Medaillenjäger mit Motivationsproblemen

  • schließen

BÜDINGEN - Normal ist anders. Das gilt auch für die zurückliegenden Monate der Leichtathletik-Zwillinge Juan-Sebastian und Juan-Esteban Kleta. Das Duo aus Büdingen musste wegen der Corona-Pandemie nicht nur auf viele Wettkämpfe verzichten. Die Sportler des TV Gelnhausen mussten sich zuletzt auch warm anziehen, weil sie bei eisigen Temperaturen unter freiem Himmel trainierten.

Dennoch blicken die 16-Jährigen optimistisch in die Zukunft.

Das hängt auch mit den Leistungen zu Beginn des vergangenen Jahres zusammen, als Corona noch ein Fremdwort war. Wenn die Kletas an einer Veranstaltung teilnehmen durften, glänzten sie in der Regel. Bei den Hessenmeisterschaften unterm Hallendach standen sie in ihrer Altersklasse mehrmals auf dem Siegertreppchen. Juan-Sebastian Kleta legte bei den Süddeutschen U18-Meisterschaften Gold im Sprint und Silber im Weitsprung sowie Bronze bei den Deutschen U20-Meisterschaften über 60 Meter nach. Zudem zauberte er zwei Bestzeiten aus dem Hut. Die 60 Meter legte er in 6,85 Sekunden zurück. Und die 7,40 Meter im Weitsprung sorgten deutschlandweit für Aufsehen.

Doch dann kam Corona. "Plötzlich war alles anders", erinnert sich Juan-Sebastian Kleta. Dabei hatten die Zwillinge noch Glück. Sie hatten sich, mussten nicht alleine trainieren. Zudem durften sie die Weitsprunganlage des Büdinger Wolfgang-Ernst-Gymnasiums nutzen. "Trotzdem ließ die Motivation ohne ein festes Wettkampfziel und das Feedback unseres Trainers Dominic Johnson immer mehr nach. Wir hielten uns zwar an die ausgegebenen Pläne und bekamen Verbesserungsvorschläge per Video. Aber das ersetzte nicht den normalen Ablauf mit direkten Anweisungen von Dominic", erklären die Realschüler. Der Negativhöhepunkt des ersten Lockdowns: Die abgesagten U18-Europameisterschaften in Rieti (Italien), auf die sich das Duo so gefreut hatte.

Trotz dieser Enttäuschung gingen sie bei den Hessischen Freiluft-Meisterschaften in Gelnhausen auf Medaillenjagd. Im August heimsten sie in der Altersklasse U 18 insgesamt drei Medaillen ein. Juan-Sebastian Kleta holte Gold im Weitsprung (7,03 Meter) und über 100 Meter (11,21 Sekunden). Bronze gab es für Juan-Esteban Kleta über 200 Meter. Die Uhr stoppte bei 23,53 Sekunden.

Richtig zufrieden war Juan-Sebastian Kleta trotzdem nicht. "Die Zeiten und Weiten stimmten nicht. Normalerweise laufe ich die 100 Meter unter elf Sekunden", sagt der zweifache Sieger, der zusammen mit seinem Bruder auf eine Teilnahme an den Deutschen Jugendmeisterschaften im September verzichtete. "Stattdessen stellten wir unsere Weitsprungtechnik um und trainierten diese intensiv", betont Juan-Esteban Kleta. "Mittlerweile klappt es richtig gut", ergänzt sein Zwillingsbruder.

Der zweite Lockdown traf und trifft das Duo nicht ganz so hart wie der erste. Aktuell trainieren die Büdinger in einer kleinen Gruppe in Gelnhausen. Und zwar unter freiem Himmel. Auch in den vergangenen Wochen - bei eisigen Temperaturen. "Weil in unserer Halle ein Impfzentrum aufgebaut wurde, mussten wir draußen trainieren. Das war aber kein Problem, wir haben uns dicker angezogen", so Juan-Sebastian Kleta. Zudem durften die Athleten des TV Gelnhausen zuletzt an einigen Einladungswettkämpfen für "Berufs- und Spitzensportler" teilnehmen, "weil wir zum Landeskader gehören".

Das ist jetzt aber vorbei. Der Fokus wird ab sofort auf die Freiluftsaison gelegt. "Wenn das Wetter besser wird und die Pandemie weitere Lockerungen zulässt, können wir vielleicht wieder mehr trainieren. Aktuell sind wegen Zeit- und Platzproblemen nur drei Einheiten pro Woche drin", berichten die Zwillinge, die zusätzliche Einheiten Kraftraum absolvieren.

Auf seine Ziele für die anstehende Freiluft-Saison angesprochen, sagt Juan-Esteban Kleta: "Ich möchte meine Zeit über 100 und 200 Meter verbessern. Über 100 Meter möchte ich die Elf-Sekunden-Marke knacken, über 200 Meter würde ich gerne 22,40 Sekunden laufen. Im Weitsprung sollen es mehr als sieben Meter werden. Irgendwann will ich mich auf die 200-Meter-Strecke spezialisieren. Es ist ein wunderschönes Gefühl, mit hohem Tempo aus der Kurve zu kommen."

Sein Bruder geht ohne konkrete Bestmarken-Ziele in die kommenden Monate. "Das vergangene Jahr hat neben der Motivation auch Leistungsfähigkeit gekostet. Ich will an die alte Form anknüpfen und dann schauen, welche Wettkämpfe überhaupt stattfinden", sagt Juan-Sebastian Kleta. Denn: Normal ist die Lage in der heimischen Sportwelt immer noch nicht.

Das könnte Sie auch interessieren