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Reichlich Gegenwehr: Hannah Niebergall (Mitte) und die HSG Gedern/Nidda haben es aktuell nicht leicht.

Zwischenbilanz HSG Gedern/Nidda

Mit zwei Ausrutschern auf Tabellenplatz acht

Nach elf von 22 Spielen ist klar: Für die Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda steht 2022 ein spannender Kampf um den Drittliga-Klassenerhalt an.

Die letzten Wochen hatten es in sich: Drei Corona-Fälle bei den Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda, eine freiwillige Trainingspause, die überraschende Niederlage bei der HSG Lumdatal, zuletzt die schwere Verletzung von Hanna Rösner. »Das ist brutal. Wir sind unverschuldet in alles reingeschlittert«, hadert HSG-Coach Breiler. Wohlwissend, dass der direkte Klassenerhalt in der 3. Liga alles andere als ein Selbstläufer wird.

Nun aber befinden sich die Wetterauerinnen erst mal in der Winterpause. Der Kreis-Anzeiger beleuchtet deshalb den Stand der Dinge bei der HSG Gedern/Nidda.

Was waren die größten Herausforderungen für Mannschaft und Trainer?

Die wohl schwierigste Aufgabe war es, wieder einen Spielrhythmus aufzubauen. Als im September die Saison startete, hatte die Spielgemeinschaft seit sage und schreibe eineinhalb Jahren keinen Ligabetrieb mehr gehabt. Die beiden Spiele der Saison 2020/21 im Oktober vergangenen Jahres dürfen dabei getrost außen vor gelassen werden. Und nicht nur das: Obendrein hatte sich das Gesicht der Mannschaft in dieser Zeit massiv verändert. Sieben neue Spielerinnen sind in der Zeit seit Sommer 2020 dazu gekommen. Diese mussten allesamt erst in ihre neuen Rollen wachsen und das Spielsystem verinnerlichen - ein Prozess, der freilich noch längst nicht abgeschlossen ist. Da passte zum Start dieser Spielzeit logischerweise so einiges noch nicht wirklich zusammen, sei es in der Deckung, beim Kreisläuferspiel oder hinsichtlich der - auch weiterhin - zu hohen Quote an technischen Fehlern.

10:12 Punkte stehen zu Buche. Wie ist das einzuordnen?

Klipp und klar: Das ist etwas zu wenig. Vor dem Hintergrund, dass ab Platz sieben der Weg in die unkalkulierbare Abstiegsrunde führt, sind Patzer verboten. Die HSG leistete sich in den bisherigen elf Begegnungen jedoch gleich zwei Ausrutscher: Die 25:26-Heimpleite gegen die HSG Rodgau Nieder-Roden im Oktober sowie die jüngste 22:23-Niederlage beim Schlusslicht HSG Lumdatal. Als Bonus ist allenfalls der 19:18-Auswärtserfolg beim 1. FC Köln zu betrachten. Bedeutet: Zwei Zähler fehlen der HSG Gedern/Nidda, um sich im Soll wähnen zu können. Als Rangachter überwintert die Breiler-Truppe somit. Mit nur einem Sieg mehr wäre sie zum Jahreswechsel Sechster gewesen. Es ist also weiterhin alles eng beisammen. Der Tabellenvierte Köln (13:11 Punkte) ist bei einem Spiel mehr nur drei Zähler entfernt. Wülfrath, aktuell Sechster, ist mit 11:13 Zählern nach zwölf Spielen in Reichweite. Allerdings sind auch die hinter der HSG platzierten Teams wie Nieder-Roden (8:16), Königsdorf (6:14), Kleenheim-Langgöns (5:17) oder Lumdatal (5:19) noch längst nicht abgeschlagen.

Was hat sich gut entwickelt?

