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Lebensrettendes Engagement

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Der Glauberger Björn Reichert (links) ist Stammzellenspender zugunsten eines an Leukämie erkrankten Menschen. Sein Vater Peter verdankt einer Stammzellenspende die Heilung von seiner Krankheit. © Frank Schneider

»Schon mal jemand das Leben gerettet?«, heißt es in einem Slogan der DKMS gemeinnützige GmbH (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei). Der Gruppenligafußballer Björn Reichert aus Glauberg kann dies vielleicht irgendwann bejahen. Der derzeit verletzte Stürmer der SG Marköbel ließ vor wenigen Tagen tapfer eine Stammzellenentnahme zugunsten eines an Blutkrebs (Leukämie) erkranken Menschen über sich ergehen.

Der 26-Jährige, der vor seinem Wechsel zur SG Marköbel im Jahr 2020 mehrere Jahre für den Büdinger Kreisoberligisten Germania Ortenberg aktiv war, sagt: »Ich war überrascht, als der Anruf von der DKMS kam, aber für mich war sofort klar, dass ich das mache.« Die gemeinnützige Organisation DKMS übernimmt die Registrierung von Stammzellspendern, mit dem Ziel, weltweit Blutkrebspatienten mit einer Stammzelltransplantation eine Heilung zu ermöglichen.

Wer um die familiären Hintergründe weiß, der versteht sofort, warum der junge Fußballer keine Sekunde gezögert hat. Björn Reichert war zwölf Jahre alt, als sein Vater Peter mit damals 54 Jahren die Diagnose Blutkrebs erhielt. Es folgten mehre Runden Chemo-Therapien und Bestrahlungen, Rückfälle ließen für das Familienoberhaupt das Schlimmste befürchten. Anderthalb Jahre nach der Diagnose dann die gute Nachricht: Ein passender Stammzellenspender war für Peter Reichert gefunden und mit ihm der Lebensretter für den heute 68-jährigen pensionierten Bankkaufmann.

Zwei Jahre lang nach der Spende hält die DKMS die persönlichen Daten unter Verschluss, erst danach dürfen sich Spender und Empfänger kennen lernen. Vorher ist lediglich ein anonymer Schriftverkehr über die DKMS möglich. Peter Reichert erfuhr nach seiner Heilung, dass er sein Leben einem jungen Mann aus Hamburg zu verdanken hat. Längst haben die beiden Bekanntschaft geschlossen.

»Wir teilen nicht nur die Stammzellen, sondern auch unsere gemeinsame Leidenschaft für den HSV«, schmunzelt der Glauberger.

Auch Björn Reichert möchte später wenn möglich wissen, wem er genau seine Stammzellen gespendet hat. Bislang weiß er nur, dass er für eine über 30-jährige Frau aus Deutschland Blut abgezapft bekam. »Ich hoffe, dass die Zellen angenommen werden«, sagt der junge Heilerziehungspfleger. Sein Einsatz soll sich schließlich gelohnt haben. Mehrere ärztliche Vorgespräche und letztendlich der ambulante Eingriff in Frankfurt waren nötig - Knochenschmerzen, Kopfweh und Rückenschmerzen im Vorfeld der Entnahme vom 26-Jährigen zu ertragen. Geplant waren für den Eingriff im Frankfurter Blutspenderzentrum drei bis fünf Stunden, doch schon nach zwei Stunden wurde Björn Reichert erlöst. »Mein Sohn hatte zum Glück reichlich Zellen«, berichtet Peter Reichert. Dass ein Vater einer Stammzellenspende sein Leben verdankt und nun der Sohn einer anderen Person womöglich auf dem gleichen Weg entscheidend helfen kann, ist ein sehr großer Zufall. Die Wahrscheinlichkeit, dass in der DKMS-Datei ein passender Spender außerhalb der eigenen Familie auftaucht, ist nämlich sehr gering. Für viele Erkrankte kann kein Spender gefunden werden. Aber es ist eben möglich. »Ich kann nur jedem empfehlen, sich bei der DKMS registrieren zu lassen«, sagt Björn Reichert. Er selbst ist seit seinem 18. Lebensjahr dort gelistet. Als Spender wird er nun für zwei Jahre gesperrt, beziehungsweise für den jetzigen Spendenempfänger reserviert, falls es bei dieser Person Komplikationen gibt und womöglich eine erneute Stammzellenübertragung nötig werden könnte.

Aus seinem Freundeskreis erhielt Björn Reichert viel Zuspruch, auch aktuelle und ehemalige Fußballkameraden aus Marköbel und Ortenberg zollten dem Stürmer Respekt. Apropos Fußball: Wegen einer langwierigen Verletzung an der Patella-Sehne fehlt Reichert der SG Marköbel in der Gruppenliga Frankfurt Ost schon die gesamte Rückrunde. Trainer Wolfram Rohleder bedauert das, denn er schätzt nicht nur die menschlichen Qualitäten des Offensivspielers, sondern auch dessen Fähigkeit, dank seiner Schnelligkeit eine gegnerische Abwehr in Verlegenheit zu bringen. »Björn fehlt uns sehr. Er hatte sich sehr gut entwickelt und in der Vorrunde gute Spiele gemacht und auch einige Tore geschossen«, sagt Rohleder. Dass sein Spieler sich zur Stammzellenspende entschieden habe, findet der Trainer einfach nur klasse.

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