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Der Dauernheimer Marius Abele auf Rekordjagd.

Marius Abele zündet »virtuelles« Feuerwerk

Dauernheim (ars). Der für den SSC Hanau-Rodenbach startende Dauernheimer Marius Abele hat beim 46.Silvesterlauf des TV Oberrodenbach den Glanzpunkt gesetzt. Der 21-jährige Langstreckenläufer unterbot im Zehn-Kilometer-Wettbewerb den Streckenrekord seines Vereinskameraden Jörn Harland von 33:05,9 Minuten deutlich, als er nach 32:32 Minuten mit geballter Faust ins Ziel stürmte.

Dass die 2009 aufgestellte Bestmarke Harlands jenseits der 33 Minuten dennoch in der offiziellen Rekordliste Bestand haben wird, lag an der erneuten »virtuellen Ausrichtung« des TVO-Silvesterlaufs.

Kuzfristig Strich durch die Rechnung

»The same procedure as last year« - zumindest von organisatorischer Seite aus musste dieses doch eher bedauerliche Resümee gezogen werden, denn wie schon zum Jahresausklang 2020 machte die Corona-Pandemie dem TV Oberrodenbach mit Veranstaltungsleiter Michael Marquardt einen ebenso kurzfristigen wie dicken Strich durch die Rechnung. »Die deutlich gestiegenen Infektionszahlen und die behördliche Vorgabe von maximal 250 Personen bei unserer Freiluft-Veranstaltung ließen keinen normalen Silvesterlauf zu«, erklärte Marquardt, der gute Miene zum bösen Spiel machte, sich damit tröstete, dass er jedenfalls nicht verantwortlich sein würde für eine etwaige Ausbreitung des Virusgeschehens.

Hatte Marquardt also noch kurz vor Weihnachten die Startzusagen der zur nationalen Elite zählenden Lukas und Marius Abele sowie der Gelnhäuser Zwillingsbrüder Kleta gefeiert, wählte er nach den Feiertagen gemeinsam mit seinem Veranstaltungsteam den Weg über die »virtuelle Ausrichtung«. Die Agentur der »Helden des Sports« ermöglichte auf ihrer Internet-Plattform den Eintrag der Laufzeiten über Schülerstrecken ab 625 Meter sowie für Jugendliche und Erwachsene über 5,45 und zehn Kilometer, die zwischen dem 27.Dezember und dem Silvestertag auf dem vom TV Oberrodenbach ausgeschilderten Rundkurs in Eigenregie der Sportler erzielt wurden.

Gut 100 interessierte Läufer

2020 waren es mehr als 370 Eintragungen aus diesen fünf Lauftagen, dieses Jahr machten gut 100 Interessierte zwischen sechs und 69 Jahren davon Gebrauch. Dabei hätten bei offizieller Durchführung wohl frühere Rekordzahlen im Bereich von 600 Teilnehmern erzielt werden können, denn Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen sorgten für beste äußere Bedingungen und vermittelten abseits des Corona-Dilemmas das gute Gefühl des Zusammenhalts innerhalb der großen Läuferfamilie, die wieder aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet nach Oberrodenbach gekommen war. So wie die 1996er-Olympiateilnehmerin Petra Wassiluk (Darmstadt), die nach der Absage des Frankfurter Silvesterlaufs kurzentschlossen mit der Bad Homburgerin Franziska Baist im Rodenbacher Wald das Jahresabschluss-Training absolvierte.

Für Marius Abele war es dann doch schon qualitativ hochwertiger als »nur« Training. Von Beginn an zeigte sich der amtierende deutsche 10000-Meter-Vizemeister der U23-Junioren hochkonzentriert, lieferte sich auf den abwechslungsreichen Waldwegen mit seinem älteren Bruder Lukas ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das er nach dem Abbiegen des Bruders ins 5,45-Kilometer-Ziel (17:35 Minuten) fortan im Alleingang als Kampf gegen die Uhr fortsetzte. »Die Kilometerzeiten waren kontinuierlich zwischen 2:55 und 3:10 Minuten, außer natürlich am Moby Dick«, freute er sich über den bislang schnellsten Lauf in Oberrodenbach. Den als »Moby Dick« allseits bekannten Zehn-Prozent-Anstieg von 600 Metern Länge absolvierte Marius Abele immerhin beide Male so flott, dass auch diese Kilometerzeiten schneller als »Vierer-Schnitt« ausfielen und er die 33-Marke-Marke also deutlich unterbieten konnte. »Im letzten Jahr bin ich hier ebenfalls ohne offiziellen Wettkampf 33:01 Minuten gelaufen, jetzt schneller. Die Form stimmt also. Im Mai hoffe ich auf eine 10000-Meter-Stadionzeit um 29:30 Minuten«, so Abele, der dann bei den deutschen U23-Meisterschaften wieder um die Medaillen mitlaufen möchte.

Lukas Abele siegt über 5,45 Kilometer

Ob der Weg des im Jahresvergleich ebenfalls verbesserten 5,45-Kilometer-Siegers Lukas Abele sogar bis zur Leichtathletik-Europameisterschaft nach München führen wird, ist aktuell zwar noch ungewiss. Mit seiner 1500-Meter-Bestzeit von 3:39 Minuten zählt er seit 2021 aber zumindest zum erweiterten Kandidatenkreis des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) und schöpft bei kraftausdauerlastigen Einsätzen wie in Oberrodenbach das Selbstvertrauen für noch folgende anaerobe Wettkampfeinsätze auf der Mittelstrecke. Bereits in zwei Wochen tritt er bei den hessischen Hallenmeisterschaften in Erscheinung.

Mit am Start für den LLT Wallernhausen: Hilke Bertschy-Abele in 31:15 Minuten und Michael Abele in 26:46 Minuten, während Markus Riedl für die Wallernhäuser auf die Zehn-Kilometer-Strecke setzte und in 49:36 Minuten überzeugte. Günter Pressler (LG Altenstadt) lief 1:01:16 Stunden.

Die schnellste Frau in der virtuellen Zehn-Kilometer-Wertung war Lea Blandamura (Paradieschen-Team/SSC) mit 45:27 Minuten. Bei den Männern reihten sich hinter Marius Abele dessen jugendlicher Teamgefährte Noah Blandamura (37:40 Minuten) sowie Philip Ahne (38:48 Minuten) aus Nidda ein. Im Seniorenbereich stark unterwegs waren Matthias Basile (TV Oberrodenbach/43:07 Minuten), Jörg Alff (Langenselbold/43:22 Minuten), Sascha Schimpfermann (Hanau/44:44 Minuten) und über 5,45 Kilometer der 69-jährige Dr.Hubert Müller (Selbolder Raal/30:14 Minuten).

Den Start bei »seinem Silvesterlauf« wollte sich letztlich auch Michael Marquardt nicht nehmen lassen. Nachdem er in den Tagen zuvor und auch an Silvester immer wieder auf der Strecke nach dem Rechten geschaut hatte, schnürte er als einer der letzten Teilnehmer noch selbst die Schuhe und war nach 1:01:05 Stunden wieder zurück im Ziel.

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