Janos Sarlais Fußball-Herz schlägt für Ungarn

  • schließen

KONRADSDORF/RINDERBÜGEN - Janos Sarlai muss nicht lange überlegen: Wenn Deutschland am Mittwochabend im dritten Gruppenspiel der Fußball-Europameisterschaft auf Ungarn trifft, "schlägt mein Herz für Ungarn". Für sein Heimatland - in dem er geboren wurde, aufwuchs und bis 2005 lebte.

Als junger Bursche stand der heutige Spielertrainer des Büdinger B-Ligisten BV Rinderbügen bei Diosgyöri VTK unter Vertrag. Der Verein aus der Stadt Miskolc, die im Norden Ungarns liegt, spielte in der ersten Liga. "Mit 17 stieß ich zu den Senioren, absolvierte dort bis zu meinem 19. Lebensjahr aber nur zwei Partien in der ersten Mannschaft." Sarlai wechselte schließlich den Verein, kickte danach in der zweiten und dritten ungarischen Liga.

Mit 26 verließ er sein Heimatland. "Die Lebensumstände in Ungarn waren damals sehr schwierig. Über Freunde knüpften wir Kontakte nach Bindsachsen. Zwei Kollegen und ich wagten schließlich den Schritt", erinnert sich Sarlai. Danach ging alles ganz schnell: Der heute 42-Jährige spielte für die SG Bindsachsen in der Kreisoberliga Büdingen Fußball, suchte sich einen Job und heiratete. "Bereut habe ich all das nicht. Ich fühle mich hier wohl." Mit seiner damaligen Frau ist er allerdings nicht mehr verheiratet.

In den vergangenen Jahren lernte Sarlai viele Fußball-Vereine kennen. Nachdem ein Wechsel zu einem Verbandsligisten geplatzt war, heuerte er unter anderem als Spielertrainer bei der SG Hettersroth/Burgbracht, dem SV Ober-Lais und der SG Büches/Orleshausen/Rohrbach an. Aktuell ist der in Konradsdorf lebende und für die Gesamtschule Konradsdorf arbeitende Hausmeister Spielertrainer in Rinderbügen. "Wir haben eine tolle Gemeinschaft und eine sensationelle Trainingsbeteiligung. Unser Ziel muss sein, in den kommenden Jahren in die A-Liga aufzusteigen."

Und das EM-Ziel für Ungarn? "Wir gewinnen am Mittwoch 3:2 gegen Deutschland, überstehen somit die Vorrunde und ziehen vielleicht mit etwas Glück ins Halbfinale ein", hofft Sarlai. Mut machen ihm die ersten beiden Auftritte der Mannschaft von Trainer Marco Rossi. "Die Jungs sind läuferisch und kämpferisch sehr stark, geben nie auf. Das hat man speziell beim 1:1 gegen Weltmeister Frankreich gesehen." Ungarn habe auch gegen Portugal (0:3) ordentlich gespielt. "Die drei Gegentore in der Schlussphase waren ärgerlich." Im Duell mit Deutschland setzt Sarlai auf Torhüter Peter Gulacsi und Stürmer Adam Szalai, der den Ball unheimlich gut abschirme und bis zum Umfallen kämpfe. "Adam steht für das typische ungarische Spiel. Wir kommen über unsere Kraft und Athletik, während Deutschland viel Wert auf Taktik legt." Dennoch ist Sarlais Respekt vor der DFB-Elf groß. "Das 4:2 gegen Portugal war ein richtig gutes Spiel. Dass Thomas Müller verletzt ausfällt, ist nicht unbedingt ein Nachteil. Dann spielt eben Leon Goretzka, der vielleicht sogar noch etwas stärker ist."

Das Spiel schaut Sarlai mit deutschen und ungarischen Freunden. "Wobei die Ungarn-Fans in Unterzahl sein werden", sagt der 42-Jährige. Immerhin steht ihm sein elfjähriger Sohn Arigo zur Seite: "Normalerweise halte ich zu Deutschland. Aber diesmal drücke ich zusammen mit meinem Papa die Daumen für Ungarn."

"Den besten Fußball", betont Sarlai, "spielt aktuell die Niederlande. Die werden zu 90 Prozent Europameister." Sarlai, der noch zwei Stiefsöhne hat, macht aber auch Fußball-Deutschland etwas Hoffnung: "Falls Deutschland heute doch punkten oder als Gruppendritter die Vorrunde überstehen sollte, wird sich die Truppe von Jogi Löw weiter steigern und am Ende Europameister."

Das könnte Sie auch interessieren