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Leonie Hutin (rechts) und Hanna Niebergall (links) packen kraftvoll zu und nehmen die Mainzerin Rugile Bartaseviciute in die Zange.

3. Liga Frauen

Ins kalte Wasser geworfen: Leonie Hutin steht bei HSG Gedern/Nidda plötzlich in der ersten Reihe

Von der Bank aus in die erste Reihe: Hinter Kreisläuferin Leonie Hutin liegen aufregende Wochen bei Frauenhandball-Drittligist HSG Gedern/Nidda - und die könnten weitergehen.

Gedern/Nidda . Ein Wurf ins kalte Wasser? »Ja, das war es tatsächlich«, lacht Leonie Hutin, wenn sie an die vergangenen Wochen zurückdenkt. In denen sie bei den Drittliga-Handballerinnen der HSG Gedern/Nidda - im Grunde von heute auf morgen - von der Bank aus in die erste Reihe rückte. Freilich eine Momentaufnahme, die im Ausfall von Klara Engel begründet war. Und doch: Wenn die Wetterauerinnen am Samstagabend (18 Uhr, Gymnasiumhalle Nidda) den TuS Königsdorf zu Gast haben, möchte die junge Kreisläuferin gerne erneut ihren Anteil zum Erfolg beitragen.

Erstes Tor für die HSG Gedern/Nidda am vergangenen Wochenende

Das tat Hutin in den zurückliegenden drei Partien insbesondere in der Deckung, in Rotation mit Yeruti Krauß aber auch offensiv am Kreis. Bei der Auswärtsniederlage in Eddersheim rückte die 18-Jährige erstmals in die Startformation, ersetzte im Innenblock die verletzungsbedingt fehlende Engel. Beim Heimerfolg gegen Mainz 05 II agierte sie ebenso in der defensiven Schaltzentrale, beim jüngsten Sieg in Köln durfte sie - obgleich Engel wieder dabei war - rund eine halbe Stunde aufs Parkett, erzielte dort sogar ihr erstes Tor für die Spielgemeinschaft. »Leonie hat das gut gemacht«, lobt Trainer Christian Breiler.

»Zwischen Hanna Rösner und Hannah Niebergall habe ich mich sicher gefühlt, durch die beiden war es deutlich einfacher«, erzählt Hutin über ihre Nebenleute in der Deckung. Insbesondere Mittelblockerin Rösner, trotz erst 24 Lenzen bereits drittligaerfahren, nahm den Youngster an die Hand. »Hanna leitet mich super, sie sagt mir, was ich machen, wann ich vor und wann zurückgehen soll. Das macht sie auch im Training. Da bin ich ihr sehr dankbar.«

Leonie Hutin war eigentlich noch eine Saison für die A-Jugend vorgesehen

Es steht außer Frage, dass sich Hutin erst noch an die Geschwindigkeit und an die Härte auf Drittligaebene gewöhnen muss. Eigentlich - so der ursprüngliche Plan - sollte die Langenselbolderin, die seit Sommer 2020 bei der HSG mittrainiert, diese Saison auch noch A-Jugend spielen.

Ich muss lernen, aktiver zu werden, früher ein, zwei Schritte herauszugehen. Ich warte einfach noch zu sehr bei der Sechs-Meter-Linie.

Leonie Hutin

Allein: Ein Sammelsurium unglücklicher Umstände verhindert dies. Ihre Mannschaft, die JSG Buchberg, zog aus Mangel an Spielerinnen zurück. Dann sollte sie für die A-Jugend der HSG Rodgau Nieder-Roden auflaufen, trainierte dort sogar bereits mit. Weil aber Gedern/Nidda selbst die weibliche A-Jugend zurückzog, war das Gastspielrecht für Nieder-Roden per Reglement passé. »Dass diese Regel existiert, wusste keiner. Das ist sehr ärgerlich«, sagt Breiler. »Ich hätte gerne noch mal Jugend gespielt und die Spielpraxis mitgenommen«, bedauert Hutin, die nächstes Jahr ihr Abitur (Leistungskurse Sport und Französisch) bauen wird.

Nun geht sie stattdessen ihre ersten Schritte im Frauenhandball. Und merkt, dass dort ein anderer Wind weht. »Christian sagt immer, in der Jugend spielt man keine richtige Abwehr. Da muss ich ihm im Nachhinein recht geben«, lacht Hutin. Die ihre Defensivstärke dank 1,79 Meter Körpergröße insbesondere im Blockspiel hat, also dann, wenn der Gegner sein Glück aus der zweiten Reihe versucht. In Köln etwa entschärfte sie so zwei, drei Würfe. Sie weiß aber auch: »Ich muss lernen, aktiver zu werden, früher ein, zwei Schritte herauszugehen. Ich warte einfach noch zu sehr bei der Sechs-Meter-Linie.«

Mit Selbstvertrauen gegen den Aufsteiger aus Königsdorf

Ein Problem ist das gerade gegen flinke Eins-gegen-eins-Spielerinnen. »Wir wollen Leonie aufbauen, da ist viel Potenzial vorhanden«, sagt HSG-Coach Breiler. »Das ist bei ihr ein Prozess, der ganz am Anfang ist. Aber mit ihrer Entwicklung, Einstellung und ihrem Ehrgeiz bin ich voll zufrieden. Leonie ist sehr wissbegierig und lernwillig, sie versucht, alles aufzusaugen, bringt aber auch die nötige Geduld mit.« Und - ebenso wie ihre Mitspielerinnen - nach zuletzt zwei Siegen am Stück auch das erforderliche Selbstvertrauen, um das Heimspiel gegen Aufsteiger Königsdorf, aktuell Drittletzter, zuversichtlich anzugehen.

»Ein Sieg wäre gut und wichtig«, weiß Hutin. »Wir dürfen den Gegner keinesfalls unterschätzen, der Blick auf die Ergebnisse zeigt, dass in dieser Liga alles möglich ist. Aber wenn wir unser Ding durchziehen, können wir es auf jeden Fall schaffen.« Mit der Teenagerin im Innenblock? »Das kommt immer auf den Gegner an«, sagt Trainer Breiler. »Aber sie hat sich in den letzten Spielen definitiv als Option hervorgetan.« Ein Wurf ins kalte Wasser jedenfalls wäre es für Leonie Hutin nun nicht mehr.

Florian Deis

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