Knüppel zwischen den Jugendfußball-Beinen

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Das ist kein Kommentar. Das ist kein Statement, das ist keine Beurteilung der aktuell geltenden Regeln. Denn sie sind zwar bekannt, man könnte sie vermutlich auch irgendwie verstehen, aber ist es das wert?Es war zu erwarten, dass das Training für Kinder und Jugendliche vom Bundesnotbremsen-Gesetz auch wieder ausgebremst werden würde. Vorab sei betont, dass alles, was jetzt mit strikteren Maßnahmen dazu beiträgt, diesen 13-monatigen Ausnahmezustand zu verkürzen, oder für ein Licht am Ende des Tunnels zu sorgen, nur begrüßt werden kann.

Aber, und das muss auch gesagt werden, es kann nicht sein, dass das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird und man dann noch frech erklärt bekommt, es sei genügend Wasser in der Wanne. So viel Metaphorik muss sein. Denn rein faktisch wird per Notbremse der Sport im Freien einmal mehr gegen jede wissenschaftliche Expertise verboten, nur dass diesmal der Vorgang noch bigotter abläuft. Wer sich die Regeln durchliest, die von nun an gelten, der weiß, dass es nur eine Scheinverbesserung gegenüber den viel zu lange geltenden Maßnahmen ist. Sportverbänden, Vereinen und Ehrenamtlichen wird ein Leckerli hingeworfen, das sie aber nicht runter bekommen, weil es vergiftet ist. Das Alter, für das das Training (in 5er-Gruppen) erlaubt bleibt, wurde noch einmal von 14 auf 13 abgesenkt, die älteren Jahrgänge dürfen nur in Zweiergruppen trainieren. Alles kontaktlos. Hinzu kommt, dass Trainer und Betreuer einen tagesaktuellen negativen Corona-Test vorweisen müssen. Unterworfen ist das alles zudem einem (schwankenden) Inzidenzwert, der zu weiteren Verunsicherungen führt.Wer sich irgendwann Gedanken darüber gemacht hat, wie Ehrenamt funktioniert, der weiß, dass es unter diesen Umständen nicht möglich ist, es durchzuführen. Das ist Kalkül. Der nun vorgegebene Rahmen für das Kinder- und Jugendtraining ist eine Beruhigungspille. Auf deren Packungsbeilage steht: Wir tun so, als hätten wir euch nicht vergessen, machen es euch aber so schwer, dass sich der Aufwand nicht lohnt. Das nennt man auch: Knüppel zwischen die Beine werfen.Was nicht auf dem Beipackzettel steht: Wir haben den Aerosolforschern zugehört, die Erfahrungen mit Training zum Beispiel in den Niederlanden miteinbezogen und verstanden, dass Sport im Freien nicht Teil des Problems, sondern der Lösung ist. Ehrlicher wäre es gewesen, alles komplett zu schließen, anstatt die Bemühungen der Ehrenamtlichen auf diese Art lächerlich zu machen. Und damit auch die Kinder vor den Kopf zu stoßen. Rüdiger Dittrich

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