassenerhalt einstecken müssen. Bei der HSG Rodgau Nieder-Roden handelte sich die Mannschaft von Trainer Christian Breiler aufgrund einer desolaten Angriffsleistung eine 17:20 (8:9)-Pleite ein. Die Aussichten trüben sich weiter ein.

3. Liga Frauen: HSG Rodgau Nieder-Roden - HSG Gedern/Nidda 20:17 (9:8). Ein wenig erinnert die Spielgemeinschaft derzeit an Sisyphus. An jene Figur der griechischen Mythologie also, die einen schweren Felsstein immer wieder einen steilen Hang hinaufwuchtete, ehe dieser kurz vor dem Ziel jedes Mal aufs Neue doch wieder ins Tal hinabrollte. Die Analogie zu den Handballerinnen aus Gedern und Nidda? Sie mühen sich allen unzweifelhaft vorhandenen Widrigkeiten zum Trotz immer wieder zu wichtigen Siegen - wie gegen Fortuna Düsseldorf im Januar oder bei der HSG Kleenheim-Langgöns Anfang Februar. Um die damit aufgebauten Chancen, die eigene Lage im Abstiegskampf tatsächlich nachhaltig zu verbessern, eigenhändig wieder einzureißen. Die Niederlagen gegen Wülfrath oder in Nieder-Roden lassen grüßen.

14 Ballverluste und 19 Fehlwürfe

Was die Breiler-Truppe im größten Rodgauer Stadtteil aufs Parkett brachte, hinterließ wahrlich Rätsel und gab Anlass zur Besorgnis. Der Trainer vermochte auch am Tag danach nicht so recht zu erklären, wie dieser weitgehende Betriebsausfall im eigenen Angriffsspiel zustande kommen konnte. »Wir hatten im ganzen Spiel vielleicht zwei Aktionen drin, wie ich mir das für unseren Angriff vorstelle«, konstatierte Breiler. Freilich, 14 Ballverluste und 19 Fehlwürfe sind bereits denkbar schlechte Werte. Aber sie bringen nicht zum Ausdruck, was den Gästen in besonders hohem Maße fehlte: Nämlich eine gehörige Portion Mut, das gegnerische Tor überhaupt zu attackieren. Mit Ausnahme der umtriebigen Mittelfrau Hannah Niebergall war die Darbietung des HSG-Rückraums schlichtweg ungenügend. »Auf den Halbpositionen«, redete Breiler Klartext, »war das eine Katastrophe.« Dort sind Rica Wäscher und Kirsten Schindler aufgrund der Ausfälle derzeit weitgehend auf sich alleine gestellt. Youngster Charlotte Schäfer spielt ohnehin bereits mehr als geplant, Kristin Amos ist nach langer Verletzungspause lediglich als Rollenspielerin eine Option. In Nieder-Roden kamen alle vier zusammen auf einen Treffer und elf weitere Abschlussversuche. »Im Training werfen wir das Tor kaputt, im Spiel trauen wir uns im Rückraum aber nicht, Würfe zu nehmen. Das ist mir unbegreiflich«, rätselte Breiler. Und: »Wenn wir nicht werfen, dann muss man zumindest ins Eins-gegen-Eins gehen oder den Kreis anspielen. Sonst ist das einfach zu wenig. Wie wollen wir so ein Spiel gewinnen?«

In Nieder-Roden jedenfalls kam seine Mannschaft 60 Minuten lang auf keinen grünen Zweig. Es war permanenter Abstiegsk(r)ampf - von beiden Teams. Allein dank der starken Torhüterin Yvonne Petek (15 Paraden) mühten sich die Gäste zu einer 4:2-Führung (13.), die sie beim 8:9-Pausenrückstand allerdings wieder vertändelt hatten. Bis fünf Minuten vor Schluss blieb die HSG in Schlagdistanz, lag da nur knapp mit 16:17 hinten. Nachdem Nieder-Roden aber erst in Überzahl nach einem Ballverlust der Wetterauerinnen per Tempogegenstoß auf 18:16 (58.) stellte und infolge eines Fehlwurfs dann auf 19:16 (60.) erhöhte, war die Begegnung entschieden.

»Das war leblos, mutlos, wir haben es über uns ergehen lassen. Dieser Auftritt war sehr, sehr ernüchternd«, befand Breiler. »Gegen wen, wenn nicht diesen Gegner, wollen wir in den nächsten Spielen gewinnen?« Vielleicht liefert seine Mannschaft am nächsten Sonntag bei Fortuna Düsseldorf eine Antwort auf diese Frage. Klar ist jedenfalls: Unendlich viele Anläufe, um ans Ziel zu kommen, wird die HSG Gedern/Nidda - anders als einst Sisyphus - nicht mehr nehmen können.

HSG Rodgau Nieder-Roden: Barnack (ab 48.), Aassou; Burgard (2/2), Draheim, Krüger, L. Keller (1), Statzner, Gotta (5), Götz, K. Keller (2), Geis (1), Mertens (2), Göbel (1), Adanir (6/5).

HSG Gedern/Nidda: Petek, Heß (bei drei Siebenmetern); Patz, Schüler, H. Niebergall (5), Kraft (n.e.), Engel (4), Pfaff (n.e.), Hutin, Wäscher, Amos (1), E. Niebergall, Schindler (1/1), Krauß, Nau (6), Schäfer.

Schiedsrichter: Henker/Schirmacher (Dresden) - Zuschauer: 163 - Zeitstrafen: 2:6 Minuten (Göbel/Schüler, Hutin, Krauß) - Rot: Adanir (30., Kopftreffer) - Siebenmeter: 9/7:1/1 - Spielfilm: 2:4 (13.), 4:6 (21.), 9:8 (30.), 12:12 (44.), 15:15 (50.), 17:16 (55.), 20:17 (60.).

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