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Historische Saison-Annullierung

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Fußball in Corona-Zeiten - mit Mundschutz, Schnelltest und Desinfektionsmittel. © Torben Frieborg

Sportfreunde Oberau holen Ende Juli den Kreispokal, während es schon vor dem Anpfiff der Gruppenliga-Saison-Ärger gibt.

Büdingen (tfr). Die Spitze des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) diskutiert mit seinen 32 Kreisfußballwarten, hält unzählige Videokonferenzen ab und entwirft verschiedenste Zeitpläne. In den ersten beiden Monaten des Jahres dreht sich alles um eine Frage: Können in den hessischen Spielklassen zumindest alle Vorrundepartien trotz Corona ausgetragen werden, um die Saison werten zu können? Büdingens Kreisfußballwart Jörg Hinterseher äußert sich im Februar noch optimistisch: »Uns würde sogar ein Re-Start Anfang Mai genügen, weil die Vereine im Kreis maximal noch sechs Vorrundenspiele zu bestreiten haben.«

Einige Wochen später plädieren die meisten Klubs für eine Saison-Annullierung. Steigende Inzidenzwerte, verbunden mit dem Zweifel an zeitnahen Lockerungen der Politik bis hin zum regulären Mannschaftssport ohne Kontaktbeschränkungen, lassen das Zeitfenster für das Absolvieren des noch ausstehenden Restprogramms immer kleiner erscheinen. Auch die Vereine im Kreis Büdingen haben ein klares Meinungsbild: 52 stimmen für eine Annullierung, ein Klub dagegen.

Re-Start im Sommer mit Pokalrunde

Die historische und alternativlose Entscheidung erfolgt schließlich am 27. März: Die Amateurfußballsaison in Hessen wird wie erwartet abgebrochen und annulliert. Es gibt also weder Auf- noch Absteiger. Nur die Regionalligisten, die jetzt »laut Gesetz« Profis sind, ziehen die Runde wie die Dritt-, Zweit- und Erstligisten durch.

Zurück in die Zukunft heißt es im Frühsommer: Die Hoffnung steigt, der Inzidenzwert sinkt. Die Amateurfußballer stehen vor der Rückkehr auf die Fußballplätze. Bereits im Juni finden die ersten Testspiele statt, im Juli setzt der Kreis Büdingen nach acht Monaten Corona-Pause die Pokalrunde 2020/2021 fort. Am 31. Juli kommt es zum großen Endspiel in Geiß-Nidda. Gruppenligist Sportfreunde Oberau schlägt den Ligakonkurrenten FC Alemannia Gedern vor 800 Zuschauern dank eines Elfmetertreffers von Kevin Kuhl mit 1:0.

Im Ligaspielbetrieb gibt es Ärger, bevor es richtig losgeht. Stein des Anstoßes: Die Mammut-Saison in der Gruppenliga Frankfurt Ost mit 20 Teams und 38 Spieltagen. Oberaus Spielausschusschef Peter Kuhl wirbt für eine Teilung der Liga in zwei Gruppen und somit für eine Saison mit maximal 30 Spieltagen. Zehn Vereine sind bei einer Abstimmung für dieses Modell, drei wollen eine Einfachrunde mit anschließender Auf- und Abstiegsrunde, was ebenfalls für mehr Spielraum sorgen würde. Sieben Klubs sind für das klassische Modell, das der HFV schließlich wählt. »Warum wir trotz einer Abstimmung 38 Spieltage absolvieren müssen? Ich kann es bis heute nicht sagen«, meckert Kuhl.

Noch lange keine Normalität

Die Folge: Ein straffer Spielplan, der manchen Freizeitkicker - verschärft durch einige Corona-Spielausfälle - an seine Belastbarkeitsgrenze oder vielleicht sogar darüber hinaus bringt. So soll beispielsweise der FC Alemannia Gedern im November acht Ligaspiele bestreiten. Immerhin sieben davon zieht der Klub durch.

Auf Büdinger Kreisebene halten sich die coronabedingten Spielausfälle in Grenzen. So dürfen Kreisoberligist KSV Eschenrod, A-Ligist SG Wallernhausen/Fauerbach und B1-Ligist FC Lorbach die Herbstmeisterschaft bejubeln. Lediglich in der Gruppe 2 der Kreisliga B steht der »Halbzeittitelträger« aufgrund noch einiger auszutragenden Nachholpartien noch nicht fest.

Unter dem Strich bleibt festzuhalten: Normalität sieht anders aus, weil Hygienekonzepte, Absperrbänder, Hinweisschilder, Testungen der Spieler und immer wieder angepasste »Eskalationskonzepte« ständige Wegbegleiter der Vorrunde sind. Diese kosten die Vereine Kraft und Geld.

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