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Kein Profi, aber ein »Sechser im Lotto«

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Gian-Luca Klahr (links) und Teamkollege Jonas Jacobi wollen den Schuss von Gederns Leon Mehic (rechts) blocken. © Ralph Lehmberg

Der Weg von Gian-Luca Klahr schien in den Profibereich zu führen. Zwei Meniskusrisse machten einen Strich durch die Rechnung des aktuellen Oberauer Torhüters. Zudem fehlten ein paar Zentimeter.

Der in Gelnhaar lebende Gian-Luca Klahr schnürte seine Fußballschuhe erstmals mit drei Jahren. »Anfangs spielte ich für die KSG Usenborn sogar noch im Feld. Irgendwann ging ich aber, auch weil es bei uns in der Familie liegt, zwischen die Pfosten.« Und dort machte es der junge Schlussmann so gut, dass er mit zehn Jahren zu Kickers Offenbach wechselte. Für Klahr die erste Bestätigung, »dass ich im Tor nicht der Schlechteste bin«.

Mit dem OFC räumte er schließlich drei Hessenmeisterschaften und zwei Hessenpokalsiege ab. »Im DFB-Pokal durften wir leider nie spielen, weil wir nach dem Triumph als Jahrgangsältere immer in die nächste Altersklasse aufrücken mussten.« Trotzdem bleiben dem Torhüter viele unvergessliche Momente in Erinnerung. Beispielsweise das Bundesliga-Jahr mit den B-Junioren, »als wir bei Bayern München in Nürnberg und Stuttgart spielten und fast jede Auswärtsfahrt mit Übernachtung gebucht wurde«. Besonders interessant sei das Match in Augsburg gewesen. »Damals spielten wir im alten FC-Stadion, das 30 000 Zuschauer fasste.«

Als A-Jugendlicher legte Klahr ein Hessenliga-Jahr bei der U19-Mannschaft der SG Rosenhöhe ein. »Ich hatte damals drei Torhüter Jahrgang 1999 vor mir. Da hätte ich als Keeper, der 2000 geboren wurde, nicht so viel Einsatzzeit bekommen.« Eine Saison später kehrte Klahr zurück und führte die Kickers-A-Jugend 27 Spieltage lang Richtung Bundesliga-Aufstieg.

Dann der erste Rückschlag. »Ich zog mir im Training einen Meniskusriss zu, verpasste die heiße Saisonendphase inklusive Aufstiegs-Relegation und Pokalsieg.« Immerhin: Im zweiten Relegationsspiel zur Bundesliga gegen Elversberg wurde er kurz vor Schluss eingewechselt, um Teil der Aufstiegsmannschaft zu sein. »Das war ein Dankeschön an mich. Fit war ich nämlich noch nicht.«

Fast noch bitterer für Klahr: Er erhielt keinen Anschlussvertrag in Offenbach und wechselte schließlich in den Seniorenbereich zum damaligen Hessenligisten FV Bad Vilbel. Aber auch dort lief es nicht wie gewollt. Und ein zweiter Meniskusriss im Februar 2020 beendete endgültig den Traum vom hochklassigen Fußball.

»Ich konsultierte damals viele Ärzte. Training auf Profi-Niveau hätte meinem Körper geschadet. Ein künstliches Kniegelenk nach der Karriere sei nicht auszuschließen gewesen.«

Sicherlich hätte es der Fan des FC Schalke 04 riskieren können, noch einmal voll anzugreifen. »Aber ich entschied mich dafür, aus meinem Berufswunsch ein Hobby zu machen und ein zweites Standbein aufzubauen.«

Gian-Luca Klahr bleibt in Oberau

Der ehemalige Junioren-Bundesligaspieler wechselte schließlich im Sommer 2020 zum Gruppenligisten Sportfreunde Oberau und drückt seither wieder die Schulbank. »Während meiner Zeit als OFC-Spieler habe ich die Schule etwas vernachlässigst. Ich durfte schon als 14-Jähriger mit den Profis trainieren. Und wenn das Training morgens angesetzt war, fiel schon mal eine Stunde Religion oder Bio aus. Das hole ich jetzt nach und stecke gerade mitten im Fachabitur-Prüfungsstress«, berichtet Klahr, der im Anschluss eine Ausbildung in der Immobilienbranche anstrebt. »Das wird mich sicherlich noch drei Jahre beschäftigen. In dieser Zeit steht der Beruf klar im Vordergrund.«

Fußballerisch geht es für den 21-Jährigen bei den Sportfreunden Oberau weiter. »Ich habe für die kommende Saison zugesagt. Auch wenn wir in die Kreisoberliga Büdingen absteigen sollten«. Dann wäre der sofortige Wiederaufstieg das Ziel. Zuvor will Klahr mit seinen Jungs aber den Kreispokal verteidigen und am 26. Mai erneut den FC Alemannia Gedern im Finale schlagen. »Das waren einfach drei schöne Tage nach dem Pokalsieg im vergangenen Jahr. Allgemein ist die Kameradschaft top. Ich fühle mich in Oberau sehr gut aufgehoben.« Ein weiterer Pluspunkt: der Bau der Kunstrasenplätze. »Das ist das letzte Puzzleteil für eine erfolgreiche Oberauer Zukunft. Autobahnnähe und gute Jugendarbeit sind schon vorhanden, die Infrastruktur passt.«

Ein paar Zentimeter fehlen zum Glück

Spielausschusschef Peter Kuhl freut sich, dass er weiter auf seinen Keeper setzen kann. »Im Kreis Büdingen und der Gruppenliga gibt es auf der Linie keinen Besseren. Eigentlich war Gian-Luca zu Höherem berufen. Leider spielte seine Größe nicht mit, weshalb ihm in Sachen Strafraumbeherrschung vielleicht 30 Prozent im Vergleich zu den Toptorhütern fehlen. Für uns ist er natürlich ein Sechser im Lotto.«

Klahr weiß ebenfalls, dass ihm vielleicht ein paar Zentimeter fehlen. »Das Hauptproblem war, dass ich schon im C-Juniorenbereich 1,81 Meter groß war. Ich spielte Hessenauswahl, gehörte zu den besten Torhütern meines Jahrgangs. Während alle anderen danach noch mal einen Schuss nach oben machten, blieb ich leider bei 1,81 Meter hängen.« Natürlich mache er aufgrund seiner Sprungkraft einiges wett. »Wäre ich etwas größer, würde ich trotzdem noch mehr Bälle halten und Flanken abwehren.« Das Größen-Problem bemerkte er schon bei Probetrainings in Sandhausen und Mainz. »Andere waren nicht besser, aber dafür 1,93 Meter groß.«

Sicherlich trauert Klahr hier und da der verpassten Profi-Chance nach, zumal er im Juniorenbereich schon mehrere Jahre Vertragsspieler war. »Dann schaue ich mir Bilder und Videos von früher an. Oder das C-Jugend-Weltrekordspiel vor 8000 Zuschauern mit Offenbach auf Youtube.«

Dennoch habe er unter dem Strich alles richtig gemacht, auch wenn ehemalige Kollegen wie Maurice Malone (1. FC Heidenheim) oder Luca Bazzoli (Kader VfB Stuttgart) ein paar Klassen höher spielen.

Von Torben Frieborg

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