Die Defensivabteilung hat im Laufe der bisherigen Saison zusehends an Stabilität gewonnen, ruft dies mittlerweile auch nicht mehr nur phasenweise, sondern deutlich konstanter als in den ersten Partien dieser Spielzeit ab. Ein Aufschwung, der so seit dem Eddersheim-Spiel (24:27-Niederlage) Ende Oktober erkennbar ist. Zudem hat sich herauskristallisiert, dass die HSG zwischen den Pfosten glänzend besetzt ist: Yvonne Petek war mehrfach ein Erfolgsgarant, in Köln hatten Anne Heß und Sandra Elisath jeweils einen gewichtigen Anteil am Auswärtssieg, zuletzt war es in Lumdatal auch den Heß-Paraden zu verdanken, dass die Breiler-Sieben überhaupt eine Chance auf Punkte hatte.

Kreuzbandriss bei Hanna Rösner

Doch: Was sich in der 6:0-Deckung und im Zusammenspiel mit den Torhüterinnen so gut eingespielt hatte, wird sich nun wieder neu finden müssen. Da Abwehrchefin Rösner, bei der die Befürchtung eines Kreuzbandrisses am Montag ärztlich bestätigt wurde, in dieser Saison nicht mehr zur Verfügung stehen wird, lautet die riesige Herausforderung, einen neuen Mittelblock aus dem Hut zu zaubern. »Hannas Ausfall«, sagt Trainer Breiler, »trifft uns ins Mark, sie können wir mit unserem Spielermaterial nicht ersetzen.«

Woran muss noch gearbeitet werden?

Angesichts des Rösner-Ausfalls wird nun die Deckungsarbeit in der Prioritätenliste wieder weit nach oben rutschen. Darüber hinaus gilt es, die Konstanz der Leistungen zu fördern und im Angriffsspiel variabler zu werden. Im Eins-gegen-Eins haben die quirligen Gedern/Niddaer Rückraumkräfte ihre Qualität immer wieder unter Beweis gestellt, problematisch aber ist, dass Gefahr aus der zweiten Reihe nur temporär vorhanden ist. Spielerinnen, die diese Stärken grundsätzlich im Repertoire haben, gibt es - etwa Rica Wäscher oder Kristin Amos. Das Zusammenspiel zwischen Rückraum und Kreis hat ebenfalls noch Luft nach oben. Auch die Fehlerquote - seien es Fehlwürfe oder Ballverluste - muss zwingend reduziert werden.

Wie ist die Personalsituation?

Äußerst angespannt. Rösner hinterlässt eine Lücke sowohl in der Deckung als auch im rechten Rückraum. Sabine Kaiser (Kreuzbandriss) ist in dieser Spielzeit ohnehin kein Thema mehr. Kreisläuferin Yeruti Krauß (Fußverletzung) hat derzeit noch Sportverbot, mit ihrer Rückkehr in den Kader wird frühestens Ende Januar gerechnet. Außenspielerin Christin Kraft (Knieverletzung) fehlt ebenso bis auf Weiteres. All das erschwert auch das Training. »Wir können in dieser Situation nicht mal Sechs-gegen-Sechs spielen«, sagt Breiler. Er hofft darauf, dass die eine oder andere Ex-Spielerin für Trainingszwecke aushilft. Möglicherweise wird die HSG auch noch mal auf dem Transfermarkt aktiv. »Es wäre nicht von Nachteil, wenn da noch jemand dazustoßen würde«, so der Trainer.

Wie ist der Fahrplan für die nächsten Wochen?

Seit Dienstag ist die Mannschaft in der Winterpause, auch zwischen den Jahren ist trainingsfrei. »Es ist wichtig, dass jeder mal abschalten kann«, meint Breiler. Ab 6. Januar beginnt dann die Vorbereitung auf die Rückrunde. Am 9. Januar steht ein mit insgesamt sechs Drittligisten besetztes Vorbereitungsturnier in Hattersheim an. Ehe es dann ab 15. Januar wieder ernst wird: Das Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf bildet den Startschuss für drei Partien in Folge vor heimischer Kulisse.

Und freilich auch für die Jagd auf Platz sechs. Breiler sagt: »Das wird eine große Herausforderung, aber wir haben alle Chancen, es aus eigener Kraft zu schaffen.«

Florian Deis

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