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»Hoffen, dass jemand Einsicht hat«

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Vorsitzender Martin Schindler kämpft um die Zukunft der HSG Gedern/Nidda. © Red

Gedern/Nidda (flo). Dass die HSG Gedern/Nidda aufgrund der Hallensituation einen freiwilligen Rückzug ihrer Handballerinnen aus der 3. Liga in Betracht zieht, war ein echter Paukenschlag. Nun bezieht der Vorsitzende Martin Schindler Stellung. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wo liegen die Probleme? Seit Anfang März kann die Spielgemeinschaft ihre Trainings- und Spielstätte in der Gymnasiumhalle Nidda nicht mehr nutzen. Diese wurde vom Wetteraukreis zur Notunterkunft für Flüchtlinge des Ukraine-Kriegs umfunktioniert. Wenige Tage später stand fest: Die HSG-Handballerinnen können - wie schon 2015 - nach Konradsdorf ausweichen, dort spielen und trainieren. Das bringt so einige Schwierigkeiten für den Klub mit sich. »Der Heimvorteil ist das erste große Problem. Viel weniger Zuschauer und weniger Verkauf sind das nächste. Das sind natürlich Posten, die unserer Kalkulation zugrunde liegen«, sagt Schindler.

Das gesamte Equipment - von Kaffeemaschinen und Getränke über Werbebanner und Laptop bis hin zur Anzeigetafel - müsse jedes Mal aus Nidda nach Konradsdorf und zurück transportiert werden, dafür habe man sich mittlerweile gar einen Anhänger ausgeliehen. »Und dann brauchen wir noch Helfer für die Dienste sowie für den Auf- und Abbau.« Dass aufgrund der Baustelle zwischen Ranstadt und Effolderbach und der damit einhergehenden Umleitung über Hirzenhain pro einfacher Strecke gut 28 Kilometer zurückzulegen sind, erschwert all das zusätzlich.

Selbstredend ist nicht nur der Spielbetrieb der Drittligafrauen sowie der Männer betroffen. Einige Jugendteams weichen nach Konradsdorf aus. Auch der TV Nidda, einer der beiden HSG-Stammvereine, muss einige Angebote streichen. »Im Kinder- und Jugendsport haben wir eine Vielzahl von Abmeldungen, zudem beenden ehrenamtliche Übungsleiter frustriert ihre Tätigkeit«, berichtet Schindler.

Was wünscht sich die HSG? Schindler weiß freilich um die Sensibilität der Thematik. »Es gibt keine zwei Meinungen, dass den Geflüchteten aus der Ukraine geholfen werden muss«, betont er. »Wir haben diese Situation deshalb anfangs akzeptiert. Es ist aber nicht akzeptabel, dass daraus eine Dauerlösung wird.« Man könne nicht verstehen, weshalb nicht nach Alternativen gesucht werde. »Andere Kreise haben entweder Sporthallen gemieden, damit der Sport nach der Pandemie wieder in Tritt kommt, oder sich zügig nach Alternativen umgeschaut.« Das sei im Wetteraukreis offensichtlich nicht der Fall. Schindler: »Wenn schon Sporthallen belegt werden müssen, warum dann nicht in Städten mit mehreren Sporthallen? In Bad Vilbel, Friedberg oder Bad Nauheim stehen mehrere Hallen zur Verfügung. Dort müsste nicht der gesamte Sport eingestellt werden.«

Mit diesem Anliegen hat sich der Verein bereits an den Wetteraukreis gewandt, sich zudem nach einer Perspektive erkundigt. Eine solche erhielt man aus Friedberg nicht. Woraus sich ableiten lässt: Wann die HSG zurück nach Nidda kann, ist völlig offen. »Vom Kreis heißt es, er handle im Auftrag des Landes Hessen. Das Land Hessen hat aber nicht gesagt, dass es in Nidda sein muss«, ärgert sich Schindler. Auch an den hessischen Landessportbund hat man sich gewandt. Dieser, so Schindler, wolle das Thema auf landespolitischer Ebene einbringen.

Wass passiert mit dem Drittligateam? Die bis zum 15. Mai erforderliche Meldung für die neue Saison hat die HSG Gedern/Nidda noch nicht eingereicht. »Wir werden jetzt vereinsintern beraten, ob wir unser Drittligateam zurückziehen«, sagt Schindler. »Ohne Perspektive, in die Halle in Nidda reinzukommen, ist die 3. Liga nicht mehr machbar. Auch alles, was wir im Jugendbereich aufgebaut haben, bricht dann weg.« Als längerfristige Übergangsheimat, das wird deutlich, kommt Konradsdorf für die HSG Gedern/Nidda nicht infrage. Zumal: »Wir nutzen die Trainingszeiten der Fußballer. Diese werden irgendwann wieder wegfallen. In den umliegenden Gemeinden Echzell, Schotten und Laubach stehen keine Hallenzeiten zur Verfügung«, so Schindler. Was bleibt? »Wir werden weiter bohren und hoffen, dass noch jemand Einsicht zeigt.«

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