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Kösling setzt auf die Rams

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Im vergangenen Jahr holte der mittlerweile zurückgetretene Tom Brady (Nummer 12) seinen siebten Titel. In der Nacht zum Montag wird Bradys Nachfolger gesucht. © DPA Deutsche Presseagentur

Hainchen/Los Angeles (tfr). Spektakuläre Spielzüge, oftmals Spannung bis zur letzten Sekunde, charismatische Spieler, taktische Raffinessen und eine sensationelle Halbzeitshow mit den Topstars der Musikbranche - in der Nacht von Sonntag auf Montag sitzen wieder circa zwei Millionen American-Football-Fans vor den Bildschirmen. Thomas Kösling aus Hainchen lässt sich das Super-Bowl-Spektakel ebenfalls nicht entgehen.

Der Cheftrainer der Frankfurt Galaxy analysiert für den Kreis-Anzeiger das große Finale zwischen Gastgeber Los Angeles Rams und den Cincinnati Bengals. »Es ist ein Super Bowl, den auf den ersten Blick in dieser Form kaum jemand erwartet hätte. Vor allen die Finalteilnahme der Bengals ist auch auf den zweiten Blick sportlich kaum erklärbar, aber vielleicht deswegen auch umso schöner. Das erklärt die Erfolgsgeschichte der NFL. Denn im Gegensatz zu anderen - und vor allem in Europa beliebten - Sportarten gibt es in der NFL jedes Jahr die reelle Chance eines Überraschungssiegers«, erklärt der 38-Jährige, der mit den Galaxy im September Geschichte schrieb und den ersten Titel in der neuen European League of Football holte.

Cincinnati Bengals

Die Bengals sind die großen Außenseiter in diesem Spiel. Ein junges und unerfahrenes Team mit zweifelsohne viel Talent, das sich eigentlich gerade erst in der Aufbauphase befindet, um sich in den nächsten Jahren zu einem absoluten Spitzenteam zu entwickeln. Umso eindrucksvoller scheint die große Abgeklärtheit, mit denen die Bengals das beste Team der AFC, die Tennessee Titans, und eine Woche später den für viele gehandelten Top-Favoriten, die Kansas City Chiefs, um Superstar Patrick Mahomes aus dem Rennen warfen. Ohne Anflug von Panik oder Angst konnten zwei Schwergewichte der diesjährigen Saison in der Verlängerung bezwungen werden. Und das, obwohl die Bengals in beiden Spielen einem Rückstand hinterherlaufen mussten.

Stärken & Schwächen: Die absolute Stärke des Teams ist der Passangriff um die beiden Aushängeschilder und kommenden Superstars der NFL, Quarterback Joe Burrow und Jamaar Chase. Beide Spieler gewannen schon zusammen die renommierte College-Meisterschaft und konnten auch in ihrem ersten gemeinsamen NFL-Jahr unter Beweis stellen, dass ihnen die Zukunft gehört. Chase stellte unter anderem für die meisten erzielten Yards eines Neulings einen neuen NFL-Rekord auf. Angeführt von diesen beiden Ausnahmeathleten landeten die Bengals in fast allen wichtigen Angriffskategorien unter den Top Ten der gesamten Liga. Um aber tatsächlich eine wirklich Chance zu haben, muss das Passspiel der Bengals funktionieren. Und darin liegt vielleicht auch das größte Problem. Die große Schwachstelle sind nämlich die schweren Jungs, die sogenannte Oline. Sie sorgen in der Regel dafür, die nötigen Räume für das Laufspiel frei zu blocken und dem Quarterback beim Passspiel die notwendige Zeit zu verschaffen. Letzteres funktioniert dabei leider nicht immer so gut.

Los Angeles Rams

Vor drei Jahren standen die Rams das letzte Mal im Super Bowl und hatten gegen die New England Patriots um Tom Brady nicht den Hauch einer Chance. Diese schmerzhafte aber auch lehrreiche Erfahrung nutzten sie, um in den darauffolgenden Jahren alles auf eine Karte zu setzen: die Super-Bowl-Teilnahme im eigenen Stadion. Diesen Plan untermauerten sie mit spektakulären Spielerverpflichtungen von NFL-Superstars wie Passverteidiger Jalen Ramsey, um die Schwachstellen des eigenen Teams maßgeblich zu verbessern. Der wichtigste Baustein wurde aber erst direkt vor dieser Saison hinzugefügt. In einem spektakulären Trade wurde Quarterback Matthew Stafford von den Detroit Lions verpflichtet. Damit war die Marschrichtung vorgegeben. Der Super Bowl führt nur über die LA Rams - und diese setzen alles auf eine Karte.

Stärken & Schwächen: Von großen Schwächen kann man bei dieser Mannschaft kaum reden. Die größte Stärke ihres Angriffs sind aber zweifelsohne die Wide-Receiver. Odell Beckham Jr. gehört zu den besten und schillerndsten Figuren im American Football, wird aber noch von einem Mann überstrahlt, der nicht von wenigen als der kommende Super-Bowl-Superstar angekündigt wird: Wide Receiver Cooper Kupp, der bereits zum besten Angriffsspieler der Liga gewählt wurde. Es wird die große Frage sein, ob die Bengals diese Angriffsmaschinerie stoppen können. Falls sie es schaffen, kommt aber schon das nächste Problem auf sie zu: die Defense - und vor allem die Defense Linie der Rams. Unter anderem spielt dort der von vielen als bester Defensive Tackle aller Zeiten angesehene Aaron Donald. Donald sorgt regelmäßig für Chaos und verbreitet Schrecken in der gegnerischen Offense Line und bei den generischen Quarterbacks.

Fazit: Die Rams stellen das komplettere Team und sind klar favorisiert. Beide Offensivreihen haben ihre Superstars und wir können uns auf spektakuläre Aktionen und Punkte freuen. Der entscheidende Faktor wird aber das Duell der Defensive Line der Rams gegen die schwache Offensive Line der Bengals werden. Sollten es die Bengals nicht schaffen ihren Quarterback zu beschützen, wird es ein langer Abend. Das Schöne an der NFL ist aber, dass es viele Wege gibt ein Spiel zu gewinnen. Genau das haben die Bengals schon oft bewiesen. Sie finden Wege, um im Spiel zu bleiben. Und besitzen am Ende die nötige Nervenstärke, um diese Partie dann auch zu gewinnen.

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Thomas Kösling mit der European-League-Trophäe. © Torben Frieborg

